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Motorsport

Red-Bull-Nachwuchsfahrer Tim Tramnitz im ran-Interview: "Die Formel 1 ist das Ziel"

  • Veröffentlicht: 29.02.2024
  • 00:20 Uhr
  • Oliver Jensen
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Der 19-jährige Deutsche Tim Tramnitz wurde in das Nachwuchsprogramm von Red Bull aufgenommen und geht in der Saison 2023 in der Formel 3 für das Team MP Motorsport an den Start. Im Exklusiv-Interview mit ran spricht er über den möglichen Weg in die Formel 1, sein Vorbild Sebastian Vettel, seine Begegnung mit Helmut Marko und die schwierige Finanzierbarkeit des Motorsports.

Das Interview führte Oliver Jensen

ran: Herr Tramnitz, wie haben Sie es geschafft, in das Nachwuchsprogramm von Red Bull aufgenommen zu werden?

Tim Tramnitz: Ich glaube, das Interesse von Red Bull entstand Ende 2021, als ich Vize-Meister in der italienischen Formel 4 und in der Formel 4 des ADAC wurde. 2022 hatte ich ein schwieriges Jahr, weil ich mich Ende 2021 bei einem Unfall am Rücken verletzt hatte. Umso wichtiger war es für mich, im vergangenen Jahr noch einmal mein Potenzial zu unterstreichen. Das ist mir gut gelungen. Daher entstand Mitte 2023 der Kontakt zu Red Bull.

ran: Wie war Ihr Kontakt zu Helmut Marko, dem Motorsportchef von Red Bull?

Tramnitz: Ich war mega aufgeregt, als ich zum ersten Mal bei Red Bull vor Ort war und Helmut Marko traf. Ich habe mein ganzes Leben darauf hingearbeitet, von einem Rennstall wie Red Bull unterstützt zu werden. Wenn man das geschafft hat, besteht die reale Chance, es in die Formel 1 zu schaffen. Dafür muss man aber Leistung bringen. Die Gespräche mit Helmut Marko waren sehr gut. Für jeden, der in das Nachwuchsteam kommt, ist die Formel 1 das Ziel. Das wird auch ganz offen kommuniziert.

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Das Wichtigste in Kürze

ran: Was haben Sie sich für Ihre erste Formel-3-Saison als Ziel gesetzt?

Tramnitz: Mein Ziel ist es, der beste Neueinsteiger in der Serie zu werden. Ich hoffe, dass wir die Pace haben, sodass wir um Podiumsplätze mitkämpfen können.

ran: Und der Gewinn der Meisterschaft ist dann das Ziel für die zweite Saison?

Tramnitz: Das ist für mich als Rookie noch schwierig einzuschätzen, aber natürlich ist das unser Ziel. Wir haben im vergangenen Jahr erlebt, dass auch ein Rookie die Meisterschaft gewinnen kann.

ran: In der Formel 1 sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen Teams sehr groß. Wie verhält sich dies in der Formel 3?

Tramnitz: Es gibt Einheitsautos, sodass jedes Team praktisch die gleichen Chancen hat. Es gibt zwar von Team zu Team Unterschiede, weil man am Setup einiges machen kann. Dennoch liegen die verschiedenen Teams in der Formel 3 deutlich enger beisammen als in der Formel 1.

ran: Lassen Sie uns über Ihren Werdegang sprechen: Können Sie sich noch daran erinnern, wie Ihr Interesse am Motorsport entstanden ist?

Tramnitz: Ich habe mich schon immer für alles auf vier Rädern interessiert. Das fing mit dem Bobbycar an. Mit zwei Jahren bekam ich ein Elektro-Quad und fuhr die ganze Zeit damit herum. Bereits damals sagte ich zu meinem Vater, dass das voll mein Ding ist. Allerdings ist in Norddeutschland der Motorsport kaum verbreitet. Wir fanden allerdings einen alten Kart-Verein, der noch zwei alte Karts hatte. Glücklicherweise durften wir diese benutzen. Mit sechs Jahren fing ich mit dem Slalom-Kart an, mit acht Jahren fuhr ich erstmals Rundkurse, mit neun Jahren meine ersten kleinen Rennen.

ran: Wie ging es danach weiter?

Tramnitz: Ich bin erst einmal neun Jahre lang Kart gefahren. Im Alter von 14 Jahren fuhr ich meine ersten Tests in der Formel 4, mit 15 Jahren fuhr ich dann meine erste richtige Saison in der Formel 4.

Tim Tramnitz gehört dem Nachwuchsprogramm von Red Bull an und träumt von der Formel 1
Tim Tramnitz gehört dem Nachwuchsprogramm von Red Bull an und träumt von der Formel 1 © Copyright Dutch Photo Agency Red Bull Content Pool Tim Tramnitz

ran: Es ist bekannt, dass Motorsport ein sehr teures "Hobby" ist und schnell sechs- oder sogar siebenstellige Beträge verschlingt. Wie ließ sich das finanzieren?

Tramnitz: Mein Vater hat von Anfang an Sponsoren für mich gesucht. Bereits in meiner ersten kleinen Kart-Saison haben mich kleinere Sponsoren unterstützt. Einige von ihnen sind heute noch immer dabei, allerdings in anderen Dimensionen. Grundsätzlich mussten wir als Familie auch selber Geld hineinstecken. Aber wenn man in die Formel 4 kommt, ist das ohne größere Sponsoren kaum noch zu finanzieren. Eine Saison in der Formel 4 kostet schnell 400.000 Euro. Viele fahren sogar in mehreren Formel-4-Serien gleichzeitig und zahlen noch deutlich mehr. Ich habe das Glück, dass ich seit 2018 im Förderkader der ADAC Stiftung Sport bin und neben verschiedenen Coachings auch finanziell unterstützt werde.

ran: Nun wurden Sie vom Red-Bull-Nachwuchsteam aufgenommen. Bedeutet dies, dass alle Kosten übernommen werden?

Tramnitz: Ganz so ist es leider nicht. Red Bull übernimmt natürlich einen großen Teil für mich und ist mein Hauptunterstützer. Ein Red-Bull-Fahrer zu sein, hilft zudem dabei, weitere Sponsoren zu finden – einfach, weil man so eine große Marke hinter sich hat. Zudem habe ich durch Red Bull die Möglichkeit, mit sehr erfahrenen Leuten zusammenzuarbeiten und von denen extrem viel zu lernen – zum Beispiel von ehemaligen Formel-1-Ingenieuren. Diese Kontakte sind sehr hilfreich.

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Im Formel-Sport ist es normalerweise so, dass man wirklich erst ab der Formel 1 anfängt, Geld zu verdienen – und selbst dort ist das nicht immer garantiert.

Tim Tramnitz

ran: Den Motorsport mit Hilfe von Sponsoren und Red Bull finanzieren zu können, ist die eine Sache. Doch wovon lebt man überhaupt? Gibt es ein monatliches Gehalt? Oder muss man auch in diesem Punkt von der Familie unterstützt werden?

Tramnitz: Ein Gehalt bekommt man noch nicht. Im Formel-Sport ist es normalerweise so, dass man wirklich erst ab der Formel 1 anfängt, Geld zu verdienen – und selbst dort ist das nicht immer garantiert. Der Weg ist wirklich extrem lang.

ran: Und wenn es mit der Formel 1 nicht klappt?

Tramnitz: Dann könnte man als Werksfahrer zum Beispiel in die Formel E, in den GT3-Bereich oder in die us-amerikanische Indycar-Serie wechseln und dort Geld verdienen.

ran: Haben Sie Vorbilder im Motorsport?

Tramnitz: Mein Idol ist ganz klar Sebastian Vettel. Als ich damit anfing, die Formel 1 zu verfolgen, hat Vettel immer gewonnen. Daher wurde ich ein großer Vettel-Fan. Außerdem fand ich es cool, wie Max Verstappen sich schon als junger Fahrer in der Formel 1 gegen die älteren Kollegen durchgesetzt hat.

ran: Haben Sie bereits die aktuellen Formel-1-Fahrer von Red Bull, Max Verstappen und Sergio Perez, oder Christian Horner, den Teamchef von Red Bull, kennengelernt?

Tramnitz: Verstappen und Perez noch nicht. Aber ich kann mir vorstellen, dass sich dies noch ergeben wird, da wir mit der Formel 3 im Rahmen der Formel 1 fahren. Christian Horner habe ich bereits kennengelernt. Es gab ein kurzes Kennenlernen. Er hat mich gefragt, ob ich mich wohlfühle und was meine Pläne sind.

ran: Verspüren Sie einen besonderen Druck, weil Sie einer der sehr wenigen Hoffnungsträger im deutschen Formel-Sport mit Ambitionen zur Formel 1 sind?

Tramnitz: Eigentlich nicht. Ich bin generell ein Mensch, der eher ruhig ist und sich nicht allzu viel Druck macht. Ich will einfach nur gewinnen und immer das Bestmögliche aus mir herausholen.

ran: Wie gehen Sie mit der Gefahr im Motorsport um? Sie waren bei dem Rennen vor Ort, bei dem Dilano van't Hoff im vergangenen Sommer ums Leben kam. Sie selber haben sich Ende 2021 den Lendenwirbel gebrochen...

Tramnitz: Natürlich ist das für uns Rennfahrer ein wichtiges Thema. Wir alle sind uns dem Risiko bewusst - auch wenn man heutzutage nicht damit rechnet, dass jemand tödlich verunglückt. Ein gewisses Risiko besteht natürlich. Aber der Sport ist immer sicherer geworden. Daher begleiten mich solche Gedanken nicht im Auto. Ansonsten wäre es schwierig, schnell zu sein.

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