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1. FC Köln: Stadionsprecher Michael Trippel "ist der Wahnsinn" - Vereinsikone erklärt emotionalen Ausbruch
- Aktualisiert: 09.03.2026
- 16:15 Uhr
- Oliver Jensen
Kölns Stadionsprecher Michael Trippel sorgte beim Heimspiel gegen Borussia Dortmund für einen Eklat. Vereinsikone Pierre Littbarski verrät gegenüber ran, wie Trippel tickt und warum bei ihm die Emotionen überkochen.
von Oliver Jensen
Michael Trippel, der Stadionsprecher des 1. FC Köln, sorgte am Samstagabend bei der 1:2-Niederlage gegen Borussia Dortmund für einen Eklat.
Nach der VAR-Entscheidung, die zur Roten Karte von Kölns Jahmai Simpson-Pusey führte, polterte Trippel ins Stadion-Mikro: "Pfui! Widerlich!"
Direkt nach Schlusspfiff legte er noch einmal nach. "Ich werde wahrscheinlich richtig Ärger kriegen, aber ich muss es loswerden: In der 95. Minute gab es ein klares Handspiel im Dortmunder Strafraum und das guckt sich noch nicht mal einer an.“
Damit spielte er auf das Handspiel von BVB-Profi Yan Couto kurz vor Schluss im Dortmunder Strafraum an, bei dem der VAR nicht eingegriffen hatte. Dadurch blieb Köln ein potenzieller Elfmeter verwehrt.
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Pierre Littbarski über Köln-Stadionsprecher: "Das ist doch Herzblut"
Die Kölner Vereinsikone Pierre Littbarski musste lachen, als er von ran auf den Eklat von Trippel angesprochen wurde. "Das ist doch Herzblut", sagte der 65-Jährige. "Das kann nur jemand verstehen, der selber mit dem Herzen so dabei ist. Manchmal haut man einfach die Dinger raus."
Dennoch sei das Verhalten nicht korrekt gewesen: "Das Emotionale ist die eine Sache. Aber man muss natürlich immer einen seriösen Anstrich behalten. Und deshalb muss man da reagieren. Aber ich kenne natürlich den Trippel, der hängt emotional total drin. Da ist ihm mal was ausgerutscht – wir machen alle mal einen Fehler."
Littbarski hofft, dass es keine schwerwiegenden Konsequenzen geben wird: "Der hat so viel für den Verein getan. Da muss man mal kurz im Dom eine Kerze anzünden, sich entschuldigen – und dann ist auch gut."
Der frühere Köln-Profi kennt den Stadionsprecher schon sehr lange und lässt nichts auf ihn kommen: "Der Trippel ist der Wahnsinn. Ich bin mit ihm mal zusammen den Dom hochgegangen, das war super interessant. Der spricht zu 90 Prozent aus dem Herz und zu 10 Prozent mit dem Kopf."
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1. FC Köln: DFB leitet Verfahren gegen Stadionsprecher ein
Der DFB hat bereits ein Verfahren gegen den Stadionsprecher eingeleitet. "Wir missbilligen die Äußerungen des Stadionsprechers des 1. FC Köln entschieden und halten sie für inakzeptabel", erklärte der DFB gegenüber der "Bild".
Trippel hat gegen eine Regel verstoßen, denn im "Handbuch für Stadionsprecher und Platzansager" (Artikel 43) heißt es: "Über die Lautsprecheranlage dürfen ausschließlich Durchsagen mit neutralem Inhalt gemacht werden. Die Lautsprecheranlage darf nicht verwendet werden für: die Verbreitung politischer Botschaften, die Unterstützung der Heimmannschaft, jegliche Form von Diskriminierung der Gastmannschaft."
Dem Stadionsprecher ist sein Fehlverhalten bewusst: "Die Aussagen waren schon sehr emotional von mir. Aber nach einer Nacht drüber schlafen sehe ich schon ein, dass man das sicher nicht zu oft machen sollte. Für die, die sich angegriffen fühlen, bei denen entschuldige ich mich", sagte er gegenüber der "Bild".
Dabei erklärte er auch noch einmal seine Verbundenheit zum Klub: "Der FC gehört zu meinem Leben, das ist meine 63. Saison als Fan, 42 Jahre bin ich für den FC tätig – da sind eben eine Menge Emotionen dabei."
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1. FC Köln: Fans unterstützen Stadionsprecher Trippel
Viele Fans des 1. FC Köln stehen hinter dem Stadionsprecher. Der "Express" zitierte einige Kommentare, die in den sozialen Netzwerken getätigt wurden. "Er hat das ausgesprochen, was alle gedacht haben. Ich spende gerne 20 Euro, falls er eine Geldstrafe bekommt", schrieb ein User.
In Bezug auf das Verfahren des DFB schrieb ein Fan: "Der DFB sollte mal lieber gegen die VARs und gegen seine eigenen Schiedsrichter ermitteln, da haben sie genug zu tun."
Die Unterstützung der Fans ist nicht überraschend, denn Trippel ist einer von ihnen. Seit dem 9. Lebensjahr ist er Anhänger des "Effzeh".
Michael Trippel: Vom Schauspieler zum Stadionsprecher
Trippels zweite Leidenschaft war die Schauspielerei. Nach seiner Schauspielausbildung in Berlin, Bochum und Hamburg stand er von 1978 bis 1981 in Köln im "Theater der Keller" auf der Bühne. Danach zog es den mittlerweile dreifachen Familienvater in die Pharma-Industrie.
Seine Verbindung zum FC führte dazu, dass er 1984 1. Fan-Beauftragter eines Bundesligisten wurde, ehe dies 1989 vom DFB zur Pflicht für die Vereine wurde. 1992 wurde der Stadionsprecher bei der 2. Mannschaft, ehe er 1996 die Funktion bei den Profis einnahm.
Bei aller Verbundenheit stellt sich dennoch die Frage, warum er sich zu solchen Äußerungen hinreißen ließ. Gegenüber der "Kölnischen Rundschau" erklärte Trippel, dass ihn die ständigen VAR-Diskussionen schon länger stören würden.
"Der Ärger musste irgendwann mal raus", erklärte Trippel. Hinzu kommt, dass ihn die sportliche Situation des Klubs belastet: "Ich mache mir große Sorgen um den Verein. Wir brauchen dringend Punkte."
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