American Football
NFL: Macht Maxx Crosby die Baltimore Ravens zum Super-Bowl-Favoriten? Der Trade aus drei Perspektiven beleuchtet
- Aktualisiert: 07.03.2026
- 15:40 Uhr
- Chris Lugert
Die NFL ist um einen spektakulären Trade reicher: Maxx Crosby wechselt von den Las Vegas Raiders zu den Baltimore Ravens. Was bedeutet der Deal für Crosby selbst und für die beiden beteiligten Teams? Eine Analyse aus drei Perspektiven.
Von Chris Lugert
Im zweiten Jahr in Folge wechselt einer der besten Pass Rusher der NFL das Team.
Nach dem Trade von Ex-Cowboy Micah Parsons zu den Green Bay Packers im Vorjahr ist es nun Maxx Crosby, der die Kräfteverhältnisse in der Liga neu ordnen könnte. Nach sieben Jahren bei den Oakland bzw. Las Vegas Raiders spielt Crosby künftig für die Baltimore Ravens, die dafür ihre Erstrundenpicks 2026 und 2027 abgeben.
Es ist ein Deal, der einiges über die Strategie der Raiders aussagt. Und der zugleich die Ausgangslage in der AFC deutlich verändert. Die Ravens senden damit nicht weniger als eine Kampfansage an die Konkurrenz. Crosby selbst erhält für die letzten Jahre seiner Prime die Möglichkeit, doch noch bei einem Contender zu spielen.
ran schaut sich den Trade und seine Auswirkungen auf die Beteiligten genauer an.
Maxx Crosby: Die Perspektive der Las Vegas Raiders
Crosby war der herausragende Spieler in einer ansonsten wenig konkurrenzfähigen Defense der Raiders. Der 28-Jährige, Viertrundenpick im Draft 2019 der damals noch in Oakland beheimateten Franchise, war eine Identifikationsfigur und hatte noch im Vorjahr mehrmals deutlich erklärt, dass er kein Interesse daran habe, das Team zu verlassen. Diese Einstellung änderte sich zuletzt aber.
Als die Raiders ihn am Saisonende nicht mehr einsetzten, weil das Ziel ohnehin nur noch war, den Nummer-1-Pick abzusichern, nahm Crosby diese Entscheidung ziemlich verstimmt zur Kenntnis. "Ehrlich gesagt ist mir der Nummer-1-Pick scheißegal", stellte er deutlich klar. Das Tischtuch war zerschnitten.
In den vergangenen Wochen intensivierten sich schließlich die Trade-Gerüchte um den zweimaligen All-Pro und fünfmaligen Pro Bowler. Jetzt hatten die Raiders ein Angebot auf dem Tisch, das sie nicht ablehnen konnten. Jeweils ein zusätzlicher Erstrundenpick für 2026 und 2027 verschafft Las Vegas alle Optionen für den Rebuild.
Zudem weiten die Raiders ihren ohnehin schon riesigen Cap Space um weitere gut 30,7 Millionen Dollar aus. Damit hat die Franchise vor der anstehenden Free Agency mehr als 120 Millionen Dollar zur Verfügung. Dadurch steigt aber auch die Gefahr, eher mittelmäßige Spieler überzubezahlen, um sie nach Vegas zu locken.
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Die Raiders richten durch den Trade ihren Blick klar auf die Zukunft, nicht auf die Gegenwart. In Tight End Brock Bowers und Running Back Ashton Jeanty stehen zwei junge und potenziell hochklassige Playmaker in der Offense zur Verfügung, Quarterback Fernando Mendoza wird im Draft aller Voraussicht nach dazukommen.
Mit dem neuen Head Coach Klint Kubiak, der ebenfalls der offensiven Seite des Balls angehört, und Tom Brady als Leitfigur im Hintergrund steht die Ausrichtung der Raiders fest. Offensives Spektakel soll die Franchise definieren, dafür ist man offenbar auch bereit, die Defense ein Stück weit zu opfern. Zumindest in der Spitze.
In der Breite steht genug Kapital und Munition zur Verfügung, um die Defensive in der Free Agency und im Draft zu verbessern. Die Qualität eines Maxx Crosby lässt sich aber vermutlich nur schwerlich ersetzen. Und doch erscheint es sinnvoll, einen Spieler abzugeben, der auf Super-Bowl-Level spielt, wenn das Team selbst davon aber noch weit entfernt ist.
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Maxx Crosby: Die Perspektive der Baltimore Ravens
Die Ravens starten 2026 in eine neue Ära, vor allem mit Blick auf den Trainerstab. Der langjährige Erfolgscoach John Harbaugh wurde nach der Enttäuschung der Vorsaison gefeuert, Jesse Minter bringt frischen Wind ins Team. Vor allem aber war und ist Minter einer der spannendsten Defense-Coaches der NFL.
Bei den Los Angeles Chargers machte sich der 42-Jährige einen Namen als innovativer defensiver Playcaller, der seine Spieler besser macht. Insofern war allein durch seine Verpflichtung eine Steigerung der Defense zu erwarten. Mit Crosby bekommt sie jetzt einen Ankerspieler, den sie so zuvor nicht hatte.
Vor allem der Pass Rush der Ravens war zahnlos. Die Pressure-Rate von 28,28 Prozent bedeutete Platz 23 in der Liga, zudem endeten nur 4,31 Prozent der gegnerischen Dropbacks in einem Sack. In dieser Kategorie waren lediglich die verletzungsgeplagten San Francisco 49ers noch schlechter. Es war also klar, wo der Schuh drückte.
Um das Problem zu lösen, entschied sich Baltimore für die ganz große Lösung. Nicht etwa für eine Free-Agency-Verpflichtung von Trey Hendrickson, sondern für einen All-In-Trade. Crosby wird kurz vor Saisonstart 29 Jahre alt, sollte also noch zwei bis drei richtig gute Jahre im Tank haben, vielleicht auch mehr. Die Ravens sehen ihr Super-Bowl-Fenster, das sie möglichst aggressiv attackieren wollen.
Es ist eine nachvollziehbare Strategie, denn auch Quarterback Lamar Jackson ist kürzlich 29 geworden. Zwar können Quarterbacks in der Regel noch deutlich länger spielen, doch bei Spielern wie Jackson, die vor allem über ihre Mobilität kommen, ist das Fenster auch nicht ewig geöffnet. Das wissen die Ravens.
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Der Plan: Eine Offense mit einem fitten Jackson sollte immer konkurrenzfähig sein, die Defense darf es nicht einreißen. Im Optimalfall gehören beide Mannschaftsteile zu den jeweils besten der Liga, was allerdings schwierig umsetzbar ist. Die Ravens zeigen mit dem Trade für Crosby, dass sie diesem Zustand zumindest nahekommen wollen. Mit ihm und Minter dürfte die Defense einen gewaltigen Sprung machen.
Baltimore gehörte schon vor Beginn der Vorsaison zu den Topfavoriten, dieser Status gilt jetzt umso mehr. In der AFC North dürfte vor allem Quarterback Joe Burrow von den Cincinnati Bengals den Crosby-Trade mit Schrecken zur Kenntnis nehmen, doch auch die restliche Conference bekommt jetzt endgültig ein echtes Powerhouse als Konkurrenz.
Doch der Plan birgt auch Risiken. Ohne Erstrundenpicks in diesem und im nächsten Jahr ist der Handlungsspielraum der Ravens im Draft eingeschränkt - dabei gäbe es etwa auf der Receiver-Position durchaus Bedarf. Und ob mit Crosbys Vertrag noch die Chance besteht, Center Tyler Linderbaum zu halten, bleibt abzuwarten. Die eine Baustelle ist also geschlossen, neue könnten jedoch entstehen.
Maxx Crosby: Die Perspektive des Spielers
Für Crosby selbst bietet sich die Chance, seiner bislang vor allem individuell starken Karriere die Krönung zu verpassen. Er galt immer als einer der Topspieler auf seiner Position, mit den Raiders hätte er auf absehbare Zeit aber keine Chance auf den Super-Bowl-Einzug gehabt. Bei den Ravens sind die Voraussetzungen deutlich besser.
Zumal der 28-Jährige womöglich selbst noch einen Schritt machen kann. Schließlich dürfte das Minters Coaching besser sein als vieles, was Crosby in den vergangenen Jahren bei den Raiders erlebt hat. Er kann seinen sportlichen Horizont erweitern und geht nicht mit dem Wissen in die Saison, dass ohnehin nichts geht.
Gleichzeitig wird Crosby nun doch keine Franchise-Legende bei den Raiders. Womöglich kann er mit seinem Abgang aber auch dazu beitragen, dass Las Vegas in den kommenden Jahren doch noch zu den Titelkandidaten aufsteigt. Die Raiders-Fans würden es ihm danken.