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Europameisterschaft 2024

DFB-Kader für die EM 2024 in der Analyse: Julian Nagelsmann entscheidet über knifflige Duelle

  • Aktualisiert: 21.05.2024
  • 11:59 Uhr
  • Tobias Hlusiak
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Auf dem Weg zu seinem finalen EM-Kader musste Julian Nagelsmann einige enge Duelle entscheiden und unbequeme Gespräche führen. ran blickt auf diskussionswürdige Personalien und beantwortet, warum einzelne Stars mit zur EM dürfen und andere eben nicht.

Von Tobias Hlusiak

"Als Bundestrainer hast du die Chance, deinen Kader so zu bauen, wie du ihn möchtest."

Julian Nagelsmann wirkte entschlossen, als er erklärte, wie sein Kader für die nahende Europameisterschaft zu Stande gekommen war - und auch ein wenig stolz.

Ein monatelanger Prozess sei das alles gewesen. Besonders nach den vergangenen schwachen Turnieren der DFB-Premiumelf und der verheerenden Phase mit den Niederlagen gegen Österreich und die Türkei im Herbst 2023.

"So konnte das nicht bleiben", befand der 36-Jährige. Und zusammen mit seinem Trainerteam erdachte er eine neue Nationalmannschaft. Eine, die gerade rechtzeitig vor Beginn des kontinentalen Turniers im eigenen Land ein zartes Euphorie-Pflänzchen entfacht hat.

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Das Wichtigste in Kürze

Entscheidender Punkt für Nagelsmann: Das Miteinander soll stimmen. Der Bundestrainer stellte deshalb eine Überlegung in den Mittelpunkt, die ihm erlaubte, nicht immer nur nach rein sportlichen Gesichtspunkten entscheiden zu müssen und trotzdem die Deutungshoheit zu behalten.

"Wir versuchen, die passenden Charakterzüge zu nominieren, damit ein Ganzes entsteht", erklärte der oberste Coach des DFB selbst.

Klingt doch eigentlich ganz einfach und logisch. Und dennoch gab es in jedem Mannschaftsteil enge Duelle um einen Platz beim von vielen Spielern so lang herbeigesehnten Heim-Turnier.

TOR: Vier gewinnt mit Debütant Nübel und Baumann

Nominiert: Manuel Neuer, Marc-Andre ter Stegen, Oliver Baumann, Alexander Nübel

Zwei der vier Torhüter sind über jeden Zweifel erhaben. Neuer und ter Stegen sind Deutschlands Aushängeschilder, was das Spiel zwischen den Pfosten angeht.

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Und nachdem sich der Bundestrainer im Frühjahr auf den Bayern-Keeper als Nummer eins festgelegt hatte, war klar, dass sein ewiger Konkurrent aus Barcelona den Back-Up geben würde. So weit, so gut.

Dahinter wurde es für Nagelsmann etwas knifflig. Oliver Baumann von der TSG Hoffenheim hatte Frankfurts Kevin Trapp während der laufenden Saison langsam aber sicher den Rang abgelaufen und sich den Status als Nummer drei gesichert.

Und weil Alexander Nübel mit dem VfB Stuttgart eine so herausragende Saison spielt, erhielt auch er – nach der verletzungsbedingten Absage von Bernd Leno – den Zuschlag. Trapp verpasst das Turnier.

"Wir werden mit vier Torhütern in das Turnier gehen, um die Belastung besser verteilen zu können", erklärte der Bundestrainer. Damit bleiben ihm im zugelassenen 26-Mann-Kader noch 22 Plätze für Feldspieler. Einer muss also noch gehen.

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ABWEHRKETTE: Warum der Verzicht auf Hummels?

Nominiert: Waldemar Anton, Benjamin Henrichs, Joshua Kimmich, Robin Koch, Maximilian Mittelstädt, David Raum, Antonio Rüdiger, Nico Schlotterbeck, Jonathan Tah

Der Capitano hätte anders nominiert. Das jedenfalls legen die Aussagen von Michael Ballack kurz nach der Verkündung nahe.

"Mats Hummels gehört leistungsmäßig in den Kader", sagte der Vizeweltmeister von 2002 bei "MagentaTV". "Aber er ist ein Spieler, der den Finger in die Wunde legen würde, wenn's schlecht läuft."

Und genau deshalb verzichtet Nagelsmann beim Heim-Turnier auf den Star von Borussia Dortmund. Also zumindest ist das ein Teil der Begründung. Der andere, nicht unwesentlichere: Der Bundestrainer hatte schlicht nicht die passende Rolle für den Weltmeister von 2014 parat.

Hinter den gesetzten Tah und Rüdiger favorisiert der 36-Jährige im Zentrum Hummels' BVB-Kollegen Nico Schlotterbeck. Den 22-Jährigen Linksfuß - sein Alleinstellungsmerkmal unter den Innenverteidigern - bezeichnete der Bundestrainer als wichtigen Spieler für die Zukunft. Auch deshalb ist er dabei.

Zu den Wackelkandidaten gehören sicher Anton und Koch. Einen von beiden könnte nach dem Trainingslager durchaus noch der Rotstift treffen. Sie sind reine Back-ups.

Gleiches gilt für zwei Spieler auf den Außenpositionen, wo die Leipziger Raum und Henrichs hinter Mittelstädt und Kimmich einzusortieren sind.

Die März-Länderspiele hatten Nagelsmann in seinem Vorgehen mit glasklaren Rollenverteilungen bestätigt. Die Siege gegen Frankreich und die Niederlande führten dazu, dass kaum noch jemand den bereits angefahrenen EM-Zug erreichen konnte.

"Wenn du in eine wachsende Struktur, die immer noch fragil ist, viele neue Elemente bringst, stürzt das ganze Haus ein", betonte der Bundestrainer.

Auch deshalb konnte er dem laut "Bild" tief enttäuschten Malick Thiaw vom AC Mailand seinen EM-Traum nicht erfüllen.

Niklas Süle (49 Länderspiele) und Robin Gosens (20) verloren nach eher schwachen Spielzeiten ebenfalls ihren Platz im deutschen Aufgebot.

MITTELFELD: Zwei Bayern bleiben auf der Strecke

Nominiert: Robert Andrich, Chris Führich, Pascal Groß, Ilkay Gündogan, Toni Kroos, Jamal Musiala, Aleksandar Pavlovic, Leroy Sane, Florian Wirtz

Kroos und Andrich machten es in der Zentrale gegen die Equipe Tricolore in Lyon vor knapp zwei Monaten dermaßen gut, dass sie sich als gesetzt betrachten dürften.

Auch Wirtz, Kapitän Gündogan und Jamal Musiala, so er denn vollkommen fit wird, sind aus der ersten Elf nicht wegzudiskutieren.

Einzig Leroy Sane, der im letzten Vorbereitungsspiel gegen Griechenland nach seiner Sperre endlich wieder mitmachen darf, kann sich in Top-Form Hoffnungen auf einen Platz in der ersten Elf machen.

Groß, Pavlovic und Führich sind klare Herausforderer. Eine Rolle, mit der Nagelsmann Bayern-Star Leon Goretzka nicht betrauen will.

"Jede Personalentscheidung zieht eine weitere nach sich. Man muss sich immer fragen, wer sind die richtigen Spieler für die Position dahinter", erklärte der Bundestrainer, der zugab, dass Goretzka mächtig enttäuscht gewesen sei, als er ihm seine Entscheidung mitteilte.

"In diesem Aufgebot steckt eine ganz klare Rollenverteilung und Absprache, wie sich jeder Spieler zu verhalten hat. Der Kader ist klar strukturiert in Alpha-Tiere und Spieler aus der 2. oder 3. Reihe", erkannte auch Ballack: "Die Reibung schon ein bisschen rausgenommen worden."

Und so fanden auch zwei Dortmunder keinen Platz mehr. Emre Can, im Jahr 2023 fester Bestandteil des Kaders - und unter kuriosen Umständen zum Nationalspieler des Jahres gewählt - und Julian Brandt half auch nicht, dass sie mit dem BVB das Finale der Champions League erreichten.

Die Formschwankungen zu Beginn der Saison waren beim Borussen-Duo zu groß gewesen, um zum richtigen Zeitpunkt auf Top-Niveau zu performen.

Als die DFB-Elf im Frühjahr Fahrt aufnahm, waren beide nicht mit dabei. Gleiches gilt für Jonas Hofmann von Bayer Leverkusen, der seinen eigentlich sicher geglaubten Platz im Kader durch eine schwächere Rückrunde bei Bayer Leverkusen noch verlor.

Goretzka-Teamkollege Gnabry hätte wohl ein ähnliches Schicksal ereilt. Eine Verletzung nahm dem Bundestrainer die Entscheidung hier aber ab.

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ANGRIFF: Adeyemis Schlussspurt kommt zu spät

Nominiert: Maximilian Beier, Niclas Füllkrug, Kai Havertz, Thomas Müller, Deniz Undav

Havertz als erste Option. Füllkrug als Top-Joker. Undav als Herausforderer und Thomas Müller Klebstoff für die unterschiedlichen Grüppchen im Kader. Dazu Beier als Joker, falls er im endgültigen Aufgebot bleibt.

Der Sturm war die Position, die Nagelsmann und seinem Trainerteam am wenigsten Kopfzerbrechen bereitet haben dürfte.

Da half auch der starke Saisonendspurt von Dortmund Karim Adeyemi nicht. Der 22-Jährige ist zwar blitzschnell, den EM-Zug konnte aber selbst er nicht mehr erwischen.

Gleiches gilt für Timo Werner. Der einstmalige DFB-Stammspieler wird nach der EURO einen neuen Anlauf nehmen.

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