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Fußball-Legende verstarb bereits am Sonntag

Trauer um die "Lichtgestalt": Franz Beckenbauer ist tot

  • Aktualisiert: 20.02.2024
  • 14:45 Uhr
  • ran.de
Franz Beckenbauer
Franz Beckenbauer © getty
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Franz Beckenbauer ist gestorben. Die deutsche Fußball-Legende starb bereits am Sonntag im Alter von 78 Jahren. Dies teilten der DFB und seine Familie am Montag mit.

Franz Beckenbauer ist gerade einmal zwölf Jahre alt, als das Leben Schicksal spielt. Mit seinem SC 1906 tritt der Bub aus Giesing gegen 1860 München an - der Wechsel zu den Löwen ist längst ausgemacht. Doch eine deftige Watschn seines Gegenspielers Gerhard König verändert im Jahr 1958 alles.

"Zu dem Verein", sagt der kleine Franz stur, "wechsele ich nicht". Vielmehr schließt er sich aus verletztem Stolz dem Rivalen FC Bayern an - und startet dort eine Weltkarriere, die seinesgleichen sucht. Am Sonntag ist der "Kaiser" des Fußballs im Alter von 78 Jahren gestorben.

Das ist bisher zur Todesursache von Franz Beckenbauer bekannt.

"Ich bin unendlich traurig, die Nachricht seines Todes nimmt mich sehr mit", sagte DFB-Sportdirektor Rudi Völler, der 1990 mit dem Teamchef Beckenbauer Weltmeister geworden war. "Ich betrachte es als eines der großen Privilegien meines Lebens, Franz gekannt und erlebt zu haben." Weltmeisterkapitän Lothar Matthäus sprach in der Bild-Zeitung von einem tiefen Schock: "Ein guter Freund hat uns verlassen. Er wird mir fehlen – er wird uns allen fehlen!" Bundestrainer Julian Nagelsmann betonte: "Wenn Franz Beckenbauer einen Raum betrat, hat der Raum geleuchtet."

Denn Beckenbauer war zur Lichtgestalt geworden, auch wenn auf diese durch die nie ganz aufgeklärte "Sommermärchen-Affäre" ein Schatten fiel. Er war Weltmeister als Spieler und Trainer, Organisator der Heim-WM 2006, dazwischen Bayern-Präsident und Werbe-Ikone. In einer ARD-Doku, die just am Montagabend ausgestrahlt wird, deutete sein älterer Bruder Walter bereits an, dass es gar nicht gut um Beckenbauer steht.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Bilder aus dem Leben des Kaisers

Der Tod, sagte Franz Beckenbauer einmal, "der kommt irgendwann, und keiner kann sich verstecken. Du musst den Tod als Freund begreifen, der dich in ein anderes Leben begleitet." Nun begleitet er Beckenbauer selbst.

Der "Kaiser" hinterlässt eine große Lücke, auch wenn er sich zuletzt aus der Öffentlichkeit weitgehend zurückgezogen hatte. Der viel zu frühe Tod seines Sohnes Stefan mit 46 Jahren, gesundheitliche Probleme inklusive Herzoperationen, aber auch der mutmaßliche Bestechungsskandal um die WM 2006 hatten Beckenbauer in seinen letzten Jahren "schon sehr mitgenommen", wie er verriet.

Franz Beckenbauer: "Ein vom Glück verwöhntes Sonntagskind"

Und bis dahin? Da sei er "ein vom Glück verwöhntes Sonntagskind" gewesen, das "aus dem Nichts" gekommen war: "Alle Sonntage der Welt sind in mir vereint", behauptete Beckenbauer, der zweite Sohn eines Postobersekretärs.

Doch wenn er, der in der Zugspitzstraße 6 im Arbeiterviertel Giesing in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs, über Glück sprach, dann meinte er in der Regel, dass er zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtigen Entscheidungen getroffen hatte.

Beckenbauer war aber keiner, der einfach sagte: "Schau'n mer mal." Erfolg, betonte er, sei "auch vom Glück abhängig", aber: "Vor allem steckt harte, konsequente Arbeit dahinter. Glück muss man sich erarbeiten." Und das tat er. Sein Leben sei "perfekt" gelaufen, und wenn er wiedergeboren werden sollte - "dann als Beckenbauer".

Was häufig jedoch unterging: Dieses Leben war auch von zahlreichen Brüchen gekennzeichnet, von zahlreichen Widersprüchen. Er brachte zwei gescheiterte Ehen hinter sich und ein paar Beziehungen. Mit seiner dritten Frau Heidi hat er als Mittfünfziger noch zwei Kinder bekommen.

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Franz Beckenbauer: Ein besonderer Charme

Dass er für seine Fehltritte nicht groß verurteilt wurde, hatte auch mit seiner Art zu tun. Ein Spruch von Beckenbauer, Schmunzeln oder Gelächter, und alles erschien plötzlich nur noch halb so wild. "Der Liebe Gott freut sich über jedes Kind", sagte er etwa über die außereheliche Zeugung seines Sohnes Nummer vier.

Außerdem stammt von ihm noch dieser Satz: "Ich hab mal einen Stammbaum machen lassen - die Wurzeln der Beckenbauers liegen in Franken. Das waren lustige Familien, alles uneheliche Kinder. Wir sind dabei geblieben."

Der charmante Beckenbauer konnte aber auch aufbrausend, cholerisch und verletzend werden. Da kann man bei seinen ehemaligen Weggefährten nachfragen. Auch einige seiner Entscheidungen oder Ansichten waren fragwürdig.

Als Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees votierte er für Russland als Ausrichter der WM 2018. Und unterschrieb danach einen Vertrag mit den russischen Gasproduzenten. Zu Katar als WM-Gastgeber 2022 sagte er: "Ich habe noch nicht einen einzigen Sklaven in Katar gesehen. Die laufen da frei rum."

Franz Beckenbauer war eben der Kaiser

Doch Beckenbauer wurden solch unbedachte Sprüche meist verziehen. Er war eben der "Kaiser". "Der Franz", sagte Berti Vogts, "ist ein Geschenk vom lieben Herrgott". Deutschland habe "durch ihn so viel an Renommee, an Image gewonnen", betonte Uli Hoeneß: "Ich denke, der deutsche Fußball hat ihm so viel zu verdanken wie wohl keinem Zweiten."

Beckenbauer habe "mit seiner aufrechten Haltung und Eleganz eine ganz neue Leichtigkeit des Seins" entwickelt, würdigte auch Bayern-Präsident Herbert Hainer den WM-Kapitän von 1974. Er sei "wie ein Gentleman über den Platz spaziert". So auch ganz alleine nach dem WM-Triumph 1990 in Rom.

Und was war nun Glück für Beckenbauer? "Glück", sagte er, "ist kein Dauerzustand. Aber es gibt glückliche Momente im Leben. Wenn man sie lange festhalten und sie wiederholen kann: Das ist großes Glück."

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