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Erster WM-Titel für DBB

Basketball-WM: Darum ist Deutschland völlig verdient Weltmeister

  • Veröffentlicht: 10.09.2023
  • 21:27 Uhr
  • Ole Frerks
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Deutschland ist Basketball-Weltmeister! Im letzten Spiel eines beeindruckenden Turniers zeigt das DBB-Team noch mal all seine Qualitäten und behält am Ende die Nerven. Es ist ein Erfolg der gesamten Mannschaft, allerdings tun sich zwei Spieler an diesem Tag besonders hervor – der stille und der laute Anführer. Die Erkenntnisse zum Finale.

von Ole Frerks

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1. Ein völlig verdienter Weltmeister

Sie haben es wirklich geschafft. Deutschland ist Weltmeister im Basketball, dieser Satz klingt aus der Perspektive von noch vor wenigen Wochen und vielen (allen) Jahrzehnten zuvor so albern, dass man ihn einfach immer wieder schreiben muss. Deutschland ist Weltmeister im Basketball, das ist eine riesige Sensation. Deutschland ist Weltmeister im Basketball. Irgendwie aber auch folgerichtig.

Deutschland wäre nicht Weltmeister, wäre das Team jemals so angetreten, als wäre die Goldmedaille eine Sensation. Dieses Team glaubte immer an sich und machte sich nie kleiner, als es war. Der Sieg über Team USA im Halbfinale wurde kurz abgenickt und gefeiert, aber dann ging es weiter. Der Job war noch nicht erledigt, das große Ziel noch nicht erreicht.

Basketball-WM: Das Wichtigste in Kürze

  • Deutschland krönt sich zum Weltmeister

  • Turnier-MVP: Schröder ausgezeichnet

Das DBB-Team blieb bis zum Ende darauf fokussiert, erst nach Spielende im Finale ließen alle Spieler und Coaches ihre Emotionen raus. Der Job war erledigt, Deutschland schloss das Turnier mit makelloser Bilanz ab, überstand jeden Test. "Es ist unglaublich, wie wir es auch getan haben. Gegen die stärksten Teams", sagte Dennis Schröder bei "Magenta". "Wir sind das Team. Deshalb haben wir die Weltmeisterschaft geholt."

Natürlich hätte es unterwegs auch mal schiefgehen können. Franz Wagner verletzte sich im ersten Turnierspiel. Gegen Australien war es bis zum Ende knapp. Gegen Lettland war es knapper als nötig, gegen die USA entschieden etliche Kleinigkeiten das Spiel, auch gegen Serbien gab es nochmal einen Krimi. Unterm Strich ging Deutschland aber aus jedem dieser Spiele als Sieger hervor, auch das ist eine Qualität für sich.

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DBB-Team: Vielseitigkeit als große Stärke

Dieses Team hatte ein exzellentes Rollenverständnis, hohe Qualität auf allen Positionen, den richtigen Willen und taktische Vielseitigkeit. Deutschland konnte hohes Tempo gehen, wie gegen die USA gesehen, Teams aber auch in den Treibsand zwingen, wenn es nötig war – wie zum Beispiel im dritten Viertel des Finales, als das bis dahin beste Offensivteam des Turniers Serbien nur 10 Punkte fabrizierte.

Es konnten Spiele mit der Offense und mit der Defense dominiert werden, das DBB-Team hatte eine ausgezeichnete Balance. Deutschland konnte klein spielen oder physisch dominieren. Spiele wurden offensiv mal durch Ball- und Player-Movement entschieden, es ging aber auch mit Einzelaktionen und Matchup-Hunting. Von Schröder, wie in der Schlussminute gegen die USA oder auch im Finale gesehen. Aber auch von anderen. Alle zwölf Spieler im Kader hatten ihre Momente in diesem Turnier.

Masterclass von Coach Herbert

Gordon Herbert fand immer wieder die richtigen Rotationen und Hebel. Auch wieder gegen Serbien gesehen, als Superstar Bogdan Bogdanovic nach der Halbzeitpause kein Faktor mehr war, und als weniger Switching dazu führte, dass die Serben nicht mehr so leicht zu ihren favorisierten Matchups kamen.

Herbert zeigte nebenher auch immer das emotionale Feingefühl mit seiner Mannschaft, sei es mit richtig getimten Auszeiten oder auch beim Scharmützel zwischen Schröder und Daniel Theis. Es war ein Triumph, der allen gehörte, und der am Ende völlig verdient war. Der eine Sensation war, sich aber irgendwie nicht so anfühlte – weil am Ende das richtige Team ganz oben stand.

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2. Der stille Stabilisator

Bei einem solchen Triumph und einer solchen Mannschaftsleistung einzelne Spieler hervorzuheben, ist immer ein wenig schwierig, in diesem Fall bietet es sich jedoch an, zumindest kurz auf einen der heimlichen MVPs des Finalsiegs einzugehen. Üblicherweise drängt sich Johannes Voigtmann nämlich nie in den Vordergrund, das zeichnet ihn sogar aus. Im Finale jedoch war das ein bisschen anders.

Der Big Man war mehrfach zur Stelle, um seinem Team die nötige Stabilität zu geben. Er traf den ersten Dreier der Deutschen, ackerte um jeden Rebound, auch am offensiven Brett. 80 Prozent seiner Würfe fanden ihr Ziel.

Voigtmann machte auch defensiv ein bärenstarkes Spiel. Gerade die USA hatten ihn einige Male vom Korb weggezogen und dann im Eins-gegen-Eins herausgefordert, was nicht zu seinen größten Stärken gehört. In dieser Partie war er jedoch am Korb gefordert, gegen seinen früheren Teamkollegen Nikola Milutinov, und machte seine Sache herausragend.

Voigtmanns zeigt Spielintelligenz

Im bisherigen Turnierverlauf war der Big einer der wichtigsten Scorer der Serben und ihr bester Rebounder, beides war im Finale nicht zu sehen. Seine 2 Punkte musste sich Milutinov an der Freiwurflinie erarbeiten, er holte sich lediglich 4 Rebounds. Auch, weil Voigtmann sich immer wieder richtig positionierte und ihm keinerlei Platz zum Operieren ließ.

Auch auf der anderen Seite war Milutinov der "Verlierer" des Duells gegen die deutschen Bigs. Voigtmann, aber auch Theis oder Moritz Wagner zogen ihn dank ihres Wurfs immer wieder weg vom Korb und schafften dadurch Platz für die Penetration von insbesondere Schröder und Franz Wagner. Einige Male attackierte Voigtmann selbst gegen zu aggressive Closeouts und ging bis zum Korb durch.

Überhaupt: Seine Spielintelligenz war wieder einmal offenkundig, beim eigenen Abschluss, aber auch bei seinen Pässen. Teilweise war Voigtmann ein Hub gegen die unheimlich aggressive On-Ball-Defense der Serben. Teilweise bewegte er sich exzellent abseits des Balles, wie als er im ersten Viertel von Theis für einen Dunk nach Baseline-Cut gefunden wurde.

"Wussten, dass wir da sein müssen."

Die vielleicht schönste Offensiv-Possession der Deutschen endete mit einem Assist von Voigtmann auf Moritz Wagner. Im Schlussviertel versenkte der 30-Jährige einen weiteren Dreier, der auf 7 Punkte Vorsprung stellte und das Spiel zwar nicht entschied, aber wieder in die richtige Richtung lenkte. Und dann half er entscheidend dabei, auch defensiv endgültig den Sack zuzumachen.

"Wir wussten, dass wir da sein müssen", sagte Voigtmann nach Spielende. "Du kannst das natürlich predigen und immer sagen. Aber wir waren es wirklich." Voigtmann lebte das vor und demonstrierte noch einmal, warum er für diese Mannschaft trotz der eher ruhigen Art (und Zahlen) so wichtig ist.

3. Schröder erklimmt den Olymp

Schröder ist dazu im Prinzip der Gegenentwurf. Der Kapitän geht mit Worten und Taten voran, natürlich auch mit seinen Zahlen. 28 Punkte erzielte Schröder im größten Spiel seiner Laufbahn, überragte diesmal wieder auf eine andere Weise als gegen die USA. Weniger als Playmaker (auch wenn die 2 Assists ihm gefühlt Unrecht tun), mehr als Scorer und Crunchtime-Chef. Und auch als Verteidiger.

Schröder erklärte die Aufgabe Bogdanovic offensichtlich zur Chefsache, jagte den serbischen Topscorer um Screens und ließ ihn in der zweiten Halbzeit phasenweise überhaupt nicht mehr an den Ball kommen. Er meldete einen der besten FIBA-Scorer vollständig ab. Wenn man bedenkt, wie viel Last er das gesamte Turnier über zu tragen hatte, ist dieser letzte Kraftakt noch höher zu gewichten.

Aber das ist der Punkt, den Schröder mittlerweile erreicht hat – einer der absolut besten Spieler auf FIBA-Level, der offensiv nicht zu stoppen ist, aber viel besser die Balance findet als in früheren Zeiten. Der auch defensiv Spezialaufgaben übernehmen kann und vorangeht, der seine Teammates erreicht und ihnen Selbstvertrauen einimpft.

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Schröder krönt seine Karriere

Und der Plays wie seinen letzten Driving Layup, als er die Vollblut-Nervensäge Aleksa Avramovic im Eins-gegen-Eins schlug und unwiderstehlich zum 81:77 abschloss, aus dem Ärmel schütteln kann.

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Als "ganz normalen Tag im Büro" bezeichnete Isaac Bonga, der selbst ein vor allem defensiv großartiges Finale spielte, den Auftritt von Schröder – weil man solche Leistungen von ihm mittlerweile erwartet. Stimmt auch irgendwie, deshalb ist der Point Guard als zweiter Deutscher MVP eines WM-Turniers geworden. Anders als Dirk Nowitzki damals jedoch als Turniersieger.

Diese Goldmedaille ist nicht zuletzt die Geschichte von Schröder, der seit zehn Jahren bei jeder Gelegenheit für Deutschland spielt und dabei längst nicht nur einfache Zeiten erlebte. Er hat, zusammen mit dieser besonderen Mannschaft, ein Stück Sportgeschichte geschrieben und seine eigene Karriere gekrönt.

"Ich habe sehr, sehr viele harte Arbeit reingepackt“, sagte Schröder über seine Zeit in der Nationalmannschaft. „Ich will nichts mehr über meinen Namen hören." Das wird so zwar nicht passieren, aber vielleicht schwingt der Diskurs nun ja – auch flächendeckend – endgültig in die richtige Richtung. In jedem Fall steht der Zusatz "Basketball-Weltmeister" von jetzt an für immer neben seinem Namen.

Was für eine Geschichte.

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