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NBA

NBA: Boston Celtics kurz vor möglicher Tatum-Rückkehr? Die größte Wild Card der Liga

  • Veröffentlicht: 05.03.2026
  • 11:57 Uhr
  • Ole Frerks

Ursprünglich komplett abgeschrieben, gehören die Boston Celtics in dieser Saison zu den besten Teams der NBA. Wird Boston dank eines bevorstehenden nun sogar zum Titelfavoriten?

Von Ole Frerks

Vielleicht ist die NBA-Saison der Celtics nicht mehr zu retten. Der "Phil Jackson Rule" sind sie nicht gerecht geworden.

Wie der legendäre Coach einst propagierte, wird Meister in der Regel ein Team, das seinen 40. Sieg in der Regular Season vor der 20. Niederlage einfahren konnte. Seit Einführung der Dreierlinie (79/80) war das in 43 von 46 Saisons bis 24/25 tatsächlich der Fall.

Boston hat das in dieser Spielzeit nicht geschafft, anders als OKC, Detroit und San Antonio. Der 40. Sieg der Celtics kam exakt nach der 20. Niederlage – bitter, ärgerlich, könnte man meinen. Vielleicht klappt’s ja im nächsten Jahr. Wenn der Fakt, dass Boston überhaupt im Rennen für diese Regel war, nicht für sich genommen bereits ein Wunder wäre.

Selten hatte ein Team so gute Argumente dafür, eine Ausnahme von der Regelung sein zu können. Beziehungsweise so ein gutes Argument: Der beste Spieler des Teams war über diesen gesamten Zeitraum ein Zuschauer, der nicht mitwirken konnte … was sich nun sehr bald ändern könnte.

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Von wegen Übergangsjahr!

"Es fühlt sich so an, als könnte es am Freitag gegen Dallas passieren. Alle Zeichen deuten darauf hin", sagte Celtics-Edelfan Bill Simmons am Sonntag in seinem Podcast. Was er damit meinte: Natürlich das, worauf jeder in Boston wartet: Die Rückkehr von Jayson Tatum. Zu einem Team, das mit ihm womöglich sofort zum Favoriten der Eastern Conference avancieren könnte.

Knapp zehn Monate sind vergangen, seitdem sich Tatum in Spiel 4 der Zweitrundenserie gegen die Knicks – einem der besten Spiele seiner Laufbahn – die Achillessehne riss. In der Zwischenzeit ist viel passiert: Etliche Leistungsträger der 2024er Meistermannschaft haben das Team verlassen, für 25/26 wurde Boston weitestgehend abgeschrieben. Die Saison wurde gemeinhin im Voraus als "Übergangsjahr" abgestempelt.

Nicht in Boston allerdings. "Ich glaube nie an ein Limit für uns", stellte Team-Präsident Brad Stevens kürzlich klar – selbst ohne den Superstar, der vor seiner Verletzung viermal in Serie im All-NBA First Team gestanden hatte. Der "Rest" des Teams und sein Coach Joe Mazzulla scheinen das ähnlich zu sehen.

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Celtics Culture

Boston bestreitet die laufende Saison mit einem ganz anderen Kader als in den erfolgreichen Vorjahren – allein die Big-Rotation wurde im Sommer vollständig ausgetauscht, als Al Horford, Kristaps Porzingis und Luke Kornet allesamt das Team verließen –, hat sich jedoch viele der gültigen Prinzipien beibehalten und den Kopf dadurch mehr als nur über Wasser gehalten.

Noch immer spielen die Celtics langsam, gehen kaum an die Freiwurflinie. Dafür nehmen sie sehr viele Dreier, wofür der Kader auch nach den Abgängen noch prädestiniert ist. Und sie dominieren das Possession Game: Boston verliert quasi nie den Ball, reboundet geschlossen als Team, vermeidet Fehler.

Allen voran ist bedingungsloser Einsatz eine Grundvoraussetzung, um unter Mazzulla zu spielen. Jeder Teil der Rotation verteidigt fokussiert, arbeitet hart, tritt mit der Professionalität eines Teams auf, das über die letzten Jahre quasi immer bis spät in den Playoffs am Start war. Weiter südlich würde man dabei vielleicht von einer "Kultur" sprechen.

"Wir mögen den Charakter unserer Gruppe. Wir haben sehr gute Spieler, die schon alles erlebt haben", sagte Stevens. "Dass wir so ein Jahr haben, dafür war es nötig, dass jeder Spieler all-in ist und dass der Coaching Staff es hinbekommt, für jeden Spieler eine Rolle zu definieren. Und dass die Spieler es exzellent hinbekommen, diese Rollen für sich einzunehmen."

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Boston Celtics: Immer noch Elite

Natürlich klappt all das auch nur, weil die Celtics auch ohne Tatum noch viel Qualität haben. Jaylen Brown hat einen massiven Sprung gemacht und legt die beste Saison seiner Karriere hin, die ihn erstmals zum Kandidaten für das All-NBA First Team machen könnte. Brown ist einer der besten Scorer der Liga (28,9 PPG), der auch defensiv ackert und als Leader vorangeht.

Brown sticht individuell heraus – nach ihm sind Derrick White und Payton Pritchard mit rund 17 PPG die besten Scorer –, Boston ist aber keine One-Man-Show. Im Gegenteil: Dem Net-Rating zufolge sind die Celtics sogar viel besser in den Minuten ohne den All-Star (On/Off-Swing laut Cleaning the Glass: -10,9!); weil die Defense hält, weil sie tief sind, weil sie Lösungen finden und nicht nachlassen.

Unterm Strich stellt Boston nach drei Vierteln der Saison die zweitbeste Offense und die siebtbeste Defense der NBA, knapp hinter Detroit das drittbeste Net-Rating (+7,9). Der Saisonstart war mit 10 Siegen aus 19 Spielen noch nur "okay", seither führen die Celtics die Liga sogar beim Net-Rating an (+9,8) und verfügen über die zweitbeste Bilanz der Liga (31-12).

Die Celtics haben es geschafft, auch ohne Tatum ein elitäres Team zu bleiben. Das allein macht sie zu einer der besten Storys dieser Saison, eben weil kaum jemand im Voraus daran geglaubt hatte. Nun stellt sich die Frage, welches Kapitel sie dieser Spielzeit mit einer etwaigen Rückkehr Tatums noch hinzufügen können.

Der Weg zu 100 Prozent

Eine offizielle Ansage hat der (seit Dienstag) 28-Jährige dabei noch immer nicht gemacht, auch die Celtics haben es schon die gesamte Saison über vermieden, von Timelines zu sprechen oder irgendeinen Druck auf ihn auszuüben. Die Anzeichen verdichten sich jedoch, dass die Rückkehr bald erfolgen könnte, zumal "NBC" bereits mehrere Folgen einer Doku-Serie veröffentlicht hat, die Tatum bei seinem Reha-Prozess begleitet.

"Nach so einer Verletzung ist es ein langer Weg, daher ist es für mich einfacher, jeden Tag für sich zu nehmen und zu sehen, wie mein Fortschritt dabei aussieht", sagte Tatum vor rund zwei Wochen. "Ich weiß, wie sich 100 Prozent anfühlen. Wenn diese Zeit kommt, werde ich bereit sein."

Die neuste Episode der Serie "The Quiet Work" gab dabei einen interessanten Einblick in Tatums Gedanken während seiner Reha. "Ich komme nicht zurück, um ein Rollenspieler zu sein, Doc", sagt er darin. Was zur nächsten großen Frage führt: Als was genau würde er eigentlich zurückkehren?

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Das Chamäleon

Zunächst einmal wäre damit zu rechnen, dass Tatum mit einem Minutenlimit beginnt, wie etwa Dejounte Murray, der vergangene Woche nach 13 Monaten von einem Achillessehnenriss zurückkehrte. Sicherlich wird er nicht von Beginn an der Spieler sein, der seit Jahren beständig 19 bis 21 Würfe pro Spiel nahm, das Team in jeder offensiven Hinsicht anführte.

Das will er vielleicht auch gar nicht. Über die letzten Monate sprach Tatum mehrfach darüber, wie stark das Team ohne ihn aussehe und dass es wichtig sei, mit einer Rückkehr nichts davon einzureißen. Ihm – und Boston – sollte indes helfen, dass er auch vor seiner Verletzung kein Spieler vom Schlage eines Doncic oder Harden war, der permanent den Ball in der Hand hatte und jede Possession an sich riss.

Tatums Superkraft ist seine Vielseitigkeit: Er kann Creator sein, aber auch Screener, Roll-Man, Floor-Spacer. Guard, Forward, Big Man – offensiv wie defensiv, auch als Rebounder. Vielleicht ist nicht jeder Teil dieses Arsenals von Beginn an abrufbar, vermutlich wird aber genug da sein, womit Mazzulla arbeiten kann.

"Er sieht gut aus", bekundete White am Mittwoch. "Er spielt, bewegt sich. Es tut gut, ihn wieder dabei zu sehen, wie er rauf und runter läuft. Man kann sehen, wie viel Arbeit er investiert hat, um bis zu diesem Punkt zu kommen. Und es ist großartig, dass er wieder in der Lage dazu ist, das zu tun, was er liebt."

Zunächst würde er voraussichtlich Minuten und Touches von Spielern wie Baylor Scheierman oder Hugo Gonzalez übernehmen, die beide positiv überrascht haben, aber "entbehrlich" sind. Im ersten Schritt würden die Celtics durch ihn größer, physischer, um eine ordentliche Portion variabler.

Kein echter Präzedenzfall

Und das Ceiling würde sich verschieben. Bei aller Qualität im aktuellen Team: Abgesehen von Brown und manchmal Pritchard sind nahezu alle Celtics offensiv von Möglichkeiten abhängig, die das System für sie kreiert, die in den Playoffs traditionell deutlich weniger werden. Gerade in diesen Situationen braucht es individuelle Qualität, idealerweise nicht nur aus einer Quelle (ein Manko, das auch Detroit noch anhaftet).

Es ist völlig unklar, ob Tatum bis zum Playoff-Start so weit sein kann, dass er diese Qualität konstant einbringt. Es gibt nicht viele Parallelen für einen Spieler dieser Klasse, der so spät in der Saison zu einem Team stößt, das mit einer gesunden Version von ihm direkt Titelambitionen hätte.

Ein beliebtes Beispiel wäre Michael Jordan im Jahr 1995 – der kam aber für 17 Regular-Season-Spiele von zwei Jahren Baseball zurück, nicht von einer schweren Verletzung. Und die Bulls waren in der 94/95er Spielzeit ohne ihn bei weitem nicht so gut, wie es Boston in der laufenden Saison bisher war. Und MJ ist MJ. Nie ein wirklich geeigneter Präzedenzfall.

Nein, in Wirklichkeit begeben sich die Celtics und Tatum auf weitgehend unbekanntes Terrain. Er ist die größte Wild Card in der restlichen Saison, der Spieler, der ein ohnehin schon gefährliches Team noch um ein Vielfaches gefährlicher machen könnte. Phil Jackson mag das anders sehen … aber in gewisser Hinsicht fängt Bostons Saison erst noch richtig an.

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