- Anzeige -
- Anzeige -
HANDBALL-EM 2026 IM LIVESTREAM AUF JOYN

Handball-EM – Dominik Klein zu DHB-Team: "Wir müssen keine Baustellen suchen – wir haben keine"

  • Aktualisiert: 14.01.2026
  • 16:57 Uhr
  • Andreas Reiners
Article Image Media
© Laci Perenyi

Am Donnerstag starten die deutschen Handballer gegen Österreich in die EM 2026. Wir haben uns mit Ex-Weltmeister Dominik Klein über die Chancen unterhalten, aber auch darüber, was die Männer von den Frauen lernen können.

Das Interview führte Andreas Reiners

Groß umschauen müssen sich die deutschen Handballer gar nicht: Die Vorbilder kommen quasi aus dem eigenen Lager.

Denn die Frauen-Nationalmannschaft hat im Dezember vorgemacht, wie Turniererfolg geht, als sie bei der WM sensationell zu Silber gestürmt ist. Und tatsächlich können sich die Männer bei den Frauen etwas für die EM abschauen.

"Vor allem diese kompromisslose Haltung, gerade in der Abwehr. Die Frauen haben mit ihrer defensiven Stabilität den Grundstein für den Silbermedaillengewinn gelegt", sagte Ex-Weltmeister Dominik Klein im ran-Interview.

Daneben geht es darum, "die Qualität in der Breite zu nutzen, Vertrauen in die Bank zu haben, jederzeit frische Impulse bringen zu können. Das kann ein entscheidender Erfolgsbaustein sein", so Klein. Denn die Auslosung hat der DHB-Auswahl ein hartes Programm beschert.

Wir haben mit Klein vor dem Start am Donnerstag gegen Österreich (ab 20:30 Uhr auf Joyn und im Liveticker auf ran.de) über den schwierigen Turnierbaum, Titeldruck, die Schlüsselspieler und einen wichtigen Trumpf für Bundestrainer Alfred Gislason gesprochen.

- Anzeige -
- Anzeige -

Das Wichtigste in Kürze

- Anzeige -
- Anzeige -

Klein: Das können die Männer von den Frauen lernen

ran: Dominik Klein, die Frauen haben zuletzt vorgemacht, wie man durch ein Turnier fegen kann. Was können die Männer von den Frauen lernen?

Dominik Klein: Vor allem diese kompromisslose Haltung, gerade in der Abwehr. Die Frauen haben mit ihrer defensiven Stabilität den Grundstein für den Silbermedaillengewinn gelegt. Markus Gaugisch konnte zudem im Coaching sehr klug rotieren, Kräfte verteilen und immer wieder Qualität von der Bank bringen – auch, weil viele Spiele früh entschieden waren. Das ist bei den Männern vielleicht nicht eins zu eins übertragbar, aber der Grundgedanke schon: die Qualität in der Breite zu nutzen, Vertrauen in die Bank zu haben, jederzeit frische Impulse bringen zu können. Das kann ein entscheidender Erfolgsbaustein sein.

ran: Und was lässt sich von den Basketballern abschauen, die wissen, wie man Titel holt?

Klein: Für mich ist das eine Frage des Selbstverständnisses. Mannschaftssport funktioniert dann am besten, wenn jeder seine Rolle akzeptiert – egal, ob er drei Minuten spielt oder das komplette Spiel auf dem Feld steht. Genau das verkörpert die Basketball-Nationalmannschaft. Dieses füreinander Einstehen, dieses klare Rollenverständnis, dieser gegenseitige Respekt. Das haben wir im Handball in den letzten Jahren ebenfalls immer wieder gesehen. Gute Stimmung, Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung – und das zeigt sich am Ende auch auf dem Spielfeld. Wenn jeder für den anderen kämpft, entstehen genau diese Momente, die große Turniere entscheiden können.

ran: Die deutschen Gegner haben es bereits in der Vorrunde in sich. Deshalb wollte man schon zum Turnierstart im Flow sein. Ist die Mannschaft bereits auf Betriebstemperatur?

Klein: Ja, absolut. Die Mannschaft ist die letzten Testspiele mit einer Ernsthaftigkeit angegangen, die man sonst oft erst im Turnier sieht. Es gab nicht dieses klassische Abtasten nach dem Motto: Wo stehen wir eigentlich? Sondern man wollte bewusst schon vorher auf einem hohen Niveau spielen. Österreich als Auftaktgegner ist da ein guter Gradmesser. Genau da möchte Deutschland zeigen, dass man im Turnier angekommen ist.

ran: Gegen Österreich hat sich das DHB-Team zuletzt öfter schwergetan. Warum?

Klein: Das hängt sicher auch mit der Konstellation zusammen. Österreich bringt immer eine hohe Motivation mit – vor allem, weil viele Spieler aus der Bundesliga stammen und sich gegen Deutschland beweisen wollen. Aber genau aus diesen Erfahrungen hat die Mannschaft gelernt. Der Fokus liegt diesmal klar auf dem eigenen Spiel, auf dem, was man sich in der Vorbereitung erarbeitet hat. Dazu kommt: Die Österreicher kommen selbst aus einer etwas schwierigeren Vorbereitung. Nach dem, was man aus ihrem Umfeld hört, sind sie mit ihrer Ausgangslage nicht komplett zufrieden.

ran: Wie schätzen Sie Serbien ein?

Klein: Serbien ist eine Mannschaft, die extrem über Herz und Emotion kommt. Und genau solchen Teams musst du mit derselben Emotionalität begegnen. Da geht es darum, in der Abwehr konsequent dagegenzuhalten und von Beginn an klarzumachen, dass man auf Augenhöhe in diese Intensität geht. Ich bin überzeugt, dass man Serbien genau so angehen wird, dass sie früh merken: Deutschland ist emotional voll da. An diesem Ansatz führt kein Weg vorbei.

ran: Zum Abschluss geht es gegen Spanien. Was erwartet die deutsche Mannschaft dort?

Klein: Die große Stärke Spaniens ist ihr erfahrenes Spielsystem. Dazu kommen immer wieder taktische Raffinessen – sei es eine offensive Abwehr, besondere Lösungen im Kreisläuferspiel oder flexible Systeme. Spanien spielt auf einem konstant sehr hohen taktischen Niveau. Wenn man sich die Gruppen-Konstellation anschaut, könnte man dieses Spiel als das entscheidende ansehen. Wichtig ist, dass man aus den ersten beiden Spielen die nötigen Erfahrungen sammelt, um dann im weiteren Turnierverlauf den nächsten Schritt zu machen. Am Ende geht es um die wichtigen Punkte – laut Papier vielleicht gegen Spanien –, aber entscheidend bleibt die eigene Entwicklung im Turnier.

Externer Inhalt

Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie Facebook, Instagram oder Youtube. Aktiviere bitte Personalisierte Anzeigen und Inhalte sowie Anbieter außerhalb des CMP Standards, um diese Inhalte anzuzeigen.

DHB-Team: "Diese Tiefe ist eine der großen Stärken"

ran: In der Hauptrunde könnten unter anderem Dänemark, Frankreich, Norwegen oder Portugal warten. Ein Albtraum, wie Andi Wolff sagte – oder eher eine Chance?

Klein: Von einem Albtraum würde ich nicht sprechen. Ich sehe das vielmehr als Herausforderung und auch als Möglichkeit, sich endgültig in der Weltspitze zu etablieren. Wir haben in den letzten Turnieren erlebt, wozu diese Mannschaft fähig ist: Halbfinals, Silbermedaillen, große Auftritte. Wenn man sich durch diesen Turnierbaum bis ins Halbfinale spielt, dann ist man ganz oben angekommen. Diese Perspektive kann der Mannschaft noch einmal einen zusätzlichen Schub geben.

ran: Wie beurteilen Sie die Mischung im Kader?

Klein: Sehr ausgewogen. Der Trainer arbeitet mit einem Stamm, den er aus den letzten Turnieren kennt und dem er klare Rollen zutraut. Gleichzeitig hat sich die Breite enorm entwickelt. Wir haben oft über den Abwehr-Innenblock gesprochen mit Julian Köster und Johannes Golla. Jetzt gibt es fünf, sechs echte Innenblock-Varianten. Das sind hervorragende Voraussetzungen, um die Kräfte über das Turnier zu verteilen und immer wieder frische Qualität zu bringen. Diese Tiefe ist eine der großen Stärken – gerade für das Abwehrspiel, das Deutschland mittlerweile auf sehr hohem Niveau betreibt.

ran: Was muss noch besser werden? An welchen Stellschrauben kann man noch drehen?

Klein: Wir streben ja immer nach Perfektion – das ist wahrscheinlich auch eine typisch deutsche Eigenschaft. Aber am Ende sind es die kleinen Details. Was mir immer wieder auffällt, sind unnötige Aktionen: ein riskanter Pass, ein überflüssiges Eins-gegen-eins, Laufwege ohne echten Mehrwert, die Mitspieler eher in Bedrängnis anstatt in gute Positionen zu bringen. Das ist eine Frage der Spieldisziplin. Und genau diese Phasen – vier, fünf Minuten ohne Disziplin – können ein Spiel kippen lassen. Handball ist ein Fehlersport, am Ende gewinnt meist der, der weniger Fehler macht. Der Wunsch wäre deshalb, länger in diesem Flow zu bleiben, in diesem guten Gefühl. Gerade das Umschaltspiel, die zweite Welle, die Geduld bis zum Außen – das waren zuletzt tolle Sequenzen.

ran: Wer sind die Schlüsselspieler? Wer soll das Team durch das Turnier führen – oder liegt die Stärke eher in der Breite?

Klein: Da könnte ich jetzt einen ganzen Vortrag halten. Aber wenn ich einen Namen vorneweg nennen soll, dann Julian Köster. Seine Entwicklung in den vergangenen Jahren ist beeindruckend. Er ist für mich aktuell die Nummer eins. Dazu kommt die Achse mit Johannes Golla am Kreis – ein Spieler, der unheimlich arbeitet, brennt und der vor allem defensiv enorme Stabilität bringt. Und dann natürlich die Torhüter Andi Wolff und David Späth: In den letzten beiden Spielen war immer einer da, der den Tag erwischt hat und der Mannschaft geholfen hat. Diese Konstellation gibt extrem viel Sicherheit. Gleichzeitig darf man die Breite nicht unterschätzen: die hohe Effektivität von außen, die wir zuletzt gesehen haben, ist wirklich stark. Stand jetzt kann man da fast nur ins Schwärmen geraten.

Juri Knorr: Ein absoluter Keyplayer?

ran: Juri Knorr gehört natürlich auch dazu. Wie sehen Sie seine Entwicklung – gerade nach dem Vereinswechsel?

Klein: Man spürt, dass diese große Last des alleinigen Hoffnungsträgers ein Stück weit von ihm abgefallen ist. Er hat jetzt eine sensationelle Mannschaft um sich herum und kann seine Stärken gezielt einbringen. Seine Skills sind unbestritten. In diesem Umfeld kann er sich zeigen, ohne alles tragen zu müssen. Deshalb bin ich sehr zuversichtlich, dass Juri Knorr in diesem Turnier ein absoluter Keyplayer sein kann.

ran: Gilt das auch für Renars Uscins? Er hatte eine schwierige WM, weil er nicht komplett fit war – jetzt ist er gesund.

Klein: Absolut. Man sieht bei ihm eine ganz andere Frische, vor allem in den letzten beiden Spielen. Das geht übrigens vielen in der Mannschaft so. Dieses Turnier beginnt mit einer anderen mentalen Freiheit. Damals schwang noch das Olympia-Thema mit, jetzt kommen alle aus dem Bundesliga-Alltag und freuen sich auf die Nationalmannschaft und auf diese Europameisterschaft. Das ist bei Uscins deutlich spürbar. Deutschland braucht ihn mit seiner Denkweise und mit seiner Qualität – das ist ein enormer Mehrwert. Deshalb gilt am Ende: Wir müssen keine Baustellen suchen – wir haben keine.

ran: Die Erwartungen sind deshalb hoch. Muss jetzt der große Wurf kommen – oder wäre schon das Halbfinale ein Erfolg?

Klein: Für mich wäre ein Halbfinale auf jeden Fall ein Erfolg. Die Spieler wissen sehr genau, was auf diesem Niveau dazugehört, wie schmal der Grat ist und wie viel Spielglück es am Ende auch braucht, um sich mit einer Medaille zu belohnen. Allein die Tatsache, dass sie das Privileg haben, drei Wochen für Deutschland auf dieser großen Bühne unterwegs zu sein, ist etwas Besonderes. Viel wichtiger als ein äußerer Erwartungsdruck ist aus meiner Sicht die Freude und der Ehrgeiz, sich mit den Besten zu messen. Genau das spürt man bei dieser Mannschaft.

ran: Sie sehen also keinen echten Titeldruck?

Klein: Nein, den sehe ich bei dem Turnier überhaupt nicht. Ein Halbfinale wäre ein starkes Ergebnis, und dann holen sie sich auch eine Medaille.

ran: Ein wichtiger Faktor ist der Bundestrainer. Hat man sich mit der öffentlichen Diskussion um die Zukunft von Alfred Gislason bei einem eventuellen frühen Aus einen Gefallen getan?

Klein: Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wo diese Diskussion überhaupt richtig entstanden ist. Entscheidend ist immer noch, was die Mannschaft auf der Platte daraus macht. Alfred lebt diesen Sport, seine Begeisterung ist echt, und die wird er auch nie verlieren.

- Anzeige -

Handball-Nationalmannschaft: Diskussionen um Gislason

ran: Sie kennen ihn gut. Prallt so etwas einfach an ihm ab?

Klein: Alfred hat im Handball schon alles gesehen. Seine Reaktion darauf passt zu ihm: ruhig, gelassen, fast mit einem Schmunzeln. Am Ende kann er diese Debatte ohnehin nicht beeinflussen. Er ist ein Vollblut-Handballer, ein Analytiker, der sich einzig darauf konzentriert, die bestmögliche Mannschaft ins Turnier zu schicken. Und ganz ehrlich: Warum sollte er sich davon ablenken lassen? Im Gegenteil: Ich erlebe ihn als Bundestrainer sogar deutlich gelöster als früher im Vereinsalltag. Man sieht ihn häufiger lachen, häufiger lächeln. Gleichzeitig bleibt er der Perfektionist, der Analytiker, der immer kritisch hinschaut.

ran: Wer gehört aus Ihrer Sicht noch zum Favoritenkreis?

Klein: Ganz vorne steht für mich Dänemark – schon allein, weil sie zu Hause spielen. Schweden und Norwegen sehe ich ebenfalls als Mitfavoriten, auch wenn ihre Konstellation über die Hauptrundengruppen etwas anders ist. Und dann muss man abwarten, was sich aus der deutschen Hauptrundengruppe mit Frankreich, Norwegen, Portugal, Spanien und Deutschland herauskristallisiert. Das ist sportlich das Maximum dessen, was es aktuell im Welthandball gibt. Genau daraus entsteht aber auch diese enorme Motivation, sich auf diesem Niveau zu beweisen. Dänemark hat dabei einen klaren Vorteil: Vorrunde, Hauptrunde und Endrunde am selben Standort, getragen von dieser rot-weißen Fanmasse in Herning – das ist schon beeindruckend. An ihnen führt deshalb zunächst kein Weg vorbei.

Mehr News und Videos
Muenchen: Handball - Laenderspiel - Deutschland - Island Trainer Alfred Gislason (Deutschland) Muenchen SAP Garden Bayern Deutschland *** Muenchen Handball Laenderspiel Germany Iceland Coach Alfred...
News

Handball-EM 2026: Spielplan, TV-Übertragung, Joyn-Stream und Ticker - alle Infos auf einen Blick

  • 14.01.2026
  • 16:09 Uhr