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Virtus Verona - Nach 44 Jahren selbst entlassen: Italienischer Trainer stieg mit seinem Kindheitsklub sechs Mal auf
- Veröffentlicht: 06.03.2026
- 12:03 Uhr
- Anne Malin
Seit 1982 war Luigi "Gigi" Fresco Präsident und Trainer des italienischen Klubs Virtus Verona: Nun gab der Klub Frescos selbstbestimmten Rücktritt bekannt, aber er hinterlässt eine unglaubliche Geschichte und prägte mehr als nur den Sport.
Luigi Fresco spielte bereits seit seinem achten Lebensjahr bei Virtus Verona als Innenverteidiger. Später begann er, als Jugendtrainer auszuhelfen, und wurde mit nur 21 Jahren zum Präsidenten des Klubs gewählt. Er ernannte sich prompt selbst zum Cheftrainer, und was darauf folgte, ist ein Märchen des Fußballs.
Die Reise von ganz unten zum Profi-Sport
Als "Gigi" dem Verein beitrat, spielte dieser in der "Terza Categoria", der untersten Amateurliga des italienischen Fußballs, vergleichbar mit der deutschen Kreisliga D oder der Kreisklasse. In den ersten zwei Jahrzehnten nach seinem Amtsantritt kletterte der Verein die gesamte Amateurpyramide nach oben und stieg 2006 in die Serie D auf.
2013 schaffte das Team von Fresco dann den Aufstieg in die damalige Profi-Liga C2, doch stieg am Ende der Saison bereits wieder ab. Aber auch Frescos erster Abstieg entmutigte ihn nicht, und fünf Jahre später gewann er mit seinem Kindheitsklub die Serie D und kehrte in die zwischenzeitlich reformierte Serie C zurück, wo der Verein bis heute spielt.
"Wenn es Gigi Fresco nicht gäbe, müssten wir ihn erfinden"
Virtus Verona ist im Stadtteil Borgo Venezia beheimatet, einem Arbeiterviertel, in dem viele Immigranten leben. Dort betreibt Virtus ein Sportzentrum.
"In den 1980er-Jahren haben wir hier Drogenabhängige rehabilitiert, Flüchtlinge aus Albanien und dem Bosnienkrieg aufgenommen und etwa fünfzig Familien mit Essen und Unterkunft versorgt", erzählte Fresco in einem Interview mit der italienischen Zeitung "contrasti".
Ihm sei es immer wichtig gewesen, Integration zu fördern und der Gemeinde zu helfen. In Kooperation mit dem Projekt "Let's play for peace" baute der Verein unter Frescos Führung darüber hinaus Sportanlagen in Sarajevo.
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"Wenn es Gigi Fresco nicht gäbe, müssten wir ihn erfinden", betitelte "contrasti" das Interview. "Virtus ist eine Denkweise im Sport, die Menschen fördert und zu ihrer persönlichen Entwicklung beiträgt. Ich wünsche mir ein Land ohne Angst vor dem Fremden", erklärte der 64-Jährige seine Ziele. Fresco studierte neben seiner Trainertätigkeit Pädagogik und engagiert sich seit über 30 Jahren im Bildungswesen. Lehrer zu sein, sei sein zweiter Traum gewesen.
Rücktritt nach 44 Jahren: "Die Zukunft gehört ihnen"
Im Sommer vergangenen Jahres sagte "Gigi" gegenüber der italienischen Zeitung "L'Arena Sport" auf die Frage hin, wo er sich in zehn Jahren sehe: "Bei Virtus, hoffe ich. Vielleicht in der Serie B. Man hört nie auf, zu träumen. Als ich angefangen habe, waren wir in der Terza. Und heute sind wir in der Serie C." Virtus sei sein Lebenselixier und sein gesamter Lebensinhalt.
Jetzt ist Virtus Verona wieder von der Relegation bedroht, deswegen tritt Fresco als Trainer zurück. Die Entscheidung soll in dieser schwierigen Zeit ein Signal an den Verein und die Gemeinde senden und frischen Wind in den Verein bringen, so der Klub in der Pressemitteilung. Assistenztrainer Tommaso Chiecchi wird der neue Trainer.
Doch dass Virtus ohne ihn weiter überleben werde, war für Fresco schon damals klar: "Ich setze mich dafür ein, dass dies geschieht. Und der Weg dahin ist einfach: Ich umgebe mich mit wertvollen, hartnäckigen und kompetenten Menschen. Die Zukunft gehört ihnen."
Luigi "Gigi" Fresco bleibt weiterhin bei Virtus Verona als Assistenztrainer.