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Handball-EM 2026: Das spricht im Halbfinale gegen Kroatien für Deutschland
- Veröffentlicht: 29.01.2026
- 15:46 Uhr
- Thomas Kreidemeier
Mit einer deutlichen Leistungssteigerung gegen Frankreich hat Deutschland bei der Handball-EM das Halbfinale klargemacht. Gegner Kroatien vor dem Duell am Freitag um 17:45 Uhr (live und kostenlos auf Joyn) im ran-Check.
Wenn am Freitag um 17:45 Uhr (live und kostenlos auf Joyn) Deutschland im EM-Halbfinale auf Kroatien trifft, ist es nominell das Duell des Zweiten der Hauptrundengruppe I, Deutschland, gegen den Ersten der Hauptrundengruppe II, Kroatien.
Kroatien setzte sich dabei insbesondere gegen Schweden und Island durch, die am vorletzten Spieltag beide überraschend Federn ließen - Schweden kam gegen Ungarn genauso wenig über ein Unentschieden hinaus wie Island gegen die Schweiz.
So ging der Gruppensieg mit 8 Punkten am Ende vor Island (7) und Schweden (7) an Vize-Weltmeister Kroatien. Und dennoch dürfte Deutschland im Halbfinale der Handball-EM aus mehreren Gründen leicht favorisiert sein.
Was spricht für die DHB-Auswahl?
Zunächst wären da die beiden Testspiele Anfang Januar vor der EM. Klar, Testspiele sind Testspiele. Und dennoch: Deutschland gewann mit 32:29 in Kroatien und beim Heimspiel in Hannover mit 33:27 sogar noch deutlicher.
Da es sich für beide Teams um die EM-Generalprobe handelte, ist nicht davon auszugehen, dass Kroatien mit besonders angezogener Handbremse gespielt hat. So oder so: Diese beiden Spiele werden am Freitag tief im Kopf der Kroaten stecken, deutlich mehr als das 30:24 für Kroatien bei der letzten EM 2024 in der Hauptrunde oder das 31:26 für Kroatien bei Olympia, die beide zwei Jahre her sind.
Nicht nur wegen dieser beiden Testspiele sollte das deutsche Team vor Selbstbewusstsein strotzen. Der souveräne Sieg gegen Frankreich in einer Do-or-Die-Situation hat nicht nur Juri Knorr das Strahlen zurück ins Gesicht gezaubert. Die DHB-Auswahl hatte die deutlich schwierigere Hauptrundengruppe, musste hart um jeden Sieg kämpfen - und hat den Härtetest bestanden. Das sorgt nicht nur für breite Brust, sondern auch dafür, dass die Spieler nun endgültig auf Betriebstemperatur sein sollten.
Doch wie Alfred Gislason und seine Spieler einmütig warnen: Das alles zählt nun natürlich gar nichts mehr - Kroatien wird sicher noch eine Schippe drauflegen und ist nach der Auftaktniederlage gegen Schweden seit sechs Spielen unbesiegt.
Deutschland gegen Kroatien im Head-to-Head-Vergleich
Vergleicht man die Leistung der einzelnen Mannschaftsteile im bisherigen Turnierverlauf, so hat Deutschland die größten Vorteile wieder einmal auf der Torhüter-Position. Nicht nur wegen seines Wahnsinns-Spiels gegen Norwegen steht Andreas Wolff bei 64 Paraden und einer Quote von 32, 2 Prozent - damit ist er die Nummer 1 dieser EM.
Ersatzmann David Späth kommt mit knapp über 25 Prozent immer noch auf die gleiche Quote wie Kroatiens Stammkeeper Dominik Kuzmanovic, sein Kollege Matej Mandic nur auf 22.
Deutlich mehr geht bei Deutschland auch über den Kreis: Die Kroaten-Kreisläufer Zlatko Rauzan, Veron Nacinovic und Josip Simic kommen zusammen auf nur 24 Treffer - fast genau so viele hat allein Deutschlands Kapitän Johannes Golla.
Zusammen mit den zehn Toren von Justus Fischer ist das deutsche Kreisläufer-Gespann da deutlich umtriebiger, auch wenn Rauzan mit einer perfekten Quote besticht: Alle seiner 15 Würfe bei dieser EM waren drin.
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Deutschland hochkarätiger besetzt
Und schließlich kann der deutsche Rückraum eine Waffe sein, spätestens jetzt, wo Juri Knorr auch im Turnier angekommen ist. Zusammen mit Renars Uscins, Miro Schluroff, Marko Grgic, Julian Köster, Franz Semper und Nils Lichtlein hat das deutsche Team eine enorme Breite, viele potenzielle Entscheidungsspieler.
"Endlich schmeckt Knorr" - Netz feiert DHB-Team ab
Bei Kroatien muss Ivan Martinovic häufig Verzweiflungswürfe nehmen, ist zwar mit 30 Toren bester kroatischer Schütze, steht aber auch bei einer unterirdischen Quote von 46,9 Prozent. Auf dem Papier bringt Deutschland mehr Topspieler mit, jedenfalls nach dem Nationalmannschafts-Karriereende von Kroatiens Handball-Legende Domagoj Duvnjak letztes Jahr.
Wichtig wird sein, offensiv nicht so viele Fehler zu machen wie beispielsweise gegen Norwegen, sie können Deutschland zu Fall bringen. Kroatien hat bislang nur wenige Tore zugelassen und wird es dem deutschen Angriff nicht einfach machen. Mit Marko Mamic und Leon Susnja setzen sie auf zwei Abwehrspezialisten.
Was spricht gegen die DHB-Auswahl?
Zu hoffen ist, dass der deutsche Abwehrspezialist Tom Kiesler - für Gislason "der beste Abwehrspieler des Turniers" - zum Halbfinale wieder fit ist. Vor dem Frankreich-Spiel habe er "im Viertelstundentakt gekotzt" und musste deshalb aussetzen.
Große Stärke der Dänen bei dieser EM sind die Außenpositionen: David Mandic, Mario Sostaric und Filip Glavas zeichnen nicht nur für 45 der kroatischen Treffer (ohne Siebenmeter) verantwortlich, sondern versenken auch alle drei mehr als 83 Prozent ihrer Würfe. Die Außen werden bei Kroatien gut freigespielt, die Wurfauswahl stimmt.
Das sieht bei Deutschland nicht so gut aus. Lukas Zerbe (67 Prozent Trefferquote) und Lukas Mertens (immerhin 82 Prozent) bekommen nicht nur schwierigere Würfe, sondern auch weniger davon. Zusammen mit Häseler und Dahmke trafen sie 34 Mal (ohne Siebenmeter), elf Mal weniger also als Kroatien und das, obwohl Deutschland insgesamt etwa 20 Tore mehr warf.
Offene Rechnung? Uscins warnt vor Halbfinal-Gegner
Am Ende können dieses Spiel natürlich beide Teams gewinnen - so wie sich das für ein Halbfinale gehört und so wie jede der deutschen Partien seit Beginn der Hauptrunde. Pikant: Kroatiens Trainer ist Dagur Sigurdsson (52), deutscher Gold-Trainer der EM 2016.
Im Coaching-Duell heißt es also: Island gegen Island - und genau wie Sigurdsson gehört auch Alfred Gislason zur absoluten Weltspitze.