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Vor Frankreich-Spanien

EM 2024: Raymond Domenech vor Spanien-Kracher: "Nicht der Mbappé, den wir kennen"

  • Aktualisiert: 09.07.2024
  • 12:24 Uhr
  • Philipp Kessler
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Im Gespräch mit ran äußert sich Frankreichs Ex-Nationalcoach Raymond Domenech über das EM-Halbfinale gegen Spanien und die schwachen Auftritte von Kylian Mbappe und Cristiano Ronaldo.

von Philipp Kessler

Das nächste vorweggenommene Finale steht an. Nachdem Spanien im Viertelfinale der EM Gastgeber Deutschland in letzter Sekunde der Verlängerung mit 2:1 besiegen konnte, wartet im Halbfinale am Dienstag in München (21 Uhr im Liveticker bei ran) Vize-Weltmeister Frankreich auf die "Furia Roja".

"Der Gewinner dieses Duells wird Europameister", ist sich Frankreichs früherer Nationaltrainer Raymond Domenech sicher, der die "Equipe Tricolore" bei der WM 2006 in Deutschland ins Endspiel führte.

Der 72-Jährige spricht im Interview mit ran über das bevorstehende Spitzenspiel, die Gefahr bei Spanien-Juwel Lamine Yamal, die zwei Gesichter von Dayot Upamecano und die Enttäuschungen der EURO.

ran: Kann Frankreich Topfavorit Spanien schlagen, Herr Domenech?

Raymond Domenech: Natürlich, es ist möglich. Bei Spanien sind wichtige Verteidiger wie Carvajal oder Le Normand gelb-gesperrt. Dazu hat sich Pedri gegen Deutschland verletzt.

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Das Wichtigste in Kürze

ran: Trotzdem ist die Offensive der Spanier unglaublich stark.

Domenech: Das stimmt. Dani Olmo hat gegen die Deutschen im Viertelfinale eine sehr starke Leistung gezeigt. Frankreich spielt hingegen nicht so gut bisher. Aber wir sind das Team, das am schwierigsten zu besiegen ist. In Frankreich sagen wir: Wir spielen nicht schön, aber wir sind sehr stark. Physisch sind wir besser als Spanien. Sie sind im Angriff stark. Aber wir können verteidigen.

ran: Dafür hapert es in der Offensive. Frankreich hat bei dieser Europameisterschaft noch kein eigenes Tor aus dem Spiel heraus erzielt. Wer soll es richten?

Domenech: Wir haben schnelle Angreifer. Dembélé und Barcola sind stark, Kolo Muani ist ein guter Konterstürmer. Wir haben Spieler, die die Räume, die wir gegen Spanien bekommen, nutzen können. Ja, wir haben noch kein richtiges Tor erzielt. Aber diese Serie wird ein Ende haben. Hoffentlich gegen Spanien.

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ran: Superstar Kylian Mbappé glänzt bislang auch noch nicht. Liegt das nur an der Maske, die er seit seinem Nasenbeinbruch im ersten EM-Spiel tragen muss?

Domenech: Nein. Schon bevor er die Maske tragen musste, war er nicht in Topform. In den vergangenen drei Monaten hat er nicht wirklich gut gespielt. Er hatte Probleme in Paris, dann wurde sein Wechsel zu Real Madrid offiziell. Auch die Maske macht es nicht leichter. Das ist nicht der Mbappé, den wir kennen.

ran: Wird Mbappé gegen Spanien zu alter Stärke zurückfinden?

Domenech: Da bin ich mir nicht sicher. Wie gesagt: Offensiv haben wir viele gute Alternativen. Nationaltrainer Deschamps hat die Möglichkeit zu wechseln. Das hat er schon bei Griezmann gezeigt, den er im Viertelfinale gegen Portugal schon nach etwas mehr als einer Stunde ausgewechselt hat. Wenn Deschamps das Gefühl hat, Mbappé habe Probleme, dann wird er etwas ändern.

ran: Mit Lamine Yamal sorgt hingegen ein 16-jähriger Spanier für Furore.

Domenech: Er spielt beim FC Barcelona. Dort haben aufstrebende Talente Tradition. Einige von ihnen kommen schon sehr früh, sehr oft zum Einsatz. Aber: Sie verletzten sich häufig auch schon in jungem Alter. Das haben wir vergangene Saison mit dem Kreuzbandriss von Gavi gesehen, auch Pedri hat Probleme. Ansu Fati hat ebenfalls eine lange Verletzungsliste. Schauen wir mal, was mit Yamal passiert. Aber klar, er ist ein sehr guter Spieler. Er erinnert mich an Dembélé, allerdings ist er elf Jahre jünger.

ran: Sie haben die französische Defensive bereits gelobt. Wie kann die Abwehr die spanische Offensive um Nico Williams und Yamal aufhalten?

Domenech: Wir haben den Schlüssel, um sie zu stoppen. Wir müssen die Spanier daran hindern, den Ball den Flügelspielern zu geben. Aber: Die Außen sind nicht diejenigen, die die Tore bei ihnen schießen. Sie dribbeln, aber die zentralen Mittelfeldspieler und der Stürmer sind gefährlicher. Wir müssen auf den Übergang zwischen Flügel und Zentrum achten.

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ran: Wie schätzen Sie die Leistung von Innenverteidiger Dayot Upamecano ein?

Domenech: Bei der französischen Nationalmannschaft spielt er besser als beim FC Bayern. Wir wissen wirklich nicht, warum. Wenn ich mir ein Spiel von ihm mit Bayern angeschaut habe, habe ich nur auf den Moment gewartet, in dem er einen großen Fehler macht. Aber bei uns spielt er wie ausgewechselt. Vielleicht liegt es daran, dass es bei einem großen Turnier wie der EM nur maximal sieben Spiele gibt. Eventuell fällt es ihm dann leichter, sich zu konzentrieren und fokussierter zu sein.

ran: Wer ist für Sie der Favorit auf den Titel?

Domenech: Alle vier Halbfinalisten sind stark besetzt. Gegen die Niederlande haben wir schon oft gut gespielt. England ist spielerisch enttäuschend dieses Mal. Ich kann nicht verstehen, wie sie auftreten. Spanien ist der Favorit. Aber ich denke, wir werden sie besiegen. Der Gewinner aus diesem Duell wird Europameister.

ran: Sind Sie beim Halbfinale im Stadion?

Domenech: Nein, vielleicht komme ich zum Endspiel nach Berlin, falls wir Spanien besiegen. Aber ich bin noch unschlüssig. Ich habe Didier Deschamps gesagt: Ich war 2006 als Nationaltrainer im WM-Finale, ich war 2022 in Katar als Zuschauer dabei - beide Male haben wir im Elfmeterschießen verloren. Als wir 2018 in Russland Weltmeister geworden sind, war ich nicht im Stadion. Vielleicht sollte ich wieder lieber zu Hause bleiben… (lacht)

ran: Sie verfolgen die EM ganz genau. Wie hat Ihnen die deutsche Mannschaft gefallen?

Domenech:  Ich konnte die Organisation der deutschen Mannschaft nicht nachvollziehen. Durch die Auswechslungen der Flügelspieler, Yamal und Williams, hat sie der spanische Trainer wieder zum Leben erweckt. Sonst wäre es nicht zur Verlängerung gekommen. Ich habe ein paar Entscheidungen nicht verstanden. Zum Beispiel, warum Wirtz nicht von Anfang an gegen Spanien begonnen hat und warum Can plötzlich in der Startelf war. Zudem ist Havertz für mich kein Mittelstürmer. Vielleicht funktioniert das bei Arsenal, aber nicht beim DFB. Mit Füllkrug hätte man einen gehabt, der da zuhause ist.

Ich habe ein paar Entscheidungen nicht verstanden. Zum Beispiel, warum Wirtz nicht von Anfang an gegen Spanien begonnen hat und warum Can plötzlich in der Startelf war. Zudem ist Havertz für mich kein Mittelstürmer.

Raymond Domenech

ran: Welches Team hat Sie am meisten enttäuscht?

Domenech: Belgien. Von ihnen erwartet man meistens viel mehr bei Turnieren. In der Vergangenheit haben sie wenigstens gut gespielt. Aber dieses Mal haben sie nichts gezeigt. Ich hatte gedacht, sie können ins Halbfinale kommen. Aber das war nichts.

ran: Welcher Spieler hat Sie am positivsten überrascht?

Domenech: Für mich ist das die EURO ohne Stars. Die Mannschaften sind generell gut organisiert. Aber die Stürmer und die besten Spieler sind nicht auf ihrem Top-Level. Ich konnte auch nicht verstehen, warum Ronaldo überhaupt noch bei Portugal spielt. Seine Zeit ist vorbei. Portugal spielte nur für ihn. Sie hatten aus meiner Sicht nur zehn Spieler auf dem Feld mit ihm in der Startelf.

ran: Sind die Stars überspielt?

Domenech: Das könnte eine Erklärung dafür sein. Die größten Stars spielen immer bis zum Ende um Titel: in der Liga, im Pokal, in der Champions League oder jetzt bei der EM. Sie spielen ungefähr 60 Partien pro Saison. Wir können so nicht weitermachen. Die Spielervereinigung muss sich wehren, sie muss entscheiden, was möglich ist und was nicht. Nächstes Jahr kommt noch die Club-WM dazu. Das ist verrückt. Wir brauchen die Spieler in guter Verfassung, um zu glänzen.

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