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Bundesliga

FC Bayern München: Thomas Tuchel ist Vorbild in der Krise

  • Aktualisiert: 19.05.2023
  • 17:10 Uhr
  • ran.de
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© IMAGO/Revierfoto
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Thomas Tuchel kämpft sich als Trainer des FC Bayern München durch eine turbulente Anfangsphase. Doch der 49-Jährige zeigt besonders seinen Bossen, wie Krise geht – ein Kommentar.

Von Andreas Reiners

Thomas Tuchel nahm einen Schluck aus seinem Wasserglas, hörte aufmerksam zu. Doch der Coach des FC Bayern München stellte das Glas ganz schnell wieder weg, als eine Frage zur Vorbildfunktion von Sadio Mane kam. Er musste etwas sagen, unterbrach dafür sogar die Journalistin. Tuchel warf sich förmlich vor seinen Spieler.

Die Vorbildfunktion des Senegalesen, dessen Strafe für den Schlag gegen Sane mittlerweile angeblich festgelegt wurde, sei natürlich riesengroß, sagte Tuchel. "Ich bin da sein erster Anwalt. Jeder macht einen Fehler, das gehört auch zu einem Vorbild dazu. Er hat das ganz klar kommuniziert, das ist auch eine Vorbildfunktion. Perfekt gibt es nicht. Das gehört dann auch dazu."

Dass Tuchel beim FC Bayern mal mit einer Krise konfrontiert werden würde, war klar. Dass es so schnell geht, damit hat auch der 49-Jährige nicht gerechnet. Doch er macht eine erstaunlich gute Figur dabei.

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Mane-Eklat? Tuchel erhält zurecht viel Lob für Moderation

Denn so wie bei Mane holt man die Spieler ab, gewinnt das Vertrauen der Mannschaft und das des Umfelds. Das ist bei einem Klub wie dem FC Bayern essenziell, aber längst nicht alles, denn als Trainer hat man deutlich mehr Aufgaben. 

Man muss Krisenmanager sein, Moderator, Diplomat, dabei auch die herausfordernde Medienlandschaft im Blick haben. Dafür sorgen, dass die Stimmung sich auch in schwierigen Zeiten nicht zu schnell und heftig dreht und gegen einen selbst richtet. 

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Oder anders gesagt: Als Trainer sollte man bei einem Klub wie dem FC Bayern abgesehen vom Sportlichen so wenig unnötige Angriffsflächen wie möglich bieten, stattdessen Brandherde löschen und Nebenkriegsschauplätze vermeiden. Sonst reibt man sich schnell auf.

Dafür sollte man auch ein Menschenfänger sein.

Tuchel bekommt das in seinen ersten Wochen außerordentlich gut hin, das Lob für seine Pressekonferenzen ist auffallend laut und nachhaltig. 

Zu Recht.

Tuchel kommt nicht so brachial-humorvoll, schlagfertig und kumpelhaft wie zum Beispiel Jürgen Klopp daher, Tuchel überzeugt eher auf einer anderen Ebene, die den Bayern aber nichtsdestotrotz extrem gut tut. Denn: Brachial ist der FCB auch so schon genug.

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Bayern-Trainer Tuchel als Krisenmanager: Souverän, unaufgeregt und sachlich

Der 49-Jährige nimmt sich viel Zeit, wirkt nicht genervt oder dünnhäutig, auch nicht bei der x-ten Nachfrage zu Brennpunkt-Themen. Er moderiert sich souverän, unaufgeregt und sachlich durch seine ungewohnt stürmische Anfangsphase als Bayern-Coach, erklärt Vorkommnisse und Entscheidungen nachvollziehbar, fachlich ebenso interessant wie überzeugend, ohne dabei anbiedernd zu sein. Damit nimmt er vielen unberechenbaren Dingen ihre mögliche Wucht.

Tuchel verzichtet auf überflüssiges Entertainment, schafft es aber trotzdem, unterhaltsam zu sein. Die Auftritte haben viel Substanz und liefern Hintergründiges. Dem Vernehmen nach sind die internen Gespräche ähnlich gehaltvoll. Kommunikation ist alles, vor allem in Krisenzeiten, intern wie extern. Tuchel zeigt sich dabei deutlich reifer als früher, als er sich medial auch schon mal aufrieb. Klar: Ob das so bleibt, muss sich zeigen. Doch im Moment ist das für den FC Bayern goldwert.

Fels in der Brandung wirkt vielleicht etwas überkandidelt, trifft es im Moment aber recht gut. Vor allem dann, wenn man Tuchels Auftritt mit jenen der Klub-Bosse Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn vergleicht. Beide haben zuletzt mehr als einmal gezeigt, wie man sich bei Gegenwind auf keinen Fall verhalten sollte: Widersprüchlich, dünnhäutig, genervt, unwirsch, oberflächlich.

Treffsicher waren sie nur bei den zahlreichen Fettnäpfchen, die sie nicht ausgelassen haben. 

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Bosse sollten genau hinsehen

Salihamidzic und Kahn sind deshalb gut damit gefahren, dass Tuchel den Mane-Eklat medial aufgearbeitet hat. Sie sollten aber genau zuschauen, denn sie können von ihrem Trainer in Sachen Krisenmoderation noch viel lernen.

Denn die nächste kommt bestimmt.

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