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Europameisterschaft in Deutschland

EM 2024: Robert Andrich im ran-Interview - "Mein Vorbild war immer Schweinsteiger"

  • Aktualisiert: 05.07.2024
  • 16:43 Uhr
  • Tobias Hlusiak
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Robert Andrich ist bei der Europameisterschaft unangefochtener Stammspieler. Im ran-Interview spricht der Leverkusener über das bevorstehende Viertelfinale gegen Spanien und wie die Superstars des Gegners gestoppt werden sollen.

Von Tobias Hlusiak

Robert Andrich ist eine Schlüsselfigur für die deutsche Nationalmannschaft bei der EM.

Auch im Viertelfinale gegen Spanien am Freitag (18 Uhr im Liveticker auf ran.de) wird es auf ihn und seine aggressive Spielweise ankommen.

Im ran-Interview spricht der 29-Jährige über den deutschen Plan gegen die "Wunderkinder" der Spanier, seinen Weg in die Nationalmannschaft, Toni Kroos und seine sanfte Seite.

ran:  Herr Andrich, David Raum hat im Spaß erzählt, er hätte seinen spanischen RB-Teamkollegen Dani Olmo geblockt. Wie verfahren sie mit Alejandro Grimaldo?

Robert Andrich: (lacht) Geblockt habe ich ihn nicht. Wir haben aber auch noch nicht über das Spiel gesprochen. Vielleicht ergibt sich noch die Gelegenheit. Nach der Partie werden wir auf jeden Fall sprechen, egal wie es ausgeht.

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ran: Bei Spanien werden Sie Rodri begegnen, für viele der beste Sechser der Welt. Sehen Sie das auch so?

Andrich: Das würde ich so grundsätzlich nie sagen, da würde ich immer einen unserer Jungs nennen. Aber klar, Rodri ist ein unfassbar guter Spieler, der bei Manchester City fast jede Partie absolviert. Er kann das Tempo eines Spiels bestimmen, sein Zweikampfverhalten ist sehr intelligent. Er ist einer von vielen Spaniern, gegen die wir uns wehren müssen.

ran: Welche Sechser haben Sie in Ihrer Karriere beeinflusst?

Andrich: Es gibt eine Menge Spieler, von denen ich mir etwas abgeschaut habe. Mein Vorbild war immer Bastian Schweinsteiger, aufgrund seiner Entwicklung als Spieler und Person. Anfangs wirkte er sehr jugendlich und hat auf den Außen gespielt. Er ist dann extrem gereift und hat als Sechser immer mehr Führungsverantwortung in der Nationalmannschaft und im Verein übernommen. Wenn wir über Sechser sprechen, fällt mir Andrea Pirlo ein, der sich so geschickt zwischen den Räumen bewegen konnte und nie viel Tempo benötigte, um in eine gute Position zu kommen. Ich versuche, von allen etwas mitzunehmen.

ran: Man könnte auch Parallelen zu Stefan Effenberg feststellen.

Andrich: Vielleicht von der Aggressivität her (lacht). Leider bin ich etwas zu jung, um ihn in der Hochphase seiner Karriere gesehen zu haben. Er war sehr variabel und ist häufig auch in der Box in Erscheinung getreten, soviel weiß ich.

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ran: Ihr Vereinstrainer Xabi Alonso war ebenso Sechser von Weltformat. Er hat Sie offensichtlich weiterentwickelt. Wie hat er das gemacht?

Andrich: Er hat in Leverkusen in der gesamten Mannschaft die Positionierung angepasst, so dass wir in vielen Situationen einfach besser stehen. Für mich als Sechser ist das sehr wichtig. Und er hat mich darin bestärkt, die Ruhe zu bewahren, nicht zu überdrehen, mich nicht von allen Emotionen leiten zu lassen. Gerade in schwierigen Phasen kommt es auf Geduld und sauberes Verteidigen an. Ich merke ganz persönlich, dass ich mich weniger von äußeren Einflüssen leiten lasse. Das hat er schon extrem verbessert.

ran: Nach dem Pokalfinale hat Alonso gesagt, er sei jetzt auch Deutschland-Fan. Glauben Sie, das gilt auch am Freitag?

Andrich: Ich habe ihn diese Woche gefragt und er meinte, für ihn sei das eine Win-Win-Situation! Er meldet sich regelmäßig, schreibt kurze Nachrichten. Nach der Gruppenphase oder dem Achtelfinale hat er das gemacht. Vor der EM haben wir Späße darüber gemacht, wie es wohl wäre, wenn Deutschland und Spanien gegeneinander spielen würden. Ich glaube, insgeheim ist er für uns! Das können die Spanier auch gerne lesen (lacht).

ran: Stellen Sie sich auf eine prominentere Rolle im Spiel mit dem Ball ein? Spanien wird vermutlich hoch pressen und versuchen, Kroos unter Druck zu setzen.

Andrich: Grundsätzlich ist die Aufgabenverteilung zwischen Toni und mir klar. Im eigenen Ballbesitz spielt er die Hauptrolle. Das liegt auch daran, dass ich sehr wichtig bin für das, was wir nach Ballverlusten tun. Die Spanier sollen mir aber gerne mehr Freiraum geben. Ich glaube, dass ich damit auch ein bisschen was anfangen kann. Darüber hinaus haben wir noch eine Menge anderer Spieler, die die Spanier stoppen müssen. Wir werden auf jeden Fall Lösungen finden.

ran: Kroos hat gesagt, die Stimmung sei sogar besser als 2014. Ist das - wenn Sie auf Ihre Karriere schauen - aber wirklich ein Indikator für einen bevorstehenden Erfolg?

Andrich: Es ist natürlich schön, wenn man Spaß hat. Die vielen Aktionen, die auch in den sozialen Medien auftauchen, sind toll und alle freuen sich darüber. Aber wir wissen schon, worum es hier eigentlich geht. Im Training und bei Besprechungen sind wir voll fokussiert. Eine gute Stimmung ist immer auch abhängig vom sportlichen Erfolg. Für den tun wir alles. Wir stehen im Viertelfinale und sind damit im Soll.

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ran: Wie kam es dazu, dass Sie sich so gut mit Toni Kroos verstehen, hatte da sein Bruder Felix Anteil?

Andrich: Ich bin mit Felix gut befreundet, aber Toni habe ich hier erst bei der EM so richtig kennengelernt. Vorher gab es dazu noch keine Möglichkeit. Wir mussten also beide erstmal schauen, wie das so klappt. Dass wir uns jetzt so gut verstehen, konnte man nicht erahnen.

ran: War Kroos der Grund, warum Sie im Champions-League-Finale für Real Madrid waren und nicht für Dortmund?

Andrich: Ich finde Real Madrid grundsätzlich sympathisch. Ein großartiger Verein. Das hatte also nicht nur mit Toni zu tun.

ran: Kroos ist auf den letzten Metern seiner Karriere. Wie viel versuchen Sie in Ihrer gemeinsamen Zeit noch aus ihm herauszupressen?

Andrich: Toni genießt die "letzte Zeit" sehr, ist aber gleichermaßen so ehrgeizig und fokussiert, dass er gar nicht an den eigenen Abschied denkt. Deswegen ist es auch besser, ihn so wenig wie möglich darauf anzusprechen.

ran: Wer ist denn gegen die Spanier mehr gefordert? Sie im Zentrum gegen Rodri oder die Außenverteidiger gegen die schnellen Flügelspieler?

Andrich: Es wird auf eine gute Balance ankommen. Ich glaube nicht, dass sie so viel durch das Zentrum spielen werden, sie versuchen vermutlich von dort aus etwas aufzubauen, fühlen sich aber am wohlsten, wenn sie die Außenspieler in Eins-gegen-Eins-Duelle bekommen. Wir müssen dafür sorgen, dass sie nicht in diese Situation kommen.

ran: Wie ist der Plan?

Andrich: Das werden Sie am Freitagabend sehen. Grundsätzlich wird es wichtig sein, über den gesamten Platz ein gutes Zweikampfverhalten an den Tag zu legen, die Spanier in den entscheidenden Duellen zu doppeln. Lamine Yamal und Nico Williams ziehen gerne nach innen, da muss ich als Sechser zur Stelle sein.

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ran: Sie haben die beiden spanischen Ausnahmespieler angesprochen. Wie bewerten Sie deren Turnier-Leistung bisher?

Andrich: Nico Williams ist medial ja gerade in aller Munde. Dass er so gut ist, war auch mir vorher gar nicht so bewusst. Lamine Yamal ist ein Ausnahmetalent. Wir haben auch zwei junge Spieler dabei, die früh in ihren Karrieren extrem wichtig für ihre Mannschaften waren. Er ist erst 16. Wenn man in diesem Alter Stammspieler in Barcelona ist, muss man etwas draufhaben. Das war mir vorher auch nicht so bewusst.

ran: Wo waren Sie mit 16?

Andrich: In der B-Jugend und insgesamt noch sehr weit weg vom Profifußball.

ran: Florian Wirtz war in dem Alter schon näher dran. Wie sehen Sie seine Rolle?

Andrich: Er ist in Leverkusen ein System gewöhnt, das an ihn angepasst ist, da kann er sich in gewissen Räumen frei bewegen. Hier gibt es in Person von Jamal noch einen zweiten Spieler mit diesem Profil. Flo macht es sehr gut. Ich mache mir keine Sorgen, dass er weiterhin  wichtig sein wird bei der EM.

ran: Nach dem tollen Einstand gegen Schottland waren die weiteren Spiele nicht so gut. Mussten Sie ihn aufbauen?

Andrich: Nein, das war nicht nötig. Natürlich versucht man immer als Teamkollege oder als etwas älterer Spieler, ihm in den richtigen Momenten zu helfen. Ich brauche ihm da aber keine väterlichen Ratschläge zu geben.

ran: Nach dem Schottland Spiel schrieben die Kollegen der "WAZ": "Andrich spielte schottischer als alle Schotten. Sollte er mit seiner Spielweise ohne Gelbsperre durchs Turnier kommen, wäre das sein persönliches Sommermärchen." Jetzt können Sie kontern.

Andrich: Der Konter käme zu früh. Noch muss ich ja noch eine Partie ohne Gelbe überstehen (lacht). Grundsätzlich war ich durch die Anfangseuphorie etwas übermotiviert. Ich denke, das ist normal, wenn man sein erstes Turnier bestreitet - selbst wenn man wie ich schon 29 Jahre alt ist. Anschließend musste ich cleverer agieren, was mir, wie ich finde, auch gut gelungen ist. Auch wenn ich vielleicht deshalb etwas früher ausgewechselt worden bin, zumindest das Spiel gegen Ungarn würde ich so deuten.

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ran: Stichwort Sommermärchen: Fühlt sich die EM schon danach an?

Andrich: Es ist erst ein Anfangsmärchen. Die EM steht und fällt mit dem Resultat. Ich glaube aber fest daran, dass es eins wird. Wir sind auf einem guten Weg.

ran: Auch Ihre Geschichte von der Dritten Liga zum EM-Spieler klingt märchenhaft. Was sagt eigentlich Ihr Vater Lutz dazu? Er hat Sie früher täglich zum Training gefahren.

Andrich: Er hat mich nicht nur gefahren, sondern hat auch neben den normalen Einheiten im Verein mit mir trainiert. Er ist extrem stolz und bekommt immer mehr mit, was für ein Hype in Deutschland um die Mannschaft und auch mich als Spieler als Teil dessen entstanden ist.

ran: Sie sind jetzt selbst zweifacher Vater. Hat Ihre Tochter Malia schon ein Lieblingsmärchen?

Andrich: Sie hat früher gerne Vaiana geschaut, einen Disney-Film über ein Mädchen, das auf einer Südsee-Insel lebt. Kein Märchen, aber ein schöner Film. Den kann man sich auch als Erwachsener anschauen – kann ich empfehlen! (lächelt)

ran: Im April kam der kleine Matteo dazu. Durfte er schon mit ins Teamquartier?

Andrich: Ja, zweimal schon. Meine Frau hat heute noch zu mir gesagt, dass es krass sei, wie schnell die Zeit vergeht. Er ist nun schon zehn Wochen alt, davon habe ich ihn sechs nicht gesehen. Ich glaube, er wird es mir verzeihen, wenn ich ihm später mal erzähle, was ich in der Zwischenzeit zu tun hatte.

ran: Auf dem Platz sind Sie ein Abräumer im Mittelfeld. Wie sind sie als Papa?

Andrich: Ich wäre kein guter Papa, wenn ich da auch so zur Sache gehen würde (lacht). Spaß beiseite: Ich bin privat ein sehr ruhiger Typ und versuche, jede Minute mit der Familie zu genießen. Es ist schon verrückt, dass man nun plötzlich selbst emotional wird, wenn man im Fernsehen beispielsweise eine Doku über Kinder schaut. Ich bin ein absoluter Familienmensch.

ran: Die Deutschen kennen vor allem Ihre Spielweise auf dem Fußballplatz. Die lebt von Ihrer Aggressivität. Müssen Sie sich zurücknehmen ob der drohenden Gelbsperre?

Andrich: Nein, das nicht. Aber man versucht ständig sein Spiel zu hinterfragen, wie man vielleicht anders in die Zweikämpfe gehen und cleverer agieren kann. Das ist allgemein ein wichtiger Prozess, nicht nur in Zweikämpfen.

Ein EM-Finale in Berlin zu spielen, wäre extrem krass!

Robert Andrich

ran: Wie entscheidend wird die richtige Aggressivität gegen Spanien sein?

Andrich: Ich werde ich mich auf jeden Fall nicht zurückhalten, wenn es am Ende der Mannschaft hilft. Wir haben aber noch neun andere Feldspieler, die gut gegen den Ball arbeiten können.

ran: Sind Sie ein Spieler, der mit einer Grätsche gleich ein Zeichen setzen möchte?

Andrich: Natürlich gibt das meine Position her. Ich glaube, dass die Defensive, speziell Innenverteidiger und Sechser, dafür stehen sollten, lieber Zweikämpfe zu führen als Offensivspieler. Wenn man unser Team durchgeht, sind wenige dabei, die das aktiv verkörpern - da würde ich mich dazuzählen.

ran: Sie haben das DFB-Pokal-Finale in Berlin gespielt vor einigen Wochen. Was würde Ihnen ein EM-Endspiel an selber Stelle bedeuten?

Andrich: Das wäre natürlich extrem krass. Bei einem Heim-Turnier mit der deutschen Nationalmannschaft im Finale zu stehen, wäre heftig. Dazu noch in Berlin. Wenn es dazu kommen sollte, will ich natürlich auch das zweite Endspiel im Olympiastadion gewinnen.

ran: Eine Frage, die die Fans bewegt zum Abschluss: Warum musste Joshua Kimmich in voller Montur in den Pool springen? Können Sie da aufklären?

Andrich: Ich könnte vielleicht. Aber das werde ich nicht tun…

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