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FC Bayern München: Oliver Bierhoff verteidigt Manuel Neuer und glaubt an Vertragsverlängerung
- Veröffentlicht: 02.12.2025
- 15:10 Uhr
- Martin Volkmar
Bei ran spricht Ex-DFB-Sportdirektor Oliver Bierhoff über die Diskussionen um Manuel Neuer, die Stürmersituation in der Nationalmannschaft und Sandro Wagner.
Oliver Bierhoff kennt Manuel Neuer bestens.
Er war DFB-Sportdirektor, als der damals 23 Jahre alte Torhüter von Schalke 04 2009 unter Jogi Löw sein erstes Länderspiel bestritt.
Danach blieb Neuer bis zu seinem Rücktritt nach der EM 2024 die deutsche Nummer eins, nun wirbt unter anderem Bayern Münchens Sportvorstand Max Eberl für ein DFB-Comeback des FCB-Kapitäns zur WM 2026.
Unklar ist auch, ob Neuer seinen am Saisonende in München auslaufenden Vertrag mit dann 40 Jahren nochmal verlängern wird.
Bierhoff hat dazu eine klare Meinung, auch zur Kritik an Neuer nach mehreren Gegentreffern in den vergangenen Spielen.
Zudem spricht der 57-Jährige im Interview mit ran am Rande der Sportartikelmesse "Ispo" in München über Oliver Baumann, Jonas Urbig, Nick Woltemade und das Aus von Sandro Wagner beim FC Augsburg.
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Oliver Bierhoff: "Keine Manuel-Neuer-Krise"
ran: In den letzten vier Spielen wurde Manuel Neuer bei vier Gegentoren eine Mitschuld attestiert. Nicht nur sein Trainer Vincent Kompany sieht das völlig anders, sondern auch Experten wie Peter Schmeichel und Stefan Effenberg. Wie sehen Sie es?
Oliver Bierhoff: Das war jetzt einfach eine Konstellation von mehreren Toren hintereinander, die aber auf keinen Fall hundertprozentige Fehler von Manuel sind. Das Herauslaufen gehört zu seinem Spielstil, so hat er uns zum Beispiel bei der WM 2014 gegen Algerien gerettet. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er während einer Saison meistens Erfolg hat mit seinen Ausflügen aus dem Tor. Und der Torschütze von Arsenal hatte aus meiner Sicht auch etwas Glück, dass er den Ball überhaupt an Neuer vorbeispielen konnte. Also daraus würde ich keine Manuel-Neuer-Krise machen.
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Bierhoff über die Torwart-Frage beim DFB
ran: Trotzdem glauben viele, dass sich Manuel Neuer angesichts seines Alters keinen Gefallen tut, wenn er immer weiter macht und seinen Vertrag nochmal verlängert. Glauben Sie, dass er weitermacht oder aufhört?
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Bierhoff: Manuel ist jemand, der den Fußball liebt. Wenn man sich ihn anschaut, dann schaut er immer noch jung und energetisch aus. Man merkt, er hat einfach Spaß auf dem Platz und in der Kabine. Ich persönlich glaube, dass er weitermachen wird. Ich sehe auch nicht die Gefahr, dass das seinem Ruf schaden oder an seinem Denkmal kratzen könnte. Das Einzige, was einen davon abhalten kann, ist, dass man sich um andere Dinge kümmern will, weil man den Stress, die Reisen und die ganzen Verpflichtungen lange genug gehabt hat. Aber ich glaube, bei Manuel ist das noch nicht der Fall und er wird auf jeden Fall verlängern.
ran: Max Eberl glaubt, dass Neuer die WM spielen wird, er selbst will sich nicht dazu äußern. Wie sehen Sie die Chancen für ein Comeback?
Bierhoff: Das ist schwierig zu sagen. Manuel ist ein Ausnahme-Torwart, auch im hohen Alter noch. Aber ich finde, Oliver Baumann hat es bisher super gemacht und das muss man einfach auch mal wertschätzen. Er kommt nicht von einem ganz großen Verein und hat nicht die spektakuläre Karriere gemacht, aber er hat über 500 Bundesligaspiele bestritten und immer solide Leistungen gezeigt. Auch in der Nationalmannschaft hat er überzeugt, daher sollte man auf ihn setzen.
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"Wir haben keine Torwartsorgen!"
ran: Allerdings ist Baumann auch schon 35 und Marc-Andre ter Stegen wird 34. Wie sehen Sie die Situation dahinter?
Bierhoff: Ich denke, da haben wir auch wieder einige Talente, wie etwa Noah Atubolu oder Finn Dahmen. Die müssen sich natürlich auch international bestätigen und beweisen. Aber wir haben zumindest keine Torwartsorgen.
ran: Welchen Eindruck haben Sie bisher von Jonas Urbig beim FC Bayern – kann er Nachfolger von Neuer werden?
Bierhoff: Es ist natürlich nicht einfach, wenn man hinter einem Mann von der Erscheinung und der sportlichen Größe von Manuel steht. Aber bei seinen bisherigen Einsätzen fand ich Urbig erstaunlich abgeklärt und ruhig. Wichtig ist immer das tägliche Training und da scheint es sehr gute Rückmeldungen zu geben.
Über Woltemade: "Das macht Hoffnung"
ran: Nochmal zurück zur Nationalmannschaft. Hat das Team erstmals seit den Zeiten von Oliver Bierhoff und Miroslav Klose in Nick Woltemade wieder einen Torjäger auf internationalem Niveau?
Bierhoff: Einer Mannschaft tut es immer gut, wenn sie vorne ein bisschen Gewicht hat. Das hat man auch schon bei der EM gesehen. Wenn Niclas Füllkrug reingekommen ist, hat er immer Leute auf sich gezogen und für Präsenz im Strafraum gesorgt. Woltemade ist jemand, der gut mitspielt und der sich da gut bewegt. Also wenn der Junge in Newcastle so weitermacht, kann ich mir gut vorstellen, dass er dann auch bei der WM gesetzt ist. Zumal dahinter jetzt Tim Kleindienst zurückkommt, der auch ein interessanter Spieler ist. Das macht Hoffnung.
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"Sandro ist mit viel Leidenschaft und Herzblut an diese Aufgabe rangegangen"
ran: Abschließend: Sie kennen Sandro Wagner gut von gemeinsamen Zeiten beim DFB, er galt vor der Saison als Shootingstar unter den Trainern und ist nun nach nur zwölf Spieltagen beim FC Augsburg entlassen worden. Überrascht?
Bierhoff: Erstmal tut es mir leid. Ich weiß, dass Sandro mit viel Leidenschaft und Herzblut an diese Aufgabe rangegangen ist. Sicherlich kann man diskutieren, ob er manchmal verbal etwas übers Ziel hinausgeschossen hat. Aber ich bin ja auch jemand, der immer eher gerne provoziert hat. Aber es zeigt eben auch, dass es im Profi-Fußball keine Abkürzungen gibt. Und ich glaube, es ist schwer für so einen jungen Trainer, ohne die große Erfahrung direkt in diese große Verantwortung zu kommen. Es ist ein Zeichen, dass man, auch wenn man ehrgeizig ist, den Dingen Zeit geben muss und bereit sein muss, zu beobachten, zu lernen und dann zum richtigen Zeitpunkt auch wieder einzusteigen. Aber er wird sich fangen und auch neue Chancen bekommen.
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