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Borussia Dortmund: Mentalität oder Spielglück? Sechs Erkenntnisse zum BVB in Wolfsburg
- Veröffentlicht: 07.02.2026
- 23:10 Uhr
- Justin Kraft
Borussia Dortmund macht die Meisterschaft wieder richtig spannend und setzt den FC Bayern unter Druck – aber ist dieser Weg nachhaltig? Die Erkenntnisse zum 2:1 in Wolfsburg.
Borussia Dortmund holt in der Bundesliga einen wichtigen 2:1-Sieg gegen den VfL Wolfsburg. Damit verkürzen die Schwarzgelben den Abstand in der Tabelle auf den FC Bayern München auf nur drei Punkte.
Die Münchner bekommen es am Sonntag mit dem formstärksten Team der Liga zu tun: der TSG Hoffenheim. Ein weiterer Punktverlust scheint möglich zu sein. Und dann wäre der Druck enorm.
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Aber wie nachhaltig ist die Leistungsfähigkeit des BVB? In Wolfsburg zeigte das Team von Niko Kovac abermals zwei unterschiedliche Gesichter. Und der Spielplan hat es in den kommenden Wochen in sich. Die Erkenntnisse zum Sieg in der Autostadt.
BVB zeigt in der ersten Halbzeit, was er kann
Im ersten Durchgang war aus Sicht der Dortmunder noch alles in Ordnung. Bis auf einen individuellen Fehler von Waldemar Anton, der die erste Großchance von Mohamed Amoura ermöglichte, hatte der BVB alles unter Kontrolle.
Dabei zeigten sie, dass sie auch über das Zentrum Gefahr initiieren können. Vor allem Felix Nmecha lief sich im Mittelfeld immer wieder frei und zog damit Gegenspieler auf sich. Dadurch entstand wiederum Raum auf den Flügelpositionen, der von den Außenspielern genutzt werden konnte.
Anders als in anderen Spielen in dieser Saison kombinierten sich die Dortmunder einige Male sehenswert nach vorn. Auch das Pressing des VfL überspielten sie meist mit Leichtigkeit, was zu eindeutigen Spielanteilen führte: 70 Prozent Ballbesitz und 18:4 Schüsse für die Gäste. Dortmund spielte kontrolliert, ohne offensiv zu viel Risiko zu gehen.
Wolfsburg zeigt Borussia Dortmund Schwächen auf
In den ersten 45 Minuten schaffte es der BVB regelmäßig, Wolfsburg hinten über längere Phasen zu binden. Das änderte sich nach dem Pausentee. Ein Grund dafür war, dass die Grün-Weißen ihre Spielweise etwas anpassten. Denn sowohl gegen den Ball als auch mit dem Ball fanden sie ihren Mut.
Einerseits schafften sie es laut "Fotmob" im Vergleich zur ersten Halbzeit, doppelt so viele lange Bälle an einen Mitspieler zu bringen (16). Das sorgte für Entlastung, weil der Spieß umgedreht werden konnte und Dortmund plötzlich defensiv gefordert wurde. Andererseits schaffte Wolfsburg es, viele zweite Bälle zu erobern.
Und auch die spielstarke Doppelsechs mit Maximilian Arnold und Christian Eriksen war im zweiten Durchgang deutlich besser im Spiel. Dortmund schaffte es nicht mehr, den Gegner hoch zu pressen, weil die zweite Pressinglinie keinen Zugriff mehr fand. Dadurch entstanden Lücken im Defensivbereich, die Wolfsburg mit den schnellen Spielern nutzte.
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Kaum Anpassungen von Niko Kovac
Von der Bank kamen derweil keine echten Impulse. Kovac wechselte bis zur 88. Minute nur einmal und brachte Fabio Silva für Julian Ryerson, um die Offensive zu stärken. Dabei dürfte es auch darum gegangen sein, selbst über zweite Bälle wieder ins Spiel zu finden. Dortmund versuchte es dann selbst mehrfach über lange Schläge nach vorn, rückte für echten Pressingdruck aber zu behäbig nach.
Mehr Anpassungen gab es nicht. Während Wolfsburg sich Chance um Chance erspielte, schien die Borussia etwas ratlos zu sein und hatte am Ende Glück, dass Nmecha noch ein Geniestreich gelang, als er mit seiner Einzelaktion das Tor von Serhou Guirassy einleitete.
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Felix Nmecha ist der Lichtblick
Ohnehin war Nmecha zuletzt ein wichtiges Anti-Element im Kovac-System. Anti-Element deshalb, weil das Zentrum unter Kovac oftmals verwaist. Die Idee des Deutsch-Kroaten ist es, wie in einem U oder beim Handball rund um den Gegner zu spielen und über die Flügelpositionen zum Erfolg zu kommen. Wird der Ball verloren, sichert das "U" das eigene Tor ab.
In Wolfsburg gab es vor allem im ersten Durchgang einige gute Angriffe, bei denen den typisch-linearen Flügelangriffen des BVB eine Station im Zentrum zwischengeschaltet wurde – oftmals Nmecha. Allein durch diesen kleinen Umweg durch die Mitte war es für den VfL schon nicht mehr so leicht, das Aufbauspiel der Dortmunder zu verhindern.
Nmecha drehte immer wieder auf, suchte auch selbst Dribblings (vier von fünf gewann er) oder verlagerte das Spiel in ballferne Räume. Gegen den Ball war er zudem ein verlässlicher Pressingspieler. Für Kovac ist es extrem wichtig, Spieler zu haben, die den oft zu monotonen Spielrhythmus im positiven Sinne brechen können und damit den Gegner überraschen. Nmecha kann das.
BVB: Die Außenverteidiger sind im Spielaufbau ein Problem
Ein Problem hat Kovac indes auf den Flügeln. In Wolfsburg spielten Ryerson und Daniel Svensson auf den Flügelverteidigerpositionen. Beide waren systembedingt sehr in das Spiel involviert. Ryerson hatte in 69 Minuten 62 Kontakte, Svensson 66 über die volle Distanz.
Beide bringen Wucht ins Offensivspiel und können an guten Tagen mit Flanken und Tiefenläufen eine große Hilfe sein. Allerdings sind beide nicht wirklich pressingresistent. Svensson etwas mehr als Ryerson, aber auch der Schwede hatte in Wolfsburg keinen guten Tag und verdribbelte sich hier und da.
Um das Offensivspiel mehr in Schwung zu bringen, brauchen die Dortmunder mehr Qualität im Pass- und Laufspiel. Nur wenige zu einfache Ballverluste reichen aus, um den Gegner in gefährliche Kontersituationen zu bringen. Als Wolfsburg sein Pressing intensivierte, stiegen auch die Ballverluste der Dortmunder. Statt 89 Prozent kamen in der zweiten Halbzeit nur noch 84 Prozent der Zuspiele an.
Das liegt nicht allein an den Außenverteidigern, auch die Innenverteidiger spielten fahrig. Doch die Außenpositionen sind unter Kovac besonders wichtig.
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Mentalität oder kurze Halbwertszeit?
All die Probleme sind nicht neu. Schon in den letzten Wochen wackelte die Abwehr deutlich mehr als in anderen Saisonphasen und offensiv ist Dortmund trotz einiger torreicher Spieler alles andere als durchschlagskräftig und kreativ. Teilweise ist das mit Ausfällen zu erklären. Teilweise wirken aber auch Abläufe im Team nicht optimal, wenn potenzielle Unterschiedsspieler wie Guirassy oder Julian Brandt nicht konstant Einfluss auf das Spiel nehmen können, weil der Aufbau zu vorhersehbar ist.
Das Spielglück hat sich in den letzten Wochen ziemlich stark summiert. Jetzt stehen englische Wochen vor der Tür. Mainz und Atalanta zu Hause, Leipzig und wiederum Atalanta auswärts und schließlich die Bayern daheim. Diese fünf Spiele werden Auskunft darüber geben, wie nachhaltig der Erfolg wirklich ist.
Nico Schlotterbeck sprach bei "Sky" von "Mentalität, die uns immer abgesprochen wurde". Letztendlich ist Mentalität nur ein leerer Begriff, der in aller Regel mit Ergebnissen gefüllt wird. In Wolfsburg war alles angerichtet für einen bitteren Nachmittag wie ihn der BVB schon oft erlebt hat. Um auch in den kommenden Spielen erfolgreich zu sein, braucht es keine Mentalität, sondern wieder mehr fußballerische Qualität.
Diese Erkenntnis sollte unter dem Strich stehen. Dass die Dortmunder es grundsätzlich können, haben sie in dieser Saison schon gezeigt.