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NFL - Los Angeles Rams ohne Top-Picks in der Spitze: Das ist das Erfolgsrezept von Sean McVay und Les Snead
- Veröffentlicht: 20.01.2026
- 16:13 Uhr
- Raman Rooprail
Die Los Angeles Rams stehen im NFC Championship Game. Nur vier Jahre nach ihrem Super-Bowl-Triumph stellen die Rams ein komplettes Team, obwohl sie seit 2017 nur einen Erstrundenpick zur Verfügung hatten. ran analysiert, wie die Rams ihr Super-Bowl-Fenster maximiert haben.
Von Raman Rooprail
"F*ck them Picks" - dieser Spruch wird im US-Sport angewendet, wenn Teams ihre zukünftigen Draftpicks für etablierte Spieler aufgeben.
Zuletzt sind die Los Angeles Rams mit dieser Herangehensweise besonders aufgefallen. Nachdem das Team aus St. Louis nach Los Angeles zog, tradete General Manager Les Snead unter anderem für den ersten Pick 2016 (Jared Goff), Matthew Stafford, Jalen Ramsey, Brandin Cooks, Von Miller und Sony Michel. Dafür gab er unter anderem fünf Erstrundenpicks, zwei Zweitrundenpicks, zwei Drittrundenpicks sowie einen Viert-, Fünft- und Sechstrundenpick ab.
Das Ziel war klar: L.A. wollte nach dem Umzug sofort Titel gewinnen und das Team nicht langfristig aufbauen. Klar war aber auch, dass dieses Erfolgsrezept nur von kurzer Dauer sein kann, da die Rams ein alterndes Team hatten und alle Neuzugänge ebenfalls im Herbst ihrer Karriere waren.
Denkste.
Snead hat bewiesen, dass das ein Trugschluss war. L.A. hat, nachdem es mit den Trades um Stafford und Von Miller komplett All-in gegangen ist, nicht nur sofort den Super Bowl gewonnen - die Rams haben auch seither ihr Win-Now-Fenster nicht verlassen. Obwohl sie seit 2017 nur einen Erstrundenpick hatten.
Los Angeles Rams auch nach Super-Bowl-Sieg konstanter Contender
Unmittelbar nach dem Titelgewinn kam Stafford in der Saison 2022 infolge mehrerer Gehirnerschütterungen nur zu neun Starts, doch die verlorene Spielzeit mit nur fünf Siegen wurde 2023 schnell zu den Akten gelegt. Die Rams scheiterten nach zehn Siegen in der Wildcard Round nur denkbar knapp (23:24) an den heißgelaufenen Detroit Lions.
2024 gewannen sie dann auch wieder die NFC West, dieses Mal war in der Divisional Round bei der knappen 22:28-Pleite gegen den späteren Super-Bowl-Sieger, den Philadelphia Eagles, Schluss. Und dieses Jahr könnte es vier Jahre nach dem Titelgewinn wieder in den Super Bowl gehen.
Aber wie konnte L.A. das Super-Bowl-Fenster quasi ohne Erstrundenpicks so ausdehnen? Vieles fängt natürlich bei den wichtigsten Positionen im Team an: Head Coach und Quarterback.
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Matthew Stafford und Sean McVay bilden Top-Duo
Sean McVay und Stafford sind ein eingespieltes Duo und befinden sich in ihren jeweiligen Positionen in der NFL-Spitze. Klar ist aber auch: Viele Experten hätten nicht damit gerechnet, dass dieses Duo auch 2026 noch gemeinsam auf höchstem Niveau unterwegs sein wird.
Stafford hat in seiner Karriere mit vielen Verletzungen gespielt, selbst vor dieser Spielzeit wurde lange gemunkelt, der Star-Quarterback könnte die ersten Saisonspiele mit einer Rückenverletzung verpassen. Es war schlicht und ergreifend nicht zu erwarten, dass Stafford, der zwei Tage vor dem Super Bowl 38 Jahre alt wird, noch so lange auf MVP-Niveau spielen kann.
Bei McVay gab es immer wieder Gerüchte um eine Auszeit als TV-Experte, doch der Erfolgscoach blieb trotz einiger lukrativer Angebote beim Coaching.
Dieses Duo ist die Basis für den Erfolg. Klar ist aber auch, dass die konstanten Erfolge ohne weitere Hilfe aus Draft oder Free Agency nicht möglich gewesen wären. Denn Spieler wie Ramsey, Cooks oder auch Von Miller waren nach dem Gewinn des Super Bowls keine großen Faktoren mehr.
NFL - Die besten Defensive Plays der Divisional Round
Los Angeles Rams mit zahlreichen Volltreffern im NFL-Draft
Genau da kommt Snead wieder ins Spiel. Der GM hat es geschafft, nicht nur Stars per Trade nach L.A. zu holen - er landete mit den wenigen Picks, die ihm wegen der vielen Deals zur Verfügung standen, gleich mehrere Volltreffer.
Das prominenteste Beispiel ist Puka Nacua. Der Wide Receiver wurde 2023 in der fünften Runde gedraftet und etablierte sich sofort als einer der besten Passempfänger der Liga. In dieser Saison steht er bei 1.882 Receiving Yards - Top-Wert der NFL. Hier endet Sneads Draft-Erfolg aber nicht - er fängt gerade erst an.
Egal ob Running Back Kyren Williams, Defensive Back Cobie Durant, Outside Linebacker Byron Young oder Defensive Tackle Kobie Turner - alle wurden wie Nacua ab der dritten Runde geholt und sind heute etablierte Starter bei den Rams. Darüber hinaus hat sich der einzige Erstrundenpick, Jared Verse, zu einem gefährlichen Pass Rusher entwickelt und auch Zweitrundenpick Steve Avila, der wie Verse 2024 dazukam, ist einer der besseren Guards der Liga.
Davante Adams als Cooper-Kupp-Nachfolger die richtige Wahl
Snead ist es zudem gelungen, zuletzt schwächelnde Free Agents wie Cornerback Emmanuel Forbes oder auch Nate Landman nach Los Angeles zu locken, die bei den Rams ihren zweiten Frühling erleben. Aber auch der Dreijahresvertrag von Star-Defensive-Tackle Poona Ford hat sich sofort ausgezahlt.
Dabei musste Snead aber auch harte Entscheidungen treffen: Die Entlassung von Franchise-Legende Cooper Kupp war sicher nicht einfach, letztlich jedoch die richtige Entscheidung. Dessen Nachfolger Davante Adams ist die perfekte Ergänzung zu Nacua - gerade wegen seiner Stärken in der Redzone.
Die Rams hatten sowohl in der Free Agency als auch beim Draft ein glückliches Händchen. Vor allem die konstant guten Picks seit 2022 haben die Rams aber zu dem gemacht, was sie heute sind.
"F*ck them Picks", womit sich Snead humorvoll auf der Super-Bowl-Parade Anfang 2022 brüstete, ist sicher im Rams-Kontext ein lustiger Spruch - die Wahrheit ist aber, dass genau diese Picks das Super-Bowl-Fenster in L.A. massiv verlängert haben.