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Aufsteiger in die 3. Liga

Alemannia Aachen - Freistoß-Spezialist Anton Heinz im Interview: "Diese Fans sind nicht der 12., sondern 13. Mann"

  • Veröffentlicht: 16.05.2024
  • 11:27 Uhr
  • Kai Esser
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© frontalvision.com
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Alemannia Aachen kehrt in diesem Sommer zurück in die 3. Liga. Eine der prägenden Figuren des Aufstiegs ist Freistoßkünstler Anton Heinz. Im exklusiven Interview spricht er über die Saison.

Das Interview führte Kai Esser

Alemannia Aachen ist zurück im Profifußball. Nach elf Jahren Abstinenz haben die Schwarz-Gelben den Wiederaufstieg in die 3. Liga geschafft. Mitverantwortlich dafür: Top-Torschütze Anton Heinz. Der wurde in dieser Saison bundesweit bekannt, weil er in einem Spiel drei Freistoßtore erzielte.

Mit ran spricht er über die Feierlichkeiten in Aachen, seine Freistoß-Begabung und das Verhältnis zu den Fans, die ihn als "Fußballgott" verehren.

ran: Herr Heinz, erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg in die 3. Liga. Sie sind "auf der Couch" aufgestiegen, wie man so schön sagt. Nehmen Sie uns mit in die entscheidenden Minuten.

Anton Heinz: Vielen Dank! Wir haben uns als Mannschaft und dem ganzen Staff im Presseraum getroffen und das Spiel zwischen Fortuna Köln und dem Wuppertaler SV geguckt. Wir haben mitgefiebert, weil die Ausgangslage klar war: Wenn Wuppertal nicht gewinnt, dann sind wir aufgestiegen. Ich war erst nicht angespannt, aber in der 2. Halbzeit, als Wuppertal das 1:1 gemacht hat, kam die Spannung dann doch hoch. In der 90. Minute macht Köln dann das 2:1 und wir sind richtig explodiert, weil es dann klar war. Wir haben gesungen, uns umarmt, es war toll. Danach sind einige Fans zum Balkon am Stadion gekommen und haben mit uns gefeiert. Das war unglaublich! Später sind wir in die Innenstadt gefahren und da haben wir weiter mit den Fans Party gemacht.

ran: Danach war die ganze Stadt gefühlt zwei Tage auf den Beinen, inklusive Platzsturm beim anschließenden Heimspiel. Was fühlt man, wenn man diese Massen sieht, die so lange auf diesen Moment gewartet haben?

Heinz: Es war nicht zu beschreiben. Für mich und die meisten war es der erste Aufstieg mit solch einer Euphorie. Ich bin 2020 mit dem SC Verl aufgestiegen, aber das war zur Corona-Zeit und Verl hat nicht diese Wucht wie Aachen. Es war einfach krass. Wir haben später Bilder vom Rathaus-Platz gesehen, wo wir leider nicht waren. Der war rappelvoll, es gab Feuerwerk, das hat uns selbst nochmal überrascht. Der Stadt bedeutet es so viel und wir sind sehr froh, das geschafft zu haben.

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Die Aachener Fans feiern den Aufstieg auf dem Tivoli.
Die Aachener Fans feiern den Aufstieg auf dem Tivoli.© frontalvision.com

ran: Zu Ihnen persönlich: Wissen Sie eigentlich, was die Fans rufen, wenn Sie bei der Aufstellung dran sind?

Heinz (lacht): Ja, das habe ich mitbekommen. Nach meinem Namen kommt noch "Fußballgott".

ran: Was macht das mit Ihnen? Wie nehmen Sie das auf? Das Trikot mit der 21 ist im Fanshop auch mit das begehrteste.

Heinz: Da bin ich sehr stolz drauf. Das rufen sie ja auch nicht einfach so. Hinter dem, was ich auf dem Platz am Ende zeige, steckt harte Arbeit. Dafür bin ich unglaublich dankbar. Aber ich werde nicht abheben und auf einmal denken, dass ich jetzt wirklich der Gott hier bin und mir alles erlauben kann. Ich arbeite weiter hart an mir, damit die Leistungen weiter stimmen. Ich genieße es aber natürlich auch.

Fans in der Kabine: "Wir spielen nicht für uns, sondern für eine ganze Stadt"

ran: Diese Liebe war aber nicht von Anfang an da. Sie sind schlecht in die Saison gestartet, unter anderem mit einem 1:4 bei Ihrem Ex-Klub Rot-Weiß Oberhausen. Danach wurde Trainer Helge Hohl entlassen und Sie mussten sich am Zaun von den Fans einiges anhören.

Heinz: Auf jeden Fall, da haben wir eine Klatsche bekommen. Der Vorstand hat uns dann nach dem Spiel mitgeteilt, dass der Trainer entlassen wird. Es war eine sehr harte Zeit, aber es war eine Art Wendepunkt. Daran sind wir als Mannschaft auch gewachsen. Wir haben realisiert, was das hier für ein Klub ist und wie schnell es gehen kann. Es war sicher nicht schön, als wir da am Zaun standen, die Fans waren zu Recht sehr sauer und sehr emotional. Aber ich bin froh, diese Erfahrung gemacht zu haben. Das hatte ich noch nie. Wie geht man damit um? Und wir sind gut damit umgegangen und haben dann auch die richtige Reaktion gezeigt.

ran: Dann kam Heiner Backhaus als Trainer. Eine seiner ersten Amtshandlungen war es, auch Fans in die Kabine zu holen, um Ihnen zu erzählen, was Alemannia Aachen überhaupt bedeutet. Wie wichtig war das für Sie als Gruppe?

Heinz: Wir sind ein Kader, der neu zusammengestellt wurde, wir hatten einen großen Umbruch. Viele Spieler, mich eingeschlossen, hatten diese Emotionalität einfach noch nie in dieser Größenordnung. Ich glaube, dass die Fans bei uns waren und uns erklärt haben, was sie von uns wollen, wie sie zu dem Klub stehen und was sie alles für uns tun, hat uns auch nochmal die Augen geöffnet. Wir spielen nicht nur für uns, sondern für tausende Fans und eine ganze Stadt.

ran: Was hat der neue Trainer verändert? Hat er Prozesse erstmal nur vereinfacht oder wo hat er angesetzt?

Heinz: Heiner ist ein Trainer, der viel Wert auf die Grundtugenden legt. Heißt: Laufen, Zweikämpfe führen, Anlaufen, nicht den Kopf hängen lassen, füreinander da sein. Ich glaube, dass wir vorher eine Gruppe von Einzelspielern waren und er uns zu einem Team geformt hat. Ich denke, dass das der Hauptgrund war, wieso wir am Ende so erfolgreich waren. Wir haben nicht immer den schönsten Fußball gespielt, wir kommen über Leidenschaft und Mentalität. Das hat er uns Tag für Tag in die Köpfe eingeprügelt.

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Trainer Heiner Backhaus führte die Alemannia zum Aufstieg.
Trainer Heiner Backhaus führte die Alemannia zum Aufstieg.© Fotostand

ran: Besonders einer hat vom Trainerwechsel profitiert: Anton Heinz. In 30 Pflichtspielen unter ihm (Stand: 15. Mai) haben Sie 21 Tore geschossen und 13 vorbereitet. Hat er Sie besonders zur Seite genommen oder wie kommt diese Statistik zustande?

Heinz: Nein, am Anfang wusste er nicht einmal, wie ich heiße (lacht). Wir hatten am Anfang ein Testspiel gegen Bayer Leverkusen. Das haben wir 2:4 verloren, aber da habe ich ihn wohl einfach überzeugt mit meiner Art. So wie er spielen möchte, das versuche ich zu verkörpern. Das habe ich Woche für Woche bestätigt, sodass er Vertrauen in mich bekommen hat und weiß, was er von mir kriegt. So ist auch mein Selbstvertrauen gestiegen.

ran: Drei dieser 21 Tore haben Sie im Dezember in Wuppertal gemacht, alle per direktem Freistoß. Damit haben Sie bundesweit für Aufsehen gesorgt. Wie oft haben Sie sich die Tore danach nochmal angeschaut?

Heinz: Um ehrlich zu sein, habe ich sie mir wirklich öfter mal angeschaut (lacht). Ich kann es eigentlich gar nicht in Worten beschreiben, auch mit dem Spielverlauf (Alemannia führte schnell 3:0, kassierte in Unterzahl das 3:3, kurz vor Schluss das Siegtor durch Heinz, Anm. d. Red.). Das Hinspiel im eigenen Stadion hatten wir ja auch dubios verloren. Das hat am Ende dann zusammengepasst. Ich bin sehr stolz auf diese Leistung. Ich arbeite viel an mir, gerade auch die Freistöße. Drei in einem Spiel sind aber auch eine Hausnummer.

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ran: Direkt nach dem Spiel haben Sie im Interview gesagt: "Eigentlich war alles wie immer, ich habe mich einfach nur gut gefühlt heute." Ist diese Bescheidenheit eine Charaktereigenschaft von Anton Heinz oder mussten Sie das erst lernen?

Heinz: Nein, so war ich schon immer. Vor ein paar Jahren war ich auch noch sehr schüchtern, das habe ich mittlerweile beiseitegelegt. Durch den Erfolg wird man natürlich auch selbstbewusster, aber ich versuche immer, bescheiden und auf dem Boden zu bleiben. Ich weiß, wo ich herkomme, mein erstes Jahr bei den Herren war in der Landesliga. Das habe ich mir alles hart erarbeitet und das kann mir keiner wegnehmen. Ich gebe immer nur Gas und mehr kann ich am Ende auch nicht machen.

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Nur Freistöße? "Ich kann auch schon ein bisschen mehr"

ran: Bei Ihrem Wechsel gab es auch Zweifel. Da stand Ihre Qualität abseits der Freistöße auch mal infrage. Auch nach dem Wuppertal-Spiel waren nur die Freistöße Thema, obwohl Sie insgesamt 36 Scorerpunkte in 36 Spielen gesammelt haben. Nervt Sie das manchmal, nur auf die Freistöße reduziert zu werden?

Heinz: Ich muss schon sagen, dass es mich am Anfang ein wenig gestört hat. Ich bin nicht nur meine Freistöße. Die fallen vielleicht am meisten auf, aber ich kann auch schon ein bisschen mehr. Auch, wenn ich jetzt sechs Freistoßtore in dieser Saison habe, 19 insgesamt.

ran: Sie führen also Buch?

Heinz (lacht): Ja, die zähle ich schon gerne. Aber das wird mir auch oft von anderen gesagt, wie viele ich schon habe.

ran: Aktuell haben Sie aber eine Ladehemmung, oder? Ihr letztes Freistoßtor war im Februar gegen Oberhausen. Ändern Sie im Training etwas?

Heinz: Tatsächlich machen die verschiedenen Bälle einen riesigen Unterschied. Wenn ich die gleich schieße, fliegen die alle anders. Da freue ich mich schon, dass es in der 3. Liga einheitliche Bälle gibt. Die Bälle hier sind schon anders als die letzten beiden Jahre in Oberhausen. Aber Wuppertal benutzt den gleichen Ball wie Oberhausen.

ran: Selbst Schuld also, könnte man sagen.

Heinz: So kann man das sagen, ja (lacht). Mit dem Ball habe ich viel trainiert, deshalb hat es vielleicht so gut geklappt. Ich muss auch sagen, dass ich in den letzten Wochen nicht so viele Freistöße geübt habe, weil ich etwas angeschlagen war und nichts riskieren wollte. Die Freistoßtore kommen wieder, da mache ich mir keine Sorgen.

Sie sind nicht nur der zwölfte, sondern der 13. Mann. Ich kann nicht in Worte fassen, wie wichtig sie für uns sind, sie sind unglaublich.

Anton Heinz über die Fans von Alemannia Aachen

ran: Nochmal zu den Fans: Sie haben in 2024 immer vor über 20.000 Fans gespielt, teilweise sogar 30.000. Wie sehr beeinflusst einen das? Ist es nur eine Floskel oder geht man dann wirklich ein, zwei Meter mehr?

Heinz: Nein, ich glaube schon, dass man dann mehr aus sich herausholt. Gerade zum Ende, wenn wir auf unsere eigenen Fans spielen und es beginnt die 70. und 80. Minute, da peitschen sie uns komplett nach vorne. Das hatte ich noch nie, mit so vielen Fans im Rücken. Die sind nicht nur der zwölfte, sondern der 13. Mann. Ich kann nicht in Worte fassen, wie wichtig sie für uns sind, sie sind unglaublich.

ran: Drei Spieltage vor Schluss war der Aufstieg bereits sicher, Sie haben aber noch ein Ziel: die DFB-Pokal-Teilnahme. Das Endspiel im Verbandspokal ist jedoch erst Ende Mai. Wie schafft man es, da den Fokus oben zu halten und nicht statt 100 Prozent vielleicht nur 95 Prozent zu geben?

Heinz: Klar, man ist vielleicht etwas lockerer. Etwas Druck ist abgefallen, denn der Aufstieg war Ziel Nummer eins. Aber das kann auch etwas Positives sein. Beim vorletzten Spiel beim SC Wiedenbrück haben wir beim zweitbesten Team der Rückrunde nach uns eine super Leistung gezeigt und 4:0 gewonnen. Wir sind lockerer und konnten befreit aufspielen. Im Training merke ich keinen Unterschied, außer, dass wir alle glücklicher sind (lacht). Wir wollen alle restlichen Spiele gewinnen, das ist unser Ziel.

Alemannia Aachen: "Die 3. Liga kann sich auf etwas gefasst machen"

ran: Ein persönliches Ziel haben Sie auch noch …

Heinz: Genau, ich will auf jeden Fall noch Torschützenkönig werden und werde da auch weiter Gas geben. Aktuell habe ich 20 Liga-Tore, da sieht es gut aus.

ran: Durch den Aufstieg hat sich Ihr Vertrag automatisch verlängert, sind also an die Alemannia gebunden. Spielen Sie auch nächste Saison am Tivoli? Ihre Leistungen haben sicher Begehrlichkeiten geweckt…

Heinz: Ich denke, im Fußball darf man nie etwas ausschließen, es kann immer alles passieren. Aber ich fühle mich hier sehr, sehr wohl und bin unheimlich stolz, dieses Trikot tragen zu dürfen.

ran: Letzte Frage: Auf was kann sich die 3. Liga mit Ihnen und der Alemannia freuen?

Heinz: Auf ein richtig geiles Stadion, auf noch geilere Fans und vor allem eine richtig starke Truppe, die einfach Bock auf diese Liga hat. Die können sich auf etwas gefasst machen!

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