Olympische Winterspiele in Italien
Olympia 2026: Wer ist "Vaterlandsverräterin" Eileen Gu?
- Veröffentlicht: 18.02.2026
- 12:09 Uhr
- Anne Malin
Zweifache Olympiasiegerin, berühmtes Model und Quantenphysik-Studentin: Eileen Gu ist ein Olympia-Star mit großer Strahlkraft. Trotzdem ist sie erneut das Ziel von scharfer Kritik und Online-Hass.
Von Anne Malin
Bei Olympia 2026 hat die Freestyle-Skierin Eileen Gu bereits einen herausragenden Start hingelegt: Sie gewann Silber im Big Air und im Slopestyle-Wettbewerb. Zusammen mit den zwei olympischen Goldmedaillen aus Peking von 2022 macht das die 22-Jährige zu einer der erfolgreichsten Skifreestyle-Athletinnen der Welt.
Nebenbei arbeitet das Multitalent als Model bei IMG Models, einer US-Agentur, die Namen wie Gigi Hadid, Kate Moss und Heidi Klum im Repertoire hat, und besucht Quantenphysik-Kurse an der Eliteuniversität Stanford. Dennoch stand sie in den vergangenen Wochen erneut nicht wegen positiver Nachrichten im Rampenlicht.
Geborene Amerikanerin trägt bei Olympia Chinas Flagge
Eileen Gu wurde am 03. September 2003 in San Francisco als Kind einer chinesischen Mutter und eines amerikanischen Vaters geboren. Sie wuchs in Kalifornien auf und fuhr 2017 ihren ersten großen sportlichen Erfolg als US-Meisterin in der Halfpipe und im Slopestyle ein.
Rund zwei Jahre später verkündete sie nach einem Treffen mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping, dass sie in Zukunft China repräsentieren werde. "Ich bin stolz auf meine [chinesische] Herkunft und ebenso stolz auf meine amerikanische Prägung. Die Möglichkeit, während der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking Millionen junger Menschen dort zu inspirieren, wo meine Mutter geboren wurde, ist eine einmalige Gelegenheit", schrieb Gu auf Instagram.
China macht die Freestyle-Skierin zu einer der bestbezahlten Athletinnen der Welt. Laut "Forbes" soll sie über 23 Millionen Dollar pro Jahr verdienen und geschätzte Hunderttausende mehr für jedes olympische Edelmetall.
"Vaterlandsverrat, nur nicht im legalen Sinne"
Der Wechsel bringt den Vorwurf mit sich, dass Eileen Gu sich verkauft habe. Der amerikanische Journalist Charles C. W. Cooke bezeichnete es als "Vaterlandsverrat, nur nicht im legalen Sinne". Der leitende Redakteur bei "National Review" kritisierte: "Sie hat eine kommunistische Diktatur den USA vorgezogen. Ich hasse das. Jeder, der Patriot ist, sollte das hassen."
Um China sportlich repräsentieren zu können, muss jeder Athlet die passende Staatsbürgerschaft haben. In der Volksrepublik ist die doppelte Staatsbürgerschaft zwar verboten, trotzdem ist die Olympiagewinnerin allem Anschein nach immer noch US-Staatsbürgerin. Diese Sonderregelung sorgt für Unmut: "Sie fährt Ski für den Feind, aber nimmt gerne die Vorteile der amerikanischen Staatsbürgerschaft mit", kommentiert ein User auf ihrem letzten Instagram-Beitrag.
Gu selbst kann mit der Kritik nicht viel anfangen. "Es ist bedauerlich, dass die Leute mehr auf meine Nationalität fixiert sind als auf meine Leistung", sagte sie.
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Dazu kommt, dass die Stanford-Studentin in der Vergangenheit lautstark die Menschenrechtsbewegung "Black Lives Matter" unterstützte, aber keine Kritik an den Menschenrechtsverletzungen in China, etwa den vermutlich unmenschlichen Haftbedingungen, Erniedrigungen und Folterungen der ethnischen Minderheit der Uiguren, übte.
Die Nachbeben bleiben spürbar
"Chinas Hund! Gib deinen amerikanischen Pass zurück!"
"Ich hoffe, ICE holt dich ab, wenn du wiederkommst."
"Ich bete, dass du deine Staatsbürgerschaft verlierst und gezwungen wirst, in dem Land zu leben, dessen Flagge du trägst. Verschwinde aus unserem Land."
Solche Kommentare sammeln sich unter Gus letzten Instagram-Post, doch die 22-Jährige zeigt sich davon unbeeindruckt. "Wenn mich jemand nicht mag, ist es deren Problem", sagte sie bei einer Pressekonferenz.
Andere schreiben: "Glückwunsch Gǔ Àilíng [Gus chinesischer Name]! Mach dir keine Sorgen, du hast 1,4 Milliarden neue Fans!!"
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Trotzdem verlor sie im Zuge ihres Wechsels nicht nur die Gunst der amerikanischen Gesellschaft, sondern auch die Werbepartnerschaft mit Red Bull. Doch diesen monetären Verlust wird sie vermutlich gut verkraften können.
Eileen Gu reiht sich in eine lange Liste von chinesisch-amerikanischen Athleten ein, die sich entschieden haben, ins Team China zu wechseln. Es ist also klar, dass sportlicher Erfolg auf der größten Weltbühne China unglaublich wichtig und Sportswashing scheinbar salonfähig ist.