DFB-Pokal
VfB Stuttgart schon über dem Zenit? Sebastian Hoeneß ist gefordert – ein Kommentar
- Aktualisiert: 25.05.2025
- 08:44 Uhr
- Justin Kraft
Der VfB Stuttgart krönt eine herausragende Entwicklung unter Sebastian Hoeneß – und steht vor einem richtungsweisenden Sommer. Ein Kommentar.
Von Justin Kraft
"Wir haben Geschichte geschrieben", ordnete Sebastian Hoeneß den Titelgewinn nach dem 4:2 gegen Arminia Bielefeld im "ZDF" ein: "Wir haben einen Titel geholt." Eine Tatsache, die man im Kontext des VfB Stuttgart kaum hoch genug bewerten kann.
"Wir saßen vor zwei Tagen im Hotel zusammen, da haben wir Heidenheim gegen Elversberg angeschaut", erinnerte sich der VfB-Trainer: "Das ist zwei Jahre her. Das ist nicht so lange her, da haben wir in Hamburg das 0:1 bekommen und da war kurzzeitig nicht klar, wohin das ganze hier hingeht."
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Besagte zwei Jahre später ist klar: Statt abzusteigen, wurde der VfB Stuttgart Vizemeister, spielte Champions League und ist nun Pokalsieger. Sicherlich könnte man viele Protagonisten hervorheben. Von den Kaderplanern bis hin zu den Schlüsselspielern.
Doch der, der all diese Puzzleteile zusammengebracht hat, ist Hoeneß. Einer, der nicht gern derart in den Mittelpunkt gestellt wird, für das, was er erreicht hat, aber dennoch zu selten in den Mittelpunkt gestellt wird.
Alles rund um das Finale
Mit der Zweitvertretung des FC Bayern wurde er zwar Meister, doch am Campus wurde der Erfolg zwiegespalten betrachtet. Die Kritik: Fußballerisch fehlte die klare Linie, die Entwicklung des Teams. Hoeneß wechselte nach Hoffenheim, wo er eine durchwachsene Zeit erlebte. Nach nur zwei Jahren trennte man sich einvernehmlich.
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VfB Stuttgart und Sebastian Hoeneß: Es hat sofort gefunkt
Und dann ging es zum VfB Stuttgart – zunächst als Feuerwehrmann im Abstiegskampf. In der Relegation schlug man den HSV mit 6:1. Der 43-Jährige etablierte anschließend einen attraktiven, taktisch variablen und temporeichen Fußball, der dem VfB Stuttgart mit 73 Punkten die beste Saison der Vereinsgeschichte bescherte – und die Vizemeisterschaft.
Hoeneß bewies in diesen zwei Jahren Lernfähigkeit. Sein offener Umgang mit den Spielern sowie die Art und Weise, mit der er sich taktisch an die Gegebenheiten anpassen kann, sind bemerkenswert.
Wie im Pokalfinale gegen Bielefeld, als sein Team dem Drittligisten satte 59 Prozent Ballbesitz überließ und dennoch alles unter Kontrolle hatte. Stuttgart kann kontern, aber sie können auch selbst die Spielgestaltung übernehmen.
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Hoeneß legte sich nie auf ein System oder eine taktische Herangehensweise fest – und schaffte es so, die komplette Bandbreite seines Kaders zu nutzen und immer wieder zu überraschen.
Dieser Pokalsieg ist deshalb auch und vor allem sein Verdienst. Es ist aber auch ein Höhepunkt, der die Frage danach aufwirft, ob noch weitere Höhen in dieser Konstellation möglich sind.
Die Achse des Teams besteht mit Alexander Nübel (vom FC Bayern ausgeliehen), Angelo Stiller, Enzo Millot, Deniz Undav und Nick Woltemade aus Spielern, die in den kommenden Transferperioden wohl das eine oder andere Angebot erhalten werden.
Ende der Entwicklung? Hoeneß ist gefordert
Es wäre nicht nur notwendig, diese Spieler zu halten, sondern den Kader darüber hinaus auch weiter zu verstärken. Der neunte Platz in der Bundesliga ist mit diesem Kader auch dann enttäuschend, wenn man einordnet, wo die Stuttgarter herkommen.
Das Team hat Qualität und ist zu mehr bestimmt, hat sich den Respekt und den gewachsenen Anspruch verdient.
Was kann Hoeneß in den kommenden Jahren also noch in Stuttgart erreichen? Es gibt ein Risiko, dass der Höhepunkt bereits in der Vergangenheit liegt und man bald wieder in der Graumausigkeit der Bundesliga angelangt.
"Der VfB steht für viel mittlerweile", sagte der Erfolgscoach am Samstag: "Vor allem auch für ruhiges Arbeiten und eine gute Entwicklung." Vielleicht die größte Errungenschaft für den einstigen Chaosklub, der erstmal nichts von der Zukunft wissen will.
In der kommenden Saison wird man sich dennoch ein Stück weit neu erfinden müssen, um nicht weiter abzustürzen. Vor allem, wenn wieder der ein oder andere Leistunsgträger von Bord geht.
Aber wenn jemandem das zuzutrauen ist, dann wohl diesem Trainer. Sebastian Hoeneß ist gefordert.