Champions League
Champions League: Englische Dominanz, ein FC Bayern mit Ambitionen und ein Bundesliga-Debakel – die Erkenntnisse der Ligaphase
- Veröffentlicht: 29.01.2026
- 07:20 Uhr
- Justin Kraft
Die zweite Ligaphase in der Geschichte der Champions League ist in den Büchern. Englische Dominanz und ein starker FC Bayern stechen hervor. Die Erkenntnisse.
Will man das Drama der Ligaphase in der Champions League am letzten Spieltag auf den Punkt bringen, dann muss man nur auf das Duell zwischen Benfica und Real Madrid schauen. In der Nachspielzeit legt sich Torwart Anatolij Trubin noch zeitschindend auf den Ball, um nur wenige Sekunden später bei einem Standard nach vorn zu eilen.
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Passiert ist im Spiel in dieser kurzen Zeit nichts. Nur wusste Benfica nicht, dass sie mit einem weiteren Tor in die Playoffs kommen. Und so hatten sie wichtige Zeit verschenkt. Die Standardsituation war bereits die letzte Aktion des Spiels.
Doch der Fußball wäre nicht der Fußball, wenn er nicht noch eine weitere Wende im Drehbuch hätte: Torwart Trubin köpfte die Portugiesen ins Glück. Eine vollkommen irre Geschichte an einem Abend, der die Reize der Fußballfans überflutete – wie schon vor einem Jahr.
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Nach Abpfiff der 18 Partien müssen die Gedanken erstmal sortiert werden. ran hat die wichtigsten Erkenntnisse der Champions-League-Ligaphase.
Englische Dominanz: Fünf Teams in den Top-8 der Champions League
Beim Blick auf die Endtabelle fällt vor allem eine Sache auf: Man könnte kurz dem Irrtum verfallen, dass es sich um eine Tabelle aus der Premier League handelt. Mit dem FC Arsenal (1.), Liverpool (3.), Tottenham (4.), Chelsea (6.) und Manchester City (8.) stehen fünf englische Teams direkt im Achtelfinale.
Schaut man auf die geholten Punkte je Liga, wird die Dominanz noch deutlicher: 105 Punkte gehen an die Premier League, 53 nach Spanien, 49 nach Italien und 48 nach Deutschland. Gründe dafür gibt es auf verschiedenen Ebenen. Ein Punkt ist, dass keine Nation so viele Teilnehmer stellt wie England. Mit Newcastle United gibt es noch ein sechstes Team, das am Ende Zwölfter wurde.
Woraus sich direkt ein weiterer Vorteil ergibt: Teams aus einem Verband dürfen in der Ligaphase nicht gegeneinander spielen. Das bedeutet, dass jedes englische Team schon mal auf einige Top-Gegner mit sehr großen Ausgaben nicht treffen kann. Manchester City traf mit Real Madrid auf nur einen echten Topklub. Chelsea hatte es immerhin mit dem FC Bayern und dem FC Barcelona zu tun.
Tottenham traf auf Paris Saint-Germain, Newcastle United auf Barcelona und PSG, der FC Arsenal bekam als einziger englischer Vertreter mit Atlético Madrid, Bayern und Inter drei Top-Klubs zugelost. Das schmälert aber keinesfalls die sportliche Dominanz der Premier-League-Klubs. Alle sechs Vertreter haben eine starke Ligaphase gespielt, mit der sie die Verhältnisse eindeutig geklärt haben – zumindest für den Moment.
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BVB fehlt die Qualität für mehr
Auch in Dortmund ist so einiges klar geworden. Der BVB hat in seinen acht Spielen nur drei Siege geholt. Gegen Athletic Bilbao, den FC Kopenhagen und Villarreal reichte es zu neun Punkten. Hinzu kommen zwei Unentschieden gegen Juventus Turin und Bodö/Glimt. Gegen die drei Topklubs hagelte es indes deutliche Niederlagen.
Gegen Inter und Tottenham verlor man jeweils mit 0:2, gegen City sogar mit 1:4. Am Ende reicht es zwar für die Playoffs, aber fußballerisch wurden den Dortmundern klare Grenzen aufgezeigt. Immer mal wieder konnte der BVB andeuten, zu was er in der Lage ist. Lange hielten diese Phasen aber selten an.
Wirklich zufrieden sein kann man in Dortmund mit der gezeigten Leistung nicht. Zumindest sollten sie damit nicht zufrieden sein. Den Platz im Ligadurchschnitt haben sich die Schwarzgelben redlich verdient.
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FC Bayern: Reicht es zum großen Wurf?
Ohnehin gab es nur einen deutschen Klub, der wirklich zu überzeugen wusste: Bis auf die Niederlage beim FC Arsenal konnten die Bayern alle ihre Spiele in der Ligaphase gewinnen. Größtenteils gelang ihnen das mit großer Überzeugung. Unter anderem wurden auf dem Weg zum zweiten Platz der FC Chelsea und Paris Saint-Germain geschlagen.
PSG hatte nur deshalb eine Chance, weil die Münchner sich mit einer Roten Karte selbst dezimiert hatten. Nur gegen Arsenal war das Team von Vincent Kompany bisweilen deutlich unterlegen. Und doch spiegelt die Tabelle das aktuelle Leistungsvermögen sehr gut.
Bayern hat unter Beweis gestellt, dass in dieser Saison mit ihnen zu rechnen ist. Und wer in der Ligaphase so weit oben positioniert ist, hat gute Karten auf den Titel. In der vergangenen Saison erreichten drei von vier Klubs aus den Top-4 das Halbfinale.
Kaum echte Überraschungen in der Champions League
Auf dem Weg ins Finale könnte es für die Bayern aber knackig werden. Im Achtelfinale warten mit Leverkusen, Dortmund, Piräus und Atalanta noch Gegner, gegen die man favorisiert wäre. Ab dem Viertelfinale könnte es je nach Auslosung aber zum Duell mit Manchester City, Real Madrid oder Inter Mailand kommen.
Das liegt auch daran, dass die diesjährige Ligaphase mit Überraschungen gespart hat. Sporting ist als siebtplatziertes Team die mit Abstand größte Überraschung, das Aus von Neapel hatten sicher auch nicht viele auf dem Schirm. Aber anders als in der letzten Saison, wo unter anderem PSG und Manchester City lange um das Weiterkommen bangten, sind diesmal die Top-Klubs allesamt relativ weit oben in der Tabelle positioniert.
Real Madrid erneut wenig königlich
Aus Madrid könnten bald dennoch wieder Beschwerden über das neue Format bei der UEFA landen. Denn auch im zweiten Anlauf qualifizierten sich die Königlichen nicht direkt für das Achtelfinale.
Wie in der Saison 24/25 holten sie 15 Punkte, erreichten damit immerhin diesmal den neunten Platz statt den elften, aber wieder müssen sie in die Playoffs. Die Könige der Champions League scheinen mit der Reform noch nicht warm zu werden.
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Eintracht Frankfurt ist die größte Enttäuschung der Ligaphase
Eine weitere Überraschung ist wohl das Abschneiden von Eintracht Frankfurt. Die SGE zeigte in den vergangenen Jahren mehrfach in Europa, wie stark sie sind und sammelte dabei viele Punkte für die Bundesliga.
In dieser Saison ging jedoch fast nichts. Mit vier Punkten steht am Ende ein enttäuschender 33. Platz. Sicherlich gehört zur Einordnung auch, dass Frankfurt auf zahlreiche Top-Gegner getroffen ist. Immerhin mussten sie mit Liverpool, Tottenham und Barcelona drei Teams aus den späteren Top-8 bespielen. Hinzu kamen noch Atletico, Atalanta, Neapel, Galatasaray und ein überraschend starkes Qarabag.
Trotzdem kann das als Ausrede nicht gelten. Vor allem nach dem 5:1 zum Auftakt gegen Galatasaray war die Erwartungshaltung eine andere. Doch Frankfurt enttäuschte auf ganzer Linie.
Ungünstige Auslosung droht für die Bundesliga
Für die Bundesliga könnte es aber noch schlimmer kommen. In den Playoffs könnten Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen aufeinandertreffen – was zur Folge hätte, dass ein weiteres deutsches Team ausscheidet.
Meint es die Auslosung besonders schlecht mit den Deutschen, wartet auf den Sieger im Achtelfinale der FC Bayern. Dann wären von drei Bundesliga-Teams bereits zwei raus. Leverkusen und der BVB haben zwar kaum die Sterne vom Himmel gespielt, bringen mit etwas Losglück jedoch die Qualität mit, ein Viertel- oder sogar Halbfinale in der Königsklasse zu erreichen.
Ein Szenario, in dem alle drei Teams ins Viertelfinale kommen, gibt es schon jetzt nicht mehr. Für mindestens einen der beiden kommt es zum Achtelfinale gegen Bayern.