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Formel 1 - David Schumacher exklusiv: DTM? "Das war sehr gutes Marketing für den Motorsport"
- Veröffentlicht: 14.03.2026
- 12:10 Uhr
- Andreas Reiners
Der Motorsport hat in Deutschland kein gutes Standing. Kann Audi etwas daran ändern? Was muss besser werden? Und wie prekär ist die Lage? Wir haben mit David Schumacher darüber gesprochen.
Das Interview führte Andreas Reiners
Audi hat in der Formel 1 einen ordentlichen Start hingelegt. Es war ein Auftritt, auf den man aufbauen kann.
Einen neuen Boom in der "Königsklasse des Motorsports! werden die Ingolstädter in Deutschland aber wohl eher nicht auslösen, glaubt David Schumacher.
"Natürlich wird es den einen oder anderen interessieren, dass ein weiterer deutscher Hersteller dabei ist. Aber solange es keinen deutschen Grand Prix gibt, wird es schwierig sein, die Begeisterung nachhaltig zu steigern", sagte der Ford-Pilot im ran-Interview. Im ersten Teil ordnete er unter anderem die Regeländerungen und die Kritik einiger Top-Piloten ein.
Er sieht es wie sein Vater Ralf Schumacher, der zuletzt erklärte, der Motorsport in Deutschland schaffe sich ab. "In Deutschland geht es stark in Richtung Elektromobilität. Ich persönlich sehe die Zukunft eher in CO₂-neutralen Kraftstoffen. Wenn der Fokus hierzulande ausschließlich auf E-Mobilität liegt, dann sehe ich es für den klassischen Motorsport in Deutschland eher schwierig." Positive Ausnahme ist die DTM: "Das war sehr gutes Marketing für den Motorsport."
Gegenüber ran spricht Schumacher über nötige Änderungen, seinen F1-Traum, seine Pläne und Mick Schumachers Abenteuer in der IndyCar-Serie.
David Schumacher über Formel 1: Kann Audi etwas verändern?
ran: Kann Audi die Formel 1 in Deutschland wieder pushen?
David Schumacher: Ich bin mir nicht sicher, ob der Einstieg hierzulande viel verändern wird. Natürlich wird es den einen oder anderen interessieren, dass ein weiterer deutscher Hersteller dabei ist. Aber solange es keinen deutschen Grand Prix gibt, wird es schwierig sein, die Begeisterung nachhaltig zu steigern.
ran: Ist für Sie ein deutscher Grand Prix der wichtigste Faktor oder wäre ein deutscher Siegfahrer noch entscheidender?
Schumacher: Ich glaube, ein deutscher Grand Prix wäre fast wichtiger als ein deutscher Siegfahrer. Natürlich wäre die Kombination aus beidem ideal. Aber was den Nachwuchs angeht, sieht es im Moment eher schwierig aus. Deshalb denke ich, dass ein Grand Prix in Deutschland einen größeren Effekt hätte.
ran: Ihr Vater hat gesagt, der Motorsport in Deutschland schaffe sich selbst ab. Sehen Sie das auch so?
Schumacher: Leider ja. In Deutschland geht es stark in Richtung Elektromobilität. Ich persönlich sehe die Zukunft eher in CO₂-neutralen Kraftstoffen. Wenn der Fokus hierzulande ausschließlich auf E-Mobilität liegt, dann sehe ich es für den klassischen Motorsport in Deutschland eher schwierig.
ran: Wie prekär ist die Lage?
Schumacher: Wenn ich mir anschaue, was die DTM im vergangenen Jahr in Deutschland auf die Beine gestellt hat, war das sehr gutes Marketing für den Motorsport. Die Zuschauerzahlen waren so hoch wie lange nicht mehr. Deshalb ist es ein Stück weit zwiespältig. Wenn Deutschland sagt, wir unterstützen Motorsport nicht mehr und setzen ausschließlich auf E-Mobilität, dann wird es schwierig. Wenn man dem Motorsport aber weiterhin Raum gibt, kann er sich durchaus wieder erholen.
ran: Was müsste sich konkret ändern?
Schumacher: Für mich müsste die ganze E-Technologie aus den Formel-1-Autos wieder verschwinden. Stattdessen sollte man wieder auf einen reinen Verbrennungsmotor setzen. Dieses ganze Energiesparen sollte aufhören, damit wieder pures Racing im Mittelpunkt steht. Das hat vor 20 Jahren hervorragend funktioniert. Warum sollte es heute nicht mehr funktionieren? Wir haben inzwischen die Möglichkeit, auf synthetische Kraftstoffe zu setzen und auf fossile Brennstoffe zu verzichten. Damit könnte man CO₂-neutral fahren. Ich verstehe nicht, warum man diesen Weg nicht früher konsequent gegangen ist.
David Schumacher: "Motorsport wird schnell als Umweltverschmutzung abgestempelt"
ran: Ist dieser starke Drang zur E-Mobilität aus Ihrer Sicht übertrieben? Wird da zu sehr versucht, Nachhaltigkeit zu erzwingen?
Schumacher: Ich denke schon. Wenn man sich die Statistiken zu Elektroautos anschaut, sehe ich da nicht die große Zukunft, zumindest nicht in Deutschland. Wir haben hier nicht die Infrastruktur, um komplett auf E-Mobilität umzusteigen. Und wenn man die Produktion betrachtet: Ein Elektroauto verursacht in der Herstellung in etwa so viel CO₂ wie ein Diesel, der 120.000 Kilometer gefahren ist.
ran: Hat das auch Auswirkungen auf den Motorsport-Nachwuchs?
Schumacher: Ja, durchaus. Motorsport wird schnell als Umweltverschmutzung abgestempelt, das kann man aus Sicht mancher auch nachvollziehen. Aber dadurch wird es schwieriger. Wenn sich da nichts ändert, wird es mit dem Nachwuchsproblem noch komplizierter, weil weniger Sponsoren einsteigen und das Geld knapper wird. Wie soll das finanziert werden? Der Weg Richtung Formel 1 kostet über zehn Millionen Euro – wo soll das Geld herkommen?
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ran: Das sieht man ja gerade am Beispiel Tim Tramnitz…
Schumacher: Er hat immerhin den Vorteil, dass er jetzt mit BMW eine gute Basis hat. Ich bin selbst seit einigen Jahren in der GT-Welt unterwegs, dort ist Motorsport noch etwas direkter. Da geht es noch mehr ums Rennfahren und weniger um die ganz großen politischen oder strategischen Debatten wie in der Formel 1.
ran: Glauben Sie, dass sich in naher Zukunft etwas ändert und dass wieder ein deutscher Fahrer realistisch Richtung Formel 1 durchstarten kann?
Schumacher: Grundsätzlich sind die Hürden extrem hoch. So wie es aktuell läuft, ist es sehr schwierig. Zum Glück gibt es den ADAC, der viel investiert und unterstützt. Sollte diese Unterstützung irgendwann wegfallen – was ich nicht hoffe –, dann könnte es richtig problematisch werden.
ran: Sie haben den Formelsport vor einiger Zeit verlassen. Haben Sie das je bereut?
Schumacher: "Bereut" ist vielleicht das falsche Wort. Natürlich hätte ich es gerne weiter versucht, Richtung Formel 1 zu kommen. Aber nach der Formel-3-Saison war klar, dass wir nicht noch einmal zweieinhalb Millionen Euro investieren wollten, wenn die Perspektive ungewiss ist. Deshalb haben wir uns bewusst anders orientiert, Richtung GT-Sport, perspektivisch vielleicht auch LMDH oder WEC. Der Endurance-Sport macht mir extrem viel Spaß. Nach den letzten Jahren im GT-Bereich vermisse ich den Weg Richtung Formel 1 nicht mehr. Für mich ist das Thema abgeschlossen.
David Schumacher: Formel 3 und Formel 2 sind stark politisch geprägt
ran: Hat der geplatzte Formel-1-Traum geschmerzt?
Schumacher: In den ersten ein, zwei Jahren schon, keine Frage. Mittlerweile bin ich aber froh, aus diesem politischen Umfeld heraus zu sein.
ran: War es mit der Politik in den Nachwuchsserien so schlimm?
Schumacher: Ja. Formel 3 und Formel 2 sind stark politisch geprägt. In diesen Nachwuchsserien spielt das eine große Rolle. Deshalb bin ich froh, dass ich da nicht mehr drin bin.
ran: Wie sieht Ihr aktuelles Programm aus?
Schumacher: Ehrlich gesagt weiß ich es noch nicht genau. Ich hoffe, dass sich das bald klärt, weil die Saison im Grunde schon begonnen hat. Fest steht, dass ich wieder mit Ford im GT3-Sport unterwegs sein werde. Was genau, ist noch offen. Aber ich werde auf jeden Fall mit Ford und HRT an den Start gehen.
ran: Und die DTM?
Schumacher: Die werde ich vermutlich als Zuschauer verfolgen.
ran: Hätten Sie noch einmal Lust darauf?
Schumacher: Auf jeden Fall. Die DTM würde ich sehr gerne noch einmal fahren. Dafür muss sich in Zukunft eine passende Möglichkeit ergeben, aber das ist definitiv ein Ziel.
ran: Und ganz generell: Welchen Traum haben Sie noch in Ihrer Karriere?
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Schumacher: Ich würde sehr gerne im Prototypenbereich die WEC fahren – und zusätzlich in der IMSA starten. WEC und IMSA, darauf arbeite ich hin. Am liebsten nächstes Jahr.
ran: Was reizt Sie besonders daran?
Schumacher: Die Prototypen. Das ist eine extrem spannende Serie. Dahinter steckt viel Entwicklung und genau das reizt mich. Und ich möchte endlich wieder richtig Aerodynamik spüren.
David Schumacher: IndyCar "extrem herausfordernd" für Mick
ran: Mick Schumacher fährt jetzt IndyCar. Viele sprechen über die Gefahr, gerade wegen der Ovale. Wie sehen Sie das?
Schumacher: Nach der Formel 3 war es auch für mich eine Option, Richtung Amerika zu gehen. Aber ich habe das direkt ausgeschlossen. Ich wollte das nie machen und werde es auch nie machen. Mir ist das mit den Ovalen einfach zu gefährlich. Das wäre für mich nie infrage gekommen. Aber wenn es Mick glücklich macht, ist das das Wichtigste. Ich wünsche ihm, dass er dort Fuß fasst, viel Glück hat und gut performt.
ran: Wie herausfordernd wird die erste Saison für ihn?
Schumacher: Extrem herausfordernd. Auch wenn Mick ein sehr guter Fahrer ist – das hat er in der WEC gezeigt –, wird das ein sehr schwieriger Schritt. Der Motorsport in Amerika hat mit dem europäischen System kaum etwas zu tun. Das ist eine völlig andere Welt. Man sieht das auch in der Super Formula: Wenn starke europäische Fahrer nach Japan gehen, werden sie in den ersten Rennen oft von den einheimischen Fahrern deutlich geschlagen. Und ich glaube, andersherum wird es in Amerika ähnlich sein. Dort fahren viele starke Leute. Auch sie haben Zeit gebraucht, um sich zurechtzufinden. Deshalb wird es am Anfang sicher ein schwerer Weg. Wenn er sich aber eingewöhnt und Fuß fasst, hat er gute Möglichkeiten, dort langfristig erfolgreich zu sein.