WM-Qualifikation
WM 2026: DFB-Team atmet auf - Hitzlsperger: "Wir brauchen Unterschiedsspieler"
- Aktualisiert: 19.11.2025
- 09:49 Uhr
- Martin Volkmar
Die deutsche Mannschaft feiert den erlösenden Kantersieg mit einer Pizza-Party, doch Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger warnt bei ran mit Blick auf die WM vor Euphorie.
Aus Leipzig berichtet Martin Volkmar
Die Erleichterung war förmlich mit Händen zu greifen, als sich der DFB-Tross mit durchweg strahlenden Gesichtern in der eiskalten Leipziger Nacht auf den Heimweg machte.
"Natürlich ist die Erleichterung riesengroß", sagte der sichtlich zufriedene DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig im Gespräch mit ran, während die Spieler in der Kabine mit Pizza vom Lieferservice den Gruppensieg feierten.
Die rundum überzeugende Leistung der Nationalmannschaft beim 6:0-Schützenfest gegen die überforderte Slowakei sei vorher nicht zu erwarten gewesen, gab Rettig offen zu: "Wenn wir es vorher gewusst hätten, dann hätten wir eine wesentlich ruhigere letzte Nacht gehabt."
Die Anspannung war groß gewesen vor dem Endspiel um die direkte WM-Teilnahme, die bei einem Sieg der Slowaken noch aus der Hand geglitten wäre.
Ex-Nationalspieler Hitzlsperger: "Das hat die Mannschaft überragend gemacht"
Auch Thomas Hitzlsperger hätte keine Prognose gewagt, wie er am Tag danach im ran-Interview zugab.
"Sicher war ich mir nach dem Luxemburg-Spiel, was ja nicht überzeugend war, keineswegs, dass die Mannschaft dem Druck gewachsen sein wird", erklärte der Ex-Nationalspieler: "Dafür waren die Leistungen in der WM-Qualifikation zu schwankend. Und dann kann es schon mal passieren, dass man in so einem entscheidenden Spiel nicht in der besten Verfassung ist."
- DFB-Erkenntnisse: Rüdiger als großer Verlierer - Nagelsmanns Entscheidungen sitzen
- U21-Star Tom Bischof exklusiv: "Über ihn haben wir bei Bayern auch schon gesprochen"
Doch es sei dann "ziemlich schnell klar gewesen, in welche Richtung es gehen wird", meinte Hitzlsperger mit Blick auf die starke Vorstellung des deutschen Teams und die 4:0-Pausenführung: "Das hat die Mannschaft überragend gemacht."
Ein Brustlöser zur rechten Zeit nach der zuvor wenig überzeugenden Qualifikation, in der der große Favorit zunächst in der Slowakei patzte (0:2) und danach vier teilweise sehr zähe und hart erkämpfte Siege gegen die Außenseiter Nordirland und Luxemburg einfuhr.
WM 2026: Hitzlsperger hofft auf "Unterschiedsspieler" Wirtz und Musiala
"So ein Spiel kann die Mannschaft natürlich zusammenschweißen und ihr einen Push geben. Das gilt speziell für Leroy Sane, der gegen die Slowakei herausragend, aber auch schon gegen Luxemburg an beiden Toren beteiligt war", glaubt Hitzlsperger.
Allerdings warnte der WM-Teilnehmer von 2006 davor, mit Blick auf die Endrunde in den USA, Mexiko und Kanada nun wieder ins andere Extrem umzuschwenken und zu optimistisch zu sein.
"Nach der Qualifikation kann man keine Rückschlüsse ziehen, wer nächsten Sommer Weltmeister wird. Die WM wird nicht jetzt entschieden, sondern unmittelbar davor in der Vorbereitung", sagte er.
Externer Inhalt
"Es hängt ja entscheidend davon ab, welche Spieler dann fit und in Form sind. Dann brauchen wir Unterschiedsspieler wie Florian Wirtz oder Jamal Musiala. Wenn die dabei sind, steigen natürlich die deutschen Chancen auf ein gutes Turnier."
Zuversichtlicher zeigten sich da schon einige aktuelle Nationalspieler nach der Gala. "Wenn wir so spielen, ist es egal, ob der 46. der Weltrangliste kommt oder der Erste", sagte Nico Schlotterbeck. "Dann können wir jeden Gegner schlagen. Wir wollen etwas erreichen. Ich will zur WM fahren, um das Ding zu gewinnen!"
DFB-Kapitän Kimmich blickt mit Zuversicht in die Zukunft
Etwas zurückhaltender gab sich Julian Nagelsmann, dem die Kritik der vergangenen Tage und Wochen offenbar zugesetzt hatte. "Wir können nicht immer von Schwarz auf Weiß kippen in 90 Minuten", meinte der Bundestrainer. "Alle sind gefordert. Ich kann nur versprechen, dass ich die bestmögliche Auswahl zusammenstellen werde."
Zwischen den Zeilen machte er aber auch klar, dass er sein Ziel keineswegs zurücknimmt, bei der WM um den Titel mitspielen zu wollen. "Ich sage jetzt nicht, was ich denke, das ist vielleicht besser", verweigerte er die Antwort auf eine entsprechende Nachfrage.
Bundesliga-Transfergerüchte: "Natürlich glaube ich" - HSV hat Trumpf im Kampf um Luka Vuskovic
Derweil blickte Kapitän und Anführer Joshua Kimmich, dessen Rückkehr auf den Platz der Mannschaft sichtbar geholfen hatte, zuversichtlich in die Zukunft.
"Es werden viele Spieler zurückkommen", sagte der 106-malige Nationalspieler und meinte damit neben Musiala und Wirtz auch Kai Havertz oder Antonio Rüdiger. Hoffnung machen ihm aber auch die talentierten Nachrücker wie der erst 19 Jahre alte Debüt-Torschütze Assan Ouedraogo.
- WM-Qualifikation 2026 - DFB-Team schlägt Slowakei: Julian Nagelsmann hat die Komplimente verdient - Kommentar
- Deutschland bei WM 2026 dabei: So geht es für das DFB-Team weiter
"Ich glaube, dass wir durch die jungen Spieler, die dazu kommen, noch stärker werden. In der U21 haben wir mit Tom (Bischof) und Lennart (Karl) noch zwei Bayern-Spieler, wir haben aber auch hier im Kader den ein oder anderen Spieler, der einen herausragenden Lehrgang gezeigt hat", sagte Hitzlsperger. "Da sind viele Jungs da, die Bock und Hunger haben."
Bundestrainer Nagelmann: "Wir arbeiten daran, dass wir gut vorbereitet sind"
Es sei sehr gut, dass diese Nachrücker "die letzten beiden Weltmeisterschaften nicht miterlebt haben, die leider nicht so erfolgreich für uns waren, und diese negativen Erlebnisse nicht gemacht haben", ergänzte Kimmich, der beim Scheitern in der Vorrunde 2018 und 2022 zum Stammpersonal gehörte.
Damit 2026 die WM endlich wieder ein Erfolg für die DFB-Auswahl wird, ist Nagelsmann ab sofort gefordert.
Er muss spätestens nach den Länderspielen gegen die Elfenbeinküste und einen noch zu findenden zweiten Gegner (Schweiz?) im Frühjahr sowie den abschließenden WM-Tests im Mai/Juni gegen Finnland und die USA seine 26 Mann zusammenhaben, die im Idealfall Chancen auf den fünften deutschen Titel haben sollen.
"Wir arbeiten daran, dass wir gut vorbereitet sind", kündigte der Bundestrainer an.
Auch interessant: WM 2026 in den USA: US-Präsident Donald Trump droht erneut mit Spielverlegungen