Bundesliga live in SAT.1, auf Joyn und ran.de
FC Bayern München: Leon Goretzka bekommt doch noch würdigen Abschied beim Rekordmeister
- Veröffentlicht: 01.02.2026
- 15:19 Uhr
- Carolin Blüchel
Leon Goretzka beendet seine Zeit beim FC Bayern München nach acht Jahren. Während der Klub ihn sportlich und strategisch längst aussortiert hatte, hielt Goretzka immer Haltung. Genau deshalb könnte er in der restlichen Saison noch wertvoll werden.
von Carolin Blüchel
Leon Goretzka verlässt den FC Bayern München zum Saisonende. Ein schleichender Abschied über zwei Jahre endet mit dem Auslaufen seines Vertrages. Es ist eine Trennung ohne Groll, die es im Profifußball eher selten gibt - und die auch in diesem Fall einzig Goretzkas Verdienst sein dürfte.
Denn während die Vereinsspitze seit Sommer 2024 nicht gerade zimperlich mit ihm umgegangen ist, bewahrte Goretzka stets Contenance. Blieb souverän, loyal und professionell. Aus Liebe zu Verein, Fans und Stadt, wie er immer wieder betonte.
Aus diesem Grund schlug er nun auch das jüngste Angebot von Atletico Madrid aus. Die Spanier wollten den Nationalspieler ab sofort als Verstärkung fürs zentrale Mittelfeld. Goretzka sagte "no, gracias". Zumindest für den Moment.
So sehr ihn das Interesse von internationalen Topklubs ehre, so klar habe er sich entschieden, bis zum Saisonende beim FC Bayern durchzuziehen, verkündete er auf Instagram.
"Mit einem Team, mit dem es auf und neben dem Rasen unglaublich viel Spaß macht und einem Trainer, der unsere Mannschaft wieder zu einer echten Einheit geformt hat. Diesem Team und dem Verein fühle ich mich verpflichtet", ließ Goretzka wissen.
Im Sommer wolle er sich von den Fans standesgemäß auf dem Marienplatz verabschieden. Bestenfalls erstmals mit drei Trophäen in der Hand. Denn beim Triple-Triumph 2019/20 waren gemeinsame Feierlichkeiten im Herzen Münchens wegen der Corona-Pandemie ausgefallen. Es besteht Nachholbedarf.
Goretzka seit 2024 stets Verkaufskandidat
Sportdirektor Christoph Freund zollte Goretzka bei der Verkündung der gemeinsamen Entscheidung Respekt. "Leon wird acht Jahre beim FC Bayern München gewesen sein. Extrem erfolgreich, extrem stark, wie er sich als Mensch und als Spieler hier gegeben hat." Besonders Letzteres lässt sich über die Klubspitze nicht durchgängig sagen.
Ein Blick zurück. 2021 hatten die Bayern den Vertrag mit Goretzka um fünf Jahre verlängert. Sein Marktwert lag damals laut "transfermarkt" bei 70 Millionen Euro. Mit einem kolportierten Jahresgehalt von 17 Millionen Euro stieg der Mittelfeldallrounder zu den Topverdienern auf.
Als die Formkurve später nach unten zeigte und Goretzka auch aus dem DFB-Kader für die Heim-EM 2024 flog, sank proportional auch die Wertschätzung im Klub. Nervosität machte sich breit. Ein Topverdiener mit einem Abo für die Reservebank – für die Bayern hörte der Spaß hier auf. Alte Meriten hin oder her.
Im Sommer 2024 legte Sportvorstand Max Eberl Goretzka öffentlichkeitswirksam nahe, den Klub zu verlassen. Keine Perspektive, Konkurrenz zu groß. Nach dem Motto: Wenn du bleibst, spielst du nicht. Auch der neue Trainer Vincent Kompany riet ihm in einem ersten Gespräch, sich einen neuen Verein zu suchen.
Bayern-Fans schlagen Alarm: "Titel-Rennen? Noch lange nicht durch"
Externer Inhalt
Goretzka beißt sich durch und überzeugt Kompany
Doch davon wollte Goretzka nichts wissen. Ohne Klage trainierte er wie ein Besessener, zog Motivation aus der schwierigen Situation und lauerte auf seine Chance – die im Fußball bekanntlich häufig schneller kommt, als man glaubt.
Als sich schließlich Aleksandar Pavlovic und 55-Millionen-Fehlkauf Joao Palhinha langfristig verletzten, nutzte Goretzka die Gunst der Stunde und kämpfte sich zurück in die Startelf. "Im Training hat er immer weitergemacht. Das hat auch unsere Beziehung gestärkt", verriet Kompany zuletzt voller Bewunderung.
Trotzdem verging kaum eine Transferperiode, in der Goretzka nicht als Verkaufskandidat galt. Erst recht, als seine Leistungen wieder volatiler wurden. Goretzka saß es aus. Immer wieder.
Nicht jeder wertschätzte diese Beharrlichkeit. Unter den Fans in den sozialen Netzwerken häuften sich kritische Stimmen, die dem gebürtigen Bochumer materielle Motive unterstellten. Nach dem Motto: 17 Millionen fürs Banksitzen seien schließlich auch eine Perspektive.
Bayern verhandelte schon mit Atletico
Als der Ton im Dezember zu rau wurde, verordnete sich Goretzka selbst ein Social-Media-Detox und löschte in einer Spontanaktion sämtliche Instagram-Posts mit Bayern-Bezug. Es war Futter für die Gerüchteküche. Spekulationen über ein baldiges Ende in München kursierten. Schon wieder.
Interessenten gab es viele: Galatasaray, Fenerbahçe, SSC Neapel, Juventus Turin, Tottenham Hotspur – und eben Atletico Madrid. Letztere machten Ernst, die Gespräche mit den Bayern sollen weit fortgeschritten gewesen sein, ehe Goretzka selbst die Reißleine zog.
Der lange Atem der vergangenen Jahre soll nicht umsonst gewesen sein. Gerade in dieser Saison, wo es für die Bayern – trotz gegenwärtiger Schwächephase – insgesamt vielversprechend läuft.
"Er spürt, was gerade passiert, welche Energie in der Mannschaft steckt und dass einiges möglich ist in diesem Jahr. Da will Leon dabei sein", sagte Freund.
Bundesliga - Fan-Wut nach strittigen Elfern: "Reinste Lotterie"
Goretzka könnte noch wichtig werden
Tatsächlich träumt Goretzka sogar vom ganz großen Coup. Er freue sich auf die kommenden Wochen und Monate, schrieb er auf Instagram.
Auf dem Rasen wird er dabei nicht mehr der Leader von einst sein, sondern eher eine ergänzende Rolle übernehmen. Viel wichtiger ist womöglich sein Einfluss abseits des Platzes, worauf eine Aussage von Pavlović hindeutet.
"Er hat mir mit seiner Mentoren-Rolle und seinen Tipps sehr geholfen", betonte das Eigengewächs. Vielleicht ist das die Aufgabe, die Goretzka in der Endphase seiner Bayern-Zeit übernehmen kann. Ein hoch dekorierter, erfahrener Leistungsträger, der seine Nachfolger zum Abschied besser machen kann.
Es wäre dann doch noch ein würdiger Abschied für Goretzka aus München - mit einem Extra on top. Denn laut "Sky" soll Atletico offenbar auch im Sommer noch bereitstehen.