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Handball-EM - DHB-Gegner in der "Todes-Hauptrunden-Gruppe": So schlägt Deutschland Dänemark und Co.
- Veröffentlicht: 22.01.2026
- 00:07 Uhr
- Andreas Reiners
Die deutschen Handballer starten am Donnerstag in die Hauptrunde der EM. Wer sind die Gegner und worauf kommt es an? ran macht den Gegnercheck.
Das Rezept hört sich simpel an. Eigentlich.
In den Flow finden, lautet die Devise für die deutschen Handballer bei der EM-Hauptrunde. Dieses so spezielle Gefühl erleben, mit dem sich eine Mannschaft unbesiegbar fühlt. Auf der Platte einen unwiderstehlichen Rhythmus findet, in dem nahezu alles gelingt.
"Flow bedeutet aus handballerischer Sicht, dass du nach den ersten Aktionen nicht mehr nachdenken musst", erklärt Ex-Weltmeister Dominik Klein diesen speziellen Zustand im ran-Gespräch.
"Wenn Dinge plötzlich von selbst laufen, wenn du alles Drumherum ausblenden kannst und dich in diesem Tunnel befindest, in dem du einfach dein Spiel spielst. Dann weiß jeder: Heute passt alles. Dann entsteht dieser Flow, der Berge versetzen und Spiele auf diesem Niveau entscheiden kann", so Klein weiter.
Das Wichtigste in Kürze
DHB-Team: Spielplan als Grundlage für den Flow?
Für den 42-Jährigen kann der Spielplan in der Hauptrunde Grundlage dafür sein, dass die deutsche Nationalmannschaft in diesen Flow finden kann. Denn der überraschende Sieg der Portugiesen gegen Dänemark zum Abschluss der Vorrunde sorgt dafür, dass Deutschland am Donnerstag (Deutschland vs. Portugal am 22. Januar ab 15:30 Uhr streamen) nicht gegen Olympiasieger und Weltmeister Dänemark, sondern gegen Portugal startet.
Deshalb sieht Klein in dem Spielplan "eine große Chance. Auch wenn Portugal Dänemark geschlagen hat, spüre ich ein Momentum, vielleicht auch mit der Vorgeschichte aus dem letzten Jahr".
Da scheiterte das DHB-Team gegen Portugal im WM-Viertelfinale nach Verlängerung. Das deutsche Team sinnt auf Revanche, hat noch etwas gutzumachen, mit den Iberern noch eine Rechnung offen.
Externer Inhalt
DHB-Team: Zwei absolute Endgegner warten bei der EM
"Mit einer starken Abwehr und der Bereitschaft, sich diesem portugiesischen Tempospiel entgegenzustellen, sehe ich eine gute Grundlage, Portugal richtig zu ärgern", sagt Klein. "Wenn das gelingt, kann daraus ein echter Hauptrunden-Flow entstehen. Auch wenn mit Dänemark und Frankreich natürlich noch zwei absolute Endgegner warten."
Denn die "Todes-Hauptrunde" hat es in sich. Wir haben mit dem ARD-Experten Klein den Gegnercheck gemacht.
Portugal (Donnerstag, 15:30 Uhr live auf Joyn)
Die Portugiesen haben gegen Dänemark ein 31:29-Statement gesetzt. Es war für die Co-Gastgeber die erste Heimpleite im Handball-Tempel in Herning seit zwölf Jahren. Damit zog Portugal wie Deutschland mit zwei Punkten in die Hauptrunde ein.
Portugal besticht mit einer "extrem starken Abwehr. Ich würde sogar sagen: Neben Deutschland ist das aktuell die stärkste Defensive im Turnier", sagt Klein. Dazu kommt eine enorme individuelle Qualität im Angriff, "vor allem durch die Costa-Brüder".
Francisco Costa ist mit 29 Toren bester Schütze des Turniers, Bruder Martim Costa steht bei 18 Treffern. Sie sind die Schlüsselspieler. "Sie haben enorme Power im Arm, aber auch eine sehr präsente Haltung im Angriffsspiel", so Klein.
Wie knackt man die Portugiesen?
"Das wird anspruchsvoll, weil es extrem schwer sein wird, Lücken zu finden. Genau deshalb braucht es Tempo und Kreativität. Dieses Tempospiel kannst du aber nur dann aufziehen, wenn du hinten stabil verteidigst und über die zweite Welle kommst", betont Klein.
Das Gute: Im breiten DHB-Kader bringen viele Spieler genau diese Qualität mit. Unter dem Strich brauche es laut Klein "Leidenschaft, Überzeugung und den Glauben daran, dass man diese portugiesische Abwehr nicht nur bespielen, sondern auch durchbrechen kann".
Norwegen (Samstag, 20:30 Uhr live auf Joyn)
Norwegen wurde in der Vorrunde gegen die Ukraine und Tschechien kaum gefordert, gegen den ersten Gradmesser Frankreich setzte es eine verdiente Niederlage.
"Aber Norwegen steht seit Jahren für eine stabile Abwehr, schnelle Außen und hohes Tempo", sagt Klein. Noch ein Spiel auf Augenhöhe, das in beide Richtungen gehen kann.
Auch gegen die Norweger wird es für das Team von Bundestrainer Alfred Gislason darauf ankommen, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen. "Die eigene Leistung in den Vordergrund zu stellen, vor allem defensiv. Ein schnelles Rückzugsverhalten wird extrem wichtig sein. Wenn Norwegens Außen einmal ihr Spiel aufziehen, dann brauchst du maximale Disziplin und Geschwindigkeit im Rückzug", sagt Klein.
Dänemark (Montag, 20:30 Uhr live auf Joyn)
Hat der Olympiasieger und Weltmeister Schwächen?
Kaum.
"Wenn man auf die Bank schaut, ist bereits das im Grunde ein Allstar-Team", schwärmt Klein von der Mannschaft um Welthandballer Mathias Gidsel von den Füchsen Berlin. "Diese Tiefe im Kader, diese Qualität, die von der Bank nachkommt, ist außergewöhnlich. Man muss da gar nicht einzelne Namen herauspicken. Es ist dieser Geschwindigkeitshandball, dieser spielerische Zauber, den sie in jeder Phase des Spiels zelebrieren können. Das ist handballerisch sensationell."
Die Portugal-Pleite sieht Klein vor allem als Weckruf. "Sie hat noch einmal deutlich gemacht, mit welcher Ernsthaftigkeit man von der ersten Minute an auftreten muss. Ich bin mir sicher, dass sie daraus lernen und jetzt jeden Gegner vom ersten Moment an maximal ernst nehmen." Das müssen sie auch, um bei einer Hypothek von 0:2-Punkten noch das Halbfinale zu erreichen. Funfact: Bei allen geholten Titeln in der jüngeren Vergangenheit gelang der letzte Erfolg bei einer EM 2012 (!).
Klar ist: Das deutsche Team braucht einen ganz speziellen Tag, um Dänemark schlagen zu können, vor allem mit dem Publikum in der Jyske Bank Boxen in Herning im Rücken.
Womit sich der Kreis zum Flow schließt.
Denn ob man diesen Tag erwischt, "hängt ganz klar von den Spielen davor ab. Es geht darum, ob du dir einen Hauptrunden-Flow erarbeitest, ob du mit breiter Brust in dieses Spiel gehst, ob du Entwicklungen im Team gemacht hast, auch kommunikativ, auch mental. Nur dann kannst du wirklich sagen: Okay, heute ist dieser Tag gekommen", sagt Klein, der klarstellt: "Gegen Dänemark brauchst du ein nahezu perfektes Spiel. Da muss alles zusammenpassen." Der letzte Sieg gegen Dänemark gelang vor zehn Jahren. Sieben teils deftige Pleiten folgten seitdem.
Frankreich (Mittwoch, 18:00 Uhr live auf Joyn)
Die Titelverteidiger. Sie sind förmlich durch die Vorrunde gefegt, haben mit 126 Toren die mit Abstand meisten Treffer erzielt. Wenn ein Team schon jetzt im Flow ist, dann die Franzosen.
"Mit welcher Wucht sie ihre Spiele bislang angegangen sind, ist schon bemerkenswert", sagt Klein: "Spannend wird allerdings, wie sie reagieren, wenn sie auf eine Abwehr treffen, die ihnen wirklich etwas entgegensetzt, so wie es Deutschland kann. Das wird eine andere Art von Aufgabe für sie." Frankreich bleibe aber ein klarer Titelanwärter, weiß Klein: "Dieses Selbstverständnis haben sie sich über Jahre erarbeitet."
Immer noch präsent ist auf beiden Seiten aber auch das "Wunder von Lille" auf dem Weg zu Silber bei Olympia 2024, als das DHB-Team Frankreich 35:34 nach Verlängerung besiegte.
Handball-EM: Ist das DHB-Team im Flow?
Die ersten beiden Mannschaften der beiden Hauptgruppen kommen ins Halbfinale – das von Gislason ausgegebene Ziel. "Das wäre ein echtes Statement", so Klein, "auch mit Blick auf die kommenden Jahre. Ich glaube daran, weil die Mannschaft die Qualität hat, jeden Gegner schlagen zu können."
Die deutsche Mannschaft hat in der Vorrunde mit dem Sieg gegen Spanien den Kopf aus der Schlinge gezogen und nimmt auch noch zwei Punkte mit in die Hauptrunde.
Das Serbien-Desaster ist aber noch als Warnung im Hinterkopf.
Doch "die Mannschaft hat gegen Spanien gezeigt, was sie leisten kann, wenn sie aus einer echten Drucksituation Energie zieht. Mit allem, was drumherum dazugehört: Gespräche zwischen Trainer und Spielern, mentale Blockaden, die sich gelöst haben, Knoten, die geplatzt sind", betont Klein: "Das ist genau das Niveau, das diese Mannschaft braucht, um bei dieser EM erfolgreich zu sein. Und genau so ein Spiel kann einen echten Schub geben für das, was jetzt noch kommt."
Einen echten Schub geben. Für den Flow.