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Olympia 2026, Skispringen: "... konsequent alle rausschmeißen" - Sven Hannawald exklusiv

  • Aktualisiert: 06.02.2026
  • 13:44 Uhr
  • Andreas Reiners

Wie viele Medaillen holen die Skispringer? Wie sehr hat der Ruf der Sportart gelitten? Und welche Faszination strahlt Olympia noch aus? Unter anderem darüber haben wir mit Sven Hannawald gesprochen.

Das Interview führte Andreas Reiners

Wenn im Skispringen betrogen wird, ist Sven Hannawald nicht mehr zu halten. Denn er sieht den Ruf einer ganzen Sportart gefährdet.

Klar ist: "Skispringen steht in dieser Saison weiter unter Beobachtung. Und ja, mich nervt jede weitere Disqualifikation. Jede einzelne", stellt die deutsche Skisprung-Legende im ran-Interview klar.

Mit Kontrollchef Mathias Hafele "lässt sich nicht spielen. Jetzt weht ein anderer Wind. Deshalb sage ich inzwischen ganz klar: Bei einem Millimeter konsequent alle rausschmeißen. Damit wirklich ein Umdenken stattfindet."

Genauso hofft Hannawald auf deutsche Erfolge bei den Olympischen Spielen. "In Summe halte ich bei den Frauen zwei bis drei Medaillen für möglich", sagt er. Und wartet bei den Männern noch ab. "Felix Hoffmann und Philipp Raimund haben sich zuletzt in guter Form gezeigt, aber ganz ohne Fragezeichen ist das nicht", sagt er.

Welche Fragezeichen das sind, was er bei den deutschen Skispringern generell kritisiert, warum Domen Prevc so dominant ist und wie er Olympia in Zeiten des Klimawandels sieht, verrät er im ran-Interview.

ran: Sven Hannawald, der DSV hat zehn Medaillen als Ziel für Olympia ausgegeben. Wie viele kann das Skispringen beitragen?

Sven Hannawald: Bei den Frauen sehe ich durchaus Chancen. Agnes Reisch war zuletzt nah dran am Podest, das kann bei Olympia in eine Medaille münden. Und mit Selina Freitag haben wir eine Athletin, die gefühlt konstant vorne mit dabei war. Ich hoffe, dass diese Serie jetzt nicht reißt. Dazu kommen ja mehrere Wettbewerbe – Einzelspringen auf der kleinen und großen Schanze sowie der Mixed-Wettkampf. In Summe halte ich bei den Frauen zwei bis drei Medaillen für möglich.

ran: Und bei den Männern?

Hannawald: Da müssen wir abwarten. Felix Hoffmann und Philipp Raimund haben sich zuletzt in guter Form gezeigt, aber ganz ohne Fragezeichen ist das nicht. Die letzten Wettbewerbe waren stark geprägt von guten Bedingungen zum Skispringen, diese Voraussetzungen wird es aber so bei Olympia nicht geben. Die Springer müssen dort mit Rückenwind zurechtkommen. Das ist mein größtes Fragezeichen. Aber wenn man die Ergebnisse und vor allem die Bedingungen betrachtet, würde ich Hoffmann vorne sehen. Ich hoffe, dass er für uns eine Art Vorreiter sein kann.

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Skispringen: So hat Wellinger die Kurve bekommen

ran: Und pünktlich zu Olympia hat Andreas Wellinger nach seiner Krise wieder die Kurve bekommen?

Hannawald: Ja, durch kontinuierliche Arbeit. Er ist Schritt für Schritt wieder reingekommen. Ganz aufgegangen ist es noch nicht, aber die Sprünge in Willingen gingen jetzt genau in die richtige Richtung. Er ist dran, er setzt es um, und er kann es abrufen. Das ist erst einmal ein positives Signal. Ganz einfach wird es trotzdem nicht weitergehen. Aber vielleicht kann er für eine Überraschung sorgen.

ran: Wie liegt die Anlage den Deutschen?

Hannawald: Das ist schwer zu sagen. Es gab zwar Sommerwettkämpfe auf der Schanze, aber die Anlage wird jetzt angepasst. Was mir fehlt, ist die jüngere Wettkampferfahrung. In Predazzo ist lange nichts passiert, weil die Schanze renoviert werden musste. Dadurch gab es dort über Jahre keine relevanten Wettbewerbe. Das muss auch ich erstmal auf mich zukommen lassen.

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ran: Domen Prevc dominiert den Winter. Können Sie das erklären?

Hannawald: Ein entscheidender Punkt ist, dass er seine Schuhe nicht komplett festbindet, was er aber noch nie gemacht hat. Dadurch steht er in der Luft mit der Ferse nicht voll auf der Sohle im Sprungschuh. Ich kann das natürlich nicht beweisen – es gibt kein Röntgengerät oder einen Scanner –, aber das ist meine Erklärung. Dadurch zieht es den Anzug ihn in der Luft gewissermaßen weiter nach unten, was ihm ein anderes Schrittmaß generiert, als er es eigentlich haben dürfte. Das ist nicht verboten. Deshalb spreche ich ausdrücklich nicht von Betrug, sondern von einer cleveren Lösung, die lange niemand auf dem Schirm hatte.

ran: Was ist der genaue Effekt?

Hannawald: Mit dieser Verschiebung der Anzugsfläche in der Luft kann er eine extremere Vorlage einnehmen, die andere so nicht erreichen können, weil sie dafür ein anderes Schrittmaß bräuchten, das nicht erlaubt wäre. Sobald er landet und ausfährt, passt wieder alles: Schrittmaß, Messung, Regelwerk. Deshalb gilt ganz klar: Er betrügt nicht. Das ist eine Lücke im System, vergleichbar mit dem Diffusor in der Formel 1. Es war nicht verboten, also wurde es genutzt und plötzlich war ein Team allen anderen voraus. Genau das passiert hier. Er profitiert von einer Technik, die er sich über Jahre erarbeitet hat. Dadurch kann er eine Flugposition einnehmen, die aerodynamisch extrem effizient ist und für andere schlicht nicht erreichbar.

ran: Kann man also sagen, dass auch bei Olympia kein Weg an ihm vorbeiführt?

Hannawald: Für mich ist er der klare Favorit, sofern es keine irregulären Bedingungen gibt und nicht alles komplett chaotisch läuft. Danach wird es aber spannend. Das Feld ist enger zusammengerückt. Kleinigkeiten können wieder entscheiden, Tagesform spielt eine größere Rolle, Verschiebungen sind möglich. Und da können auch die deutschen Springer an einem guten Tag auf dem Podest landen.

ran: Die Vierschanzentournee hat ihre eigenen Gesetze. Welche Gesetze gelten bei Olympia?

Hannawald: Bei Olympia spielt der Faktor Glück eine größere Rolle. Bei der Tournee ist es so: Wenn du in Oberstdorf Glück hast, heißt das nicht, dass du es auch in Garmisch, Innsbruck und Bischofshofen hast. Über zehn Tage hinweg hat niemand durchgehend Glück. Deshalb gibt es am Ende glückliche Olympiasieger, aber keine glücklichen Tourneesieger. Und genau das macht Olympia so besonders – auch für Springer, die spüren: Eigentlich fehlt nicht viel, aber ich weiß nicht genau was. Genau solche Athleten können bei Olympia plötzlich auf Positionen landen, auf denen sie sich selbst vorher nie gesehen hätten.

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Hannawald: "Die haben die Kontrollen ausgelacht, verhöhnt"

ran: Sie haben sich in diesem Winter mehrfach über Betrüger aufgeregt. Warum gibt es diese Unbelehrbaren immer noch?

Hannawald: Es werden weniger. Aber es gab sie, diese Fälle, bei denen man gesehen hat, mit welcher Einstellung manche Springer der FIS begegnet sind. Die haben die Kontrollen ausgelacht, verhöhnt. Wie Timi Zajc. Doch dann kam Mathias Hafele und mit dem lässt sich nicht spielen. Jetzt weht ein anderer Wind. Deshalb sage ich inzwischen ganz klar: Bei einem Millimeter konsequent alle rausschmeißen. Damit wirklich ein Umdenken stattfindet. Erst dann wird dieses permanente Grenzspiel aufhören.

ran: Wie sehen Sie aktuell den Ruf des Skispringens?

Hannawald: Das steht in dieser Saison weiter unter Beobachtung. Und ja, mich nervt jede weitere Disqualifikation. Jede einzelne. Aber gleichzeitig merke ich, dass sich bei vielen Zuschauern etwas verändert. Es heißt nicht mehr nur: "Schon wieder einer raus." Sondern zunehmend auch: "Okay, es wird wieder strenger. Es wird wieder klarer. Es geht wieder mehr ums Skispringen und weniger um Tricks." Genau das müssen wir durchziehen. Es wird noch Fälle geben, bei denen jemand zu naiv ist. Oder vielleicht auch bewusst kalkuliert, Risiko geht, weil ein Highlight ansteht. Aber ich habe volles Vertrauen, dass Hafele das konsequent weiterverfolgt. Diese Linie brauchen wir.

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ran: Sie haben nach der Vierschanzentournee den Ehrgeiz der Deutschen kritisiert. Was fehlt Ihnen da?

Hannawald: Mir geht es um die Ausstrahlung. Bei uns war es früher so: Wenn etwas nicht funktioniert hat, hat man uns das sofort angesehen. Heute habe ich oft das Gefühl, dass es nach außen kaum einen Unterschied macht, ob jemand vorne mitspringt oder gerade so in den zweiten Durchgang kommt. Und wenn ich das mit anderen Nationen vergleiche, gerade Richtung Österreich, sehe ich da einen klaren Unterschied. Die haben einen brutaleren Konkurrenzkampf. Die müssen anders auftreten, anders denken. Bei uns ist es oft so: Einer kommt über den Continental Cup rein, hat sein Ticket, und dann springt man halt mit.

ran: Ist das eine grundsätzliche Frage, eine gesellschaftliche, vielleicht sogar eine Generationenfrage?

Hannawald: Das könnte sein. Am Ende des Tages wird von Verband, Trainern und dem gesamten Umfeld sehr viel dafür getan, dass die Jungs auf einer Straße Richtung Erfolg unterwegs sind. Sie müssen natürlich trotzdem hart arbeiten, keine Frage. Aber wenn irgendwo ein Problem auftaucht, sehe ich oft zu wenig echte Veränderung. Zu wenig Ausprobieren. Bei der Tournee habe ich gesehen: Man startet auf einem gewissen Niveau und bleibt dort. Andere Nationen nehmen Fahrt auf, unsere dreht sich im Kreis.

ran: Kann Olympia als Lebenstraum eines Sportlers die deutschen Skispringer noch einmal zusätzlich pushen?

Hannawald: Eigentlich muss es das. Wir werden es jetzt sehen. Den Typ Mensch kannst du nicht komplett ändern. Das sieht man ja schon bei Kindern, die im Wohlstand aufwachsen. Da reißt sich auch nicht jeder automatisch den Hintern auf, wenn ohnehin alles da ist. Die Springer bekommen sehr viel serviert. Aber mein Eindruck ist, dass sie zu wenig lernen, eigenständig Lösungen zu finden. Stattdessen wartet man oft auf die nächste Ansprache vom Trainer, auf den nächsten Impuls von außen, der helfen soll, wieder einen Schritt nach vorne zu machen. Mir wäre es lieber, jemand probiert bewusst etwas aus und verpasst dafür vielleicht mal den zweiten Durchgang, als dass ich immer wieder dieselben Sprünge sehe.

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Hannawald: "Dieses ständige In-Watte-Packen hilft niemandem"

ran: Was wäre da eine Möglichkeit?

Hannawald: Das Thema Windkanal ist da ein gutes Beispiel. Natürlich waren unsere Springer auch im Windkanal. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, wie brutal wertvoll das ist. Was du dort in einer halben oder einer Stunde lernst, ersetzt dir im Zweifel tausend Sprünge. Ich wäre damals der Erste gewesen, der gesagt hätte: Ich brauche keinen weiteren Lehrgang irgendwo, wo ich wieder sieben Sprünge mache. Ich will in den Windkanal. Ich will ausprobieren. Ich will fühlen, was passiert, wenn ich etwas verändere. Das ist effektiv. Das bringt dich weiter.

ran: Das ist eine sehr grundsätzliche Frage, aber wo setzt man da an?

Hannawald: Bei den aktuellen Jungs ist es dafür eventuell schon zu spät. Aber bei denen, die nachkommen, da musst du ansetzen. Denen musst du früh begreiflich machen, dass Leistung Arbeit bedeutet und man viele Dinge nicht erklären kann, sondern sie einfach so sind, wie sie sind. Punkt. Nicht im Ton von früher, nicht mit Drill oder Angst. Wir sind selbst anders mit uns umgegangen, das war eine andere Zeit. Aber dieses ständige In-Watte-Packen, dieses Schonen, das hilft niemandem. Oben, auf Platz eins, zwei, drei, ist die Welt rau. Da schenkt dir keiner etwas. Und da kann dir auch kein Trainer helfen. Der kann nicht mit auf den Balken gehen und dir die Hand halten. Und genau da sieht man, dass die Zeit weitergelaufen ist. Die Voraussetzungen waren gut, aber andere haben aufgeholt oder sind vorbeigezogen.

ran: Sie haben drei olympische Medaillen gewonnen, darunter Gold. Welche Faszination übt Olympia heute noch aus?

Hannawald: Olympia hat diese besondere Strahlkraft, weil für zwei Wochen alle Sportarten zusammenkommen. Früher waren die Wettkampfstätten oft näher beieinander, heute ist das anders. Das hängt auch mit Nachhaltigkeit zusammen, weil bestehende Orte genutzt werden, die ohnehin im Weltcup-Kalender vorkommen. Trotzdem hast du als Aktiver dieses Gefühl: Die gesamte Wintersportwelt trifft sich für zwei Wochen in einem Land, in einer Region. Im Olympischen Dorf kommst du mit Sportlern aus ganz anderen Disziplinen in Kontakt. Das ist etwas Besonderes.

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ran: Olympia steht aber auch immer stärker im Kontext von Nachhaltigkeit und Klimawandel. Welche Zukunft haben Wintersport und Winterspiele?

Hannawald: Das hängt nicht von den Wintersportlern ab, sondern von uns allen – mich eingeschlossen. Davon, wie wir mit der Umwelt umgehen. Wenn wir nur auf Kommerz schauen, nur auf Zahlen und Wachstum, ohne die Natur mit zu berücksichtigen, dann wird es diesen Sport so nicht mehr lange geben. Einzelne, die für sich einen guten Weg mit der Natur gefunden haben, reichen nicht. Es geht um das Gesamtsystem. Deshalb beschäftigen wir uns zunehmend mit Alternativen. Im Skispringen brauchen wir keinen Schnee am Hang – wir haben Matten.

ran: Welche Rolle spielt dabei Olympia?

Hannawald: Man sollte nicht alles automatisch mit Olympia verknüpfen. Natürlich stellt man sich Fragen, wenn Olympische Spiele nach Regionen vergeben werden, in denen man in einer ganzen Karriere vielleicht einen Wettkampf hatte – China oder Korea zum Beispiel. Bei Mailand und Cortina ist das anders. Die meisten Strecken kennt man, die Anlagen sind vertraut. Da muss man nicht reflexartig sagen, Olympia sei schlecht für die Klimabilanz. Kritisch wird es dann, wenn man das Gefühl hat, dass Austragungsorte nur wegen des Geldes ausgewählt werden, ohne sportlichen oder regionalen Sinn.

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Olympia: Die Tendenz bleibt kritisch

ran: Für wie alarmierend halten Sie die aktuelle Situation?

Hannawald: Sie geht ganz klar in eine Richtung. Und diese Richtung sehen wir inzwischen weltweit, über Jahreszeiten, Länder und Kontinente hinweg. Die Naturkatastrophen nehmen zu. Wir versuchen für unseren Teil gegenzusteuern, schauen, wie wir uns aufstellen können, wie wir der Natur etwas zurückgeben, wo wir sparen können. Aber man muss ehrlich sein: Am Ende geht es bei Firmen fast immer ums Geld.

ran: Und da hört es mit dem Naturschutz schnell auf…

Hannawald: Ja, solange mehr Geld verdient wird – auch auf Kosten der Natur –, wird es nur sehr wenige geben, die freiwillig zurückstecken. Diese Entwicklung wird weitergehen. Du kannst Strafen verhängen, so viele du willst. Wenn ein Unternehmen deutlich mehr verdient, zahlt es im Zweifel ein Drittel davon als Strafe und sagt: Egal, wir machen trotzdem weiter. Das ist der Weg, den viele gehen. Und genau deshalb bleibt die Tendenz kritisch.

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