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NFL: Die Philadelphia Eagles haben ein unlösbares Problem - ein Kommentar
- Aktualisiert: 12.01.2026
- 22:17 Uhr
- Mattis Oberbach
Das Aus in der Wild Card Round gegen die San Francisco 49ers bedeutet für den bald Noch-Champion aus Philadelphia, dass in den kommenden Wochen und Monaten höchst unangenehme Probleme angegangen werden müssen. Darunter ein unlösbares. Ein Kommentar.
von Mattis Oberbach
Als noch 43 Sekunden Spielzeit verbleiben, kommt es zur Katastrophe. Zum schlimmsten Moment der NFL-Saison der Philadelphia Eagles.
Kurz vor dem letzten Play der 2025er-Spielzeit - einem 4th Down & 11 - nimmt Head Coach Nick Sirianni die erste von drei Auszeiten.
Dadurch steht fest: Philadelphia würde dieses Play zu einem neuen First Down umwandeln müssen, weil ohne dieses Timeout nicht genug Zeit bleibt, den Ball nochmal zurückzubekommen.
Das Vorhaben scheitert. Krachend.
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Philadelphia Eagles: Der Fisch stinkt vom Kopf
Womit die Spielzeit des Vorjahres-Champions am Ende auch am Head Coach zerschellt. Ein Scheitern, das sich angekündigt hat. Denn der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf.
Denn schon seit Wochen und Monaten, in der Tat die gesamte Saison über, ist die Eagles-Offensive regelmäßig zu spät an die Line of Scrimmage gekommen, weil der Playcall zu spät an die Spieler gegeben wurde. Dauerhaft wurden ganze Bereiche des Spielfelds gemieden, wodurch man wiederum berechenbar wurde.
Und Woche um Woche schien man sich zu weigern, das Wenige, das ganz offensichtlich funktionierte, weiter in den taktischen Fokus zu stellen.
Die Los Angeles Rams warfen am Samstag im Spiel bei den Carolina Panthers jeden ihrer ersten vier Pässe auf Puka Nacua, der sie natürlich alle fing, weil er Puka Nacua ist. Auch der sechste Pass ging auf ihn. Zwei dieser fünf Puka-Plays wurden Touchdowns.
Warum haben die Eagles so etwas nicht mit A.J. Brown gemacht?
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Eagles-Offensive eigentlich gut durchdacht
Diese systemischen Probleme - langsames Playcalling, fehlende Kreativität, nicht aufeinander aufbauende Play-Sequenzen - sind sicher nur zum Teil spontan zu korrigieren und daher eher ein Thema für die Offseason.
Kevin Patullo wurde im Februar 2025 während der Offseason zum Offensive Coordinator befördert, nachdem Vorgänger Kellen Moore die Franchise nach dem Super-Bowl-Sieg verlassen und den Head-Coach-Posten bei den New Orleans Saints übernommen hatte.
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Patullo arbeitete vorher seit 2018 erst bei den Indianapolis Colts, dann bei den Eagles unter Sirianni - diese Beförderung kam also nicht plötzlich, sondern war (vermeintlich) gut durchdacht.
Die generellen Schwächen im offensiven Ablauf waren also entweder bekannt und sind nicht angegangen worden, was man als grobe Fahrlässigkeit bezeichnen könnte. Oder aber man hat es versucht, es aber nicht geschafft.
Was dann schlicht nicht gut genug ist und vor allem Patullo unter Druck geraten lässt.
Denn klar: Wie kann bei einem 4th & 11, der die Saison bedeutet, solche Unklarheit herrschen, dass ein überlebenswichtiges Timeout verbrannt wird?
Eagles-Quarterback Jalen Hurts nicht direkt schuld
Wer jetzt "Ja, aber die Spieler und deren Fehler?!" ruft, darf beruhigt sein: Natürlich sind fallengelassene Bälle, verpatzte Blocks und verpasste Tackles durchaus auch den Akteuren auf dem Feld zuzuschreiben.
Dass Quarterback Jalen Hurts bei jedem Windhauch nach rechts aus der Pocket läuft, ist nicht ideal. Aber wenn sogar jeder Gegner von dieser Tendenz weiß, warum werden dann nicht mehr Routen auf die rechte Seite gecallt?
Niemand würde für Aaron Rodgers eine Triple-Option-Offensive aufbauen, weil er nicht (mehr) laufen kann. Wieso werden die Stärken und Schwächen von Hurts nicht durch den Gameplan komplementiert?
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Hurts übrigens ist nicht direkt schuld.
Man bräuchte heute nicht über den Eagles-Scherbenhaufen sprechen, wenn Star-Wide-Receiver A.J. Brown zumindest einen der tiefen Bilderbuch-Pässe gefangen hätte, die ihm von Hurts quasi mit einem Pinsel in die Handschuhe gemalt wurden.
Vielmehr ist Hurts - wie auch Brown, wie auch Devonta Smith, wie noch weitere offensive Spieler - wieder und wieder und wieder anzusehen, wie aktiv unwohl sie sich mit dem Playcalling fühlen.
Das Gefühl, von anderen aus nicht nachvollziehbaren Gründen am Erreichen des eigenen Limits gehindert zu werden, führt logischerweise früher oder später zu kleinen oder großen Fehlern, weil man nicht nur den Gegenspieler schlagen muss, sondern auch noch die eigene Taktik.
Was also soll sich ändern? Was muss sich ändern?
Philadelphia Eagles: Fast keine Baustellen
Fast jede Position bei den Eagles ist und bleibt mit Spielern besetzt, die zur Spitze in der Liga gehören. Auf welchen Positionen müssen sich die Eagles drastisch verstärken? Wo sind die Schwachstellen?
Es sind fast keine auszumachen.
Das bedeutet, dass dieser Kader in der Theorie so gehalten werden könnte, ohne wirklich an den Playoff- und Titel-Ambitionen zu kratzen. Man kann Offensive Coordinator Patullo entlassen. Aber solange Nick Sirianni Head Coach ist, wird es auch seine Offensive sein. Denn die ist so gewollt.
Und somit endet dieser Beitrag dort, wo er begann, nämlich am Kopf des Fisches: Sirianni wird man kaum entlassen, nachdem er zwei Super Bowls in sechs Saisons erreicht und einen davon gewonnen hat.
So stehen die Philadelphia Eagles Anfang 2026 vor einem scheinbar unlösbaren Problem.
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