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Werder Bremen: Entlassung von Horst Steffen ist folgerichtig - doch jetzt steigt auch der Druck auf Fritz – Kommentar

  • Veröffentlicht: 02.02.2026
  • 08:38 Uhr
  • Marcus Giebel

Werder Bremen zieht die Notbremse. Die Trennung von Trainer Horst Steffen war nicht mehr zu vermeiden. Doch spätestens jetzt geht es auch um den Job von Clemens Fritz. Ein Kommentar.

Von Marcus Giebel

Clemens Fritz legte eine 180-Grad-Wende par excellence hin. Noch am Dienstag nach dem 0:2 im Nachholspiel gegen die TSG Hoffenheim betonte der Geschäftsführer Profifußball des SV Werder Bremen, dass die Verantwortlichen trotz der immer bedrohlicheren Lage "intern ruhig" bleiben würden.

Die Frage, ob Horst Steffen auch im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach vier Tage später als Trainer auf der Bank sitzen würde, beantwortete er entschlossen mit "Ja". Nach dem spät und glücklich zustande gekommenen 1:1 gegen die "Fohlen" hörte sich der Bremer Fußball-Chef ganz anders an.

Statt Rückendeckung für Steffen lieferte Fritz diesen Satz: "Wir werden das erstmal sacken lassen, intern besprechen und analysieren." Mit ähnlichen Aussagen wurde schon so manche Trainerentlassung in der Bundesliga eingeleitet.

So war es auch in Bremen, wo Trainer gefühlt länger fest im Sattel sitzen als bei anderen Klubs mit großer Vergangenheit. Doch zehn sieglose Spiele am Stück waren dann eines zu viel. Mindestens, die Trennung von Steffen wirkte bereits überfällig.

Eine Handschrift des 56-Jährigen, der mit vielen Vorschusslorbeeren von der SV Elversberg gekommen war, ließ sich nie wirklich erkennen. Von einer spielerischen Weiterentwicklung ganz zu schweigen.

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Werder Bremen entlässt Steffen: Keine Handschrift erkennbar

Einzig die Phase mit elf Punkten aus fünf Spielen zwischen dem 6. und 10. Spieltag weckte Hoffnung, dass die Zusammenarbeit schnell Früchte tragen könnte. Obwohl zur Wahrheit gehört, dass die Bremer auch in diesen Partien allenfalls sporadisch überzeugten.

Seither aber kamen in zehn Spielen nur noch vier Zähler hinzu. Was noch erschreckender ist: Die seit Jahren für ihre offensive Spielweise bekannten Bremer blieben in dieser Zeit sechsmal ohne Tor.

Sie wirkten zwar nie leb-, dafür aber oftmals ideen- und harmlos. Auch das muss sich der zuvor für begeisternden Offensivfußball bekannte Steffen ankreiden lassen.

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Wobei nicht unerwähnt bleibe darf, dass ihm im Angriff kein erfahrener Torjäger zur Verfügung stand. Das Experiment mit dem von Bayer Leverkusen ausgeliehenen und augenscheinlich nie wirklich fitten Victor Boniface ging grandios schief und ist angesichts dessen jüngster Knie-OP quasi schon beendet.

Keke Topp, der gegen Gladbach sein erstes Saisontor erzielte, absolviert erst seine zweite Bundesliga-Saison. Und der Anfang Januar ohne Kaufoption vom VfB Stuttgart ausgeliehene Jovan Milosevic steht auch bei gerade mal etwas mehr als 200 Bundesliga-Minuten. Justin Njinmah, Marco Grüll und Samuel Mbangula sind keine klassischen Vollstrecker, auch wenn sie zusammen für neun der 22 Tore gesorgt haben.

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Werder Bremen in der Krise: Kein Ducksch-Ersatz in Sicht

Dennoch zeigt sich immer deutlicher, dass der Aderlass im Sommer zu groß war, als mit Marvin Ducksch und Oliver Burke die beiden Stammstürmer ihre Koffer packten. Für namhaften Ersatz soll den chronisch klammen Bremern das Geld fehlen.

Was letztlich auch Steffen neben dem jüngsten Verletzungspech in der Defensive zum Verhängnis wurde. Der nunmehr Ex-Trainer kann sich immerhin auf die Fahne schreiben, während seiner Amtszeit nie öffentlich über die dürftige Personallage geklagt zu haben. Sondern gute Miene zum bösen Spiel gemacht zu haben.

Im Umfeld sieht das freilich anders aus. In der Fanszene wird die Arbeit von Fritz bereits seit längerem kritisch hinterfragt. Das spiegelte sich besonders in dem "Fritz verleihen"-Banner wider, das vor dem 3:3 gegen Eintracht Frankfurt in der Ostkurve aufgehängt wurde – offenbar als Reaktion auf den Leih-Lapsus der Chefetage, die erst vom Portal "transfermarkt" darauf hingewiesen werden musste, dass sie mehr als sechs Leihspieler unter Vertrag nehmen kann, wenn nicht alle aus dem In- oder Ausland kommen.

Ein weiteres untrügliches Zeichen der zunehmenden Kritik ist die seit dem 25. Januar laufende Online-Petition, über die die Einberufung einer "außerordentlichen Mitgliederversammlung zur Bewertung der Amtsführung von C. Fritz" erreicht werden soll. Werders Ehrenspielführer steht also in der sportlichen Krise besonders unter Beobachtung.

Vorgeworfen wird ihm etwa der ablösefreie Abgang von Eigengewächs Nick Woltemade, für den der VfB Stuttgart ein Jahr später mindestens 75 Millionen Euro Ablöse ausgehandelt haben soll. Aber eben auch der Verkauf des über Jahre hinweg zuverlässigen Scorers Ducksch, ohne einen Ersatz zur Hand zu haben.

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Werder Bremen nach Steffen: Fritz auch wegen Werner-Ende in der Kritik

Hinzu kommt das unrühmliche Ende der erfolgreichen Zeit von Steffen-Vorgänger Ole Werner. Dessen Forderungen nach größeren Kaderveränderungen prallten offenbar an Fritz ab, weshalb der heutige Leipziger Coach seinen Vertrag nicht mehr verlängern wollte und daraufhin entlassen wurde.

Nur sieben Monate nach Steffens Amtsantritt befindet sich Bremens Sportchef nun also zum zweiten Mal in hauptverantwortlicher Position auf Trainersuche. Auch wenn Präsident und Aufsichtsratschef Hubertus Hess-Grunewald ihm via "Deichstube" im Angesicht der Petition einmal mehr das Vertrauen aussprach, könnte es seine letzte sein.

Denn klar ist: In den nächsten Monaten geht es für Werder nicht nur darum, den Abstieg zu vermeiden, sondern für Fritz auch um seinen Job. Noch ein Fehlgriff auf der Trainerposition könnte nicht nur für den Verein, der noch immer am schnell reparierten Abstieg im Jahr 2021 zu knabbern hat, fatale Folgen haben.

Zunächst sollen an der Weser die bisherigen Co-Trainer Raphael Duarte, der mit Steffen aus Elversberg kam, und Christian Groß das Sagen haben. Doch Fritz betonte bereits, dass das Ziel laute, "eine externe Lösung zu finden". Auch die Installation eines sogenannten Feuerwehrmannes, der nur für die Retter-Mission bis Sommer vorgesehen wäre, sei eine Möglichkeit.

Rund um das Weserstadion gibt es trotz der eiskalten Temperaturen derzeit mehr als genug Brände zu löschen. Bleibt der Turnaround weiter aus, wird sich auch der Stuhl von Fritz früher oder später in einen Hot Seat verwandeln.

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