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NBA – Anthony Davis als Trade-Kandidat bei Dallas Mavericks: Es ist kompliziert
- Veröffentlicht: 08.01.2026
- 10:34 Uhr
- Ole Frerks
Keine zwölf Monate nach dem größten NBA-Blockbuster der letzten Jahre richtet sich der Fokus erneut auf die Dallas Mavericks. Steht ein weiterer Trade von Anthony Davis an? Einige Gründe sprechen dafür - eine leichte Entscheidung wird es für die Mavs dennoch nicht.
Von Ole Frerks
Kein NBA-Team hat ein turbulenteres Jahr hinter sich als die Dallas Mavericks. Es ist auch nicht knapp: Im vergangenen Februar der Luka-Trade, danach die Fan-Revolte, Verletzungen bei allen verbliebenen Leistungsträgern, der Nr.1-Pick aus dem Nichts, schließlich die Entlassung von General Manager Nico Harrison im November, die längst unvermeidbar war.
2025 ist zwar vorbei – die Turbulenzen müssen aber noch nicht erledigt sein. Wenigstens bis zur Trade Deadline Anfang Februar bleibt Dallas eins der ligaweit interessanteren Teams, weil die Chance im Raum steht, dass ein weiterer großer Trade anstehen könnte. Berichten zufolge sind die Mavs einem Trade von Anthony Davis gegenüber nicht abgeneigt, selbst wenn sie öffentlich seit Monaten etwas anderes behaupten.
Es ist nicht schwer nachzuvollziehen, warum sich die Mavs mit diesem Thema zumindest beschäftigen. Es ist sogar folgerichtig. Die Mavs wären allerdings nicht die Mavs, wenn es in dieser Situation nur die eine korrekte Lösung gäbe. Die Sache ist etwas komplizierter.
Dallas Mavericks: Nur eine Frage zählt
Die Ankunft von Cooper Flagg hat in Dallas (wieder) alles verändert. In diesem Fall zum Positiven. Die Ankunft des übertalentierten Rookies hat unter anderem dazu geführt, dass nun jede Entscheidung der Franchise durch das Flagg-Prisma betrachtet werden muss. Seitdem Harrison weg ist, muss sich entsprechend niemand mehr seiner Vision verpflichtet fühlen.
Was auch bedeutet: Davis muss nicht gehalten werden, nur weil er der Spieler ist, den Dallas vor nicht einmal zwölf Monaten als Gegenwert für die werdende Franchise-Ikone Luka Doncic zurückbekam. Ein eskalierendes Commitment ist nicht notwendig. Die Mavs sind nicht verpflichtet dazu, Davis die lukrative Vertragsverlängerung zu zahlen, die sein Team um Agent Rich Paul Berichten zufolge fordert.
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Im Prinzip ist in Dallas eine Frage entscheidend, und nur eine. Hilft Davis Flagg mehr, wenn er auf dem Court steht, oder wenn er getradet wird?
Bei der Antwort können die Meinungen dann allerdings auseinandergehen.
Dallas Mavericks: Der Schlüssel zur Kompetenz
Sportlich ist die Lage bis dato zumindest in mancher Hinsicht einigermaßen klar. Davis und Flagg harmonieren zwar offensiv nicht wirklich (das gemeinsame Net-Rating beträgt -4,2), die Mavs als Ganzes sind jedoch ein anderes, viel kompetenteres Team, wenn der 32-Jährige mit von der Partie ist.
Von 19 Spielen mit Davis haben die Mavs bisher zehn gewonnen. Von 18 ohne ihn gewannen sie vier. Davis liefert zwar kein Spacing für Flagg, er nimmt aber insofern viel Druck vom Rookie, weil er eine weitere potente Scoring-Option auf dem Court darstellt, die respektiert werden muss. Mal abgesehen von seiner starken Defense, die bis dato ohnehin die einzige echte Stärke der Mavs darstellt, die über die Saison immerhin die zehntbeste Verteidigung der Liga stellen.
Offensiv hat Davis dabei - wie Dallas insgesamt, mit der derzeit drittschlechtesten Offense der NBA viel Luft nach oben. Trotz einiger Ausreißer legt er die wenigsten Punkte seit seinem Rookie-Jahr auf (20,3) und unterstreicht einmal mehr, dass er am effektivsten dann ist, wenn er als Zielspieler neben einem etablierten Creator auf dem Court steht.
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Dallas Mavericks: Das Creation-Vakuum bleibt
Dallas hat diesen derzeit nicht, auch wenn sich Ryan Nembhard und Brandon Williams nach Kräften bemühen. Eigentlich sollte den Part natürlich Kyrie Irving übernehmen, der nach seinem Kreuzbandriss aber noch immer nicht wieder fit ist. "Nein", sagte Coach Jason Kidd kürzlich knapp auf die Frage, ob es ein Update gebe, wann mit dem Point Guard zu rechnen sei.
Eigentlich war das ja Harrisons Vision, lange vor dem Flagg-Pick: Davis und Irving als Star-Duo, kombiniert mit elitärer Defense. Nach dem Trade verbrachten die beiden Stars aber nur 25 Minuten gemeinsam auf dem Court, ehe sich Davis im ersten Spiel verletzte. Nun ist es nicht gesichert, ob es überhaupt eine Fortsetzung dieser 25 (sehr guten!) Minuten geben wird.
Die Überlegung, wie ein Team rund um die Achse Irving-Flagg-Davis funktionieren könnte, ob darin vielleicht sogar wirklich Contender-Potenzial schlummert, muss in die Überlegungen des neuen Front Office hinsichtlich eines Trades mit hineinspielen. Sie ist aber mit Sicherheit nicht der einzige wichtige Faktor.
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Dallas Mavericks: Was gegen Anthony Davis spricht
Da wäre auch: Davis‘ Verletzungsanfälligkeit. Seit seiner Ankunft in Dallas stand er in 28 von 71 möglichen Partien zur Verfügung, wirklich neu ist dieses Problem in seiner Karriere nicht. Seit 2018 knackte er bloß ein einziges Mal die 70-Spiele-Marke in einer Saison, immer wieder gibt es Probleme an irgendeinem – oder mehreren – Körperteilen.
Er ist überdies wohl am Ende seiner Prime, sehr teuer (58 Mio. Dollar in der kommenden Saison, 63 Mio. Spieler-Option im Folgejahr) und auf der Suche nach einem neuen Vertrag. Ein längeres, maximales Commitment (ab August könnte Davis für 4 Jahre und 275 Mio. Dollar verlängern) wirkt aber riskant für ein Team, das nun eigentlich um einen gerade 19-Jährigen nachhaltig etwas aufbauen möchte.
Zumal: Dallas kontrolliert aufgrund diverser Trades nur in diesem Jahr seinen eigenen Erstrunden-Pick, danach ist das erst im Jahr 2031 wieder der Fall. Es gäbe Argumente dafür, jetzt für eine gute Position in der Lottery zu tanken, um Flagg ein weiteres Top-Talent an die Seite zu stellen. Die Bilanz ohne AD deutet an, dass ein Trade bei diesem Ziel helfen würde.
Dallas Mavericks: Es gibt auch andere Wege
Fraglich ist, ob diese Aussicht, bei der es ja keinerlei Garantien gibt, es bereits wert ist, einen so guten Spieler wie Davis abzugeben. Oder, ob es womöglich ratsamer ist, zumindest Irvings Rückkehr abzuwarten, um die Situation und das Team richtig evaluieren zu können. Vielleicht ist Dallas mit Kyrie wirklich nicht so weit weg davon, wieder richtig gut zu sein?
Stand jetzt verfügen die Mavs über den viertteuersten Kader der Liga und die neuntmeisten Niederlagen – das ist so natürlich suboptimal, zumal sie derzeit sogar nur knapp unter dem Second Apron liegen. Sie könnten dieses Problem aber auch mit anderen Trades lösen, etwa von Klay Thompson, Daniel Gafford oder PJ. Washington, die womöglich sogar mehr Balance (Shooting und Ballhandling) in den Kader bringen könnten.
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All diese Spieler kassieren Gehälter, die wesentlich leichter tradebar sind als die aktuell 54 Mio. von Davis, die in Deals ja zumindest ansatzweise - und bei manchen Teams exakt - gematcht werden müssten. Was einen Trade für ihn keineswegs ausschließt, aber bei vielen Teams doch massiv erschwert – und zum Teil ein drittes involviertes Team nötig machen würde.
Letztendlich dürfte die Nachfrage den Kurs der Mavs bestimmen. An Interessenten wird es kaum fehlen, ob diese aber gewillt oder überhaupt in der Lage sind, während der Saison gute Angebote zu machen, steht auf einem anderen Blatt. Vielleicht können die interessierten Hawks ihr Bemühen um Davis intensivieren, nachdem sie den riesigen Vertrag von Trae Young losgeworden sind. Verramschen sollten die Mavs Davis in jedem Fall nicht.
Dallas Mavericks: Eine Tugend?
Langfristig ergibt es für die Mavs Sinn, nach einem anderen, offensiv und vom Alter her etwas besser zu Flagg passenden Co-Star zu fahnden. Das ist aber das Schlüsselwort: Langfristig. Es muss nicht zwingend jetzt passieren, es muss nicht zu jedem Preis ein Davis-Trade gefunden werden, wo sich dessen Trade-Wert nicht gerade auf seinem historischen Höchstwert befindet.
Streng genommen haben die Mavs ohnehin dringendere Baustellen. Einen offiziellen Harrison-Nachfolger gibt es nach wie vor nicht – aktuell leiten Michael Finley und Matt Riccardi das Front Office interimsweise, und auch Mark Cuban spielt wieder (irgend)eine Rolle. Eigentlich ist das eine komische Konstellation, um die ganz großen Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.
Was nicht bedeutet, dass es nicht trotzdem passieren wird. Vielleicht wäre es für die Mavs gerade nach diesem wilden Jahr 2025 aber ratsam, mal etwas Neues auszuprobieren. Die Optionen abwägen. Geduldig sein. Wer, wenn nicht sie, sollte mit einem solchen Vorsatz ins neue Jahr starten?