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MSV steht vor Doppel-Abstieg

MSV Duisburg versinkt im komplett Chaos: Kein Geld, keine Linie, keine Zukunft

  • Aktualisiert: 25.04.2024
  • 14:46 Uhr
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Der MSV Duisburg steht vor einem Scherbenhaufen. Die Frauen-Abteilung der Zebras ist bereits abgestiegen, die Männer werden es ihr gleichtun und der Sponsor des Stadions ist weg. Wie es weitergeht, weiß keiner.

Von Kai Esser

Der FC Bayern München? Fehlanzeige. Borussia Mönchengladbach? Nicht auf der Liste. Bayer Leverkusen? Nicht einmal im Ansatz. Dafür wurde der MSV Duisburg berücksichtigt.

Es geht hier nicht etwa um einen prestigeträchtigen Wettbewerb im Europapokal, in den der MSV aus Versehen reingerutscht ist. Es geht um nicht weniger als die Gründung der Fußball-Bundesliga.

Denn im Gegensatz zu den genannten Top-Vereinen, die heute nicht mehr aus der deutschen Eliteliga wegzudenken sind, war der MSV damals einer der besten 16 Klubs in Deutschland. Insgesamt 28 Saisons waren die Meidericher fester Bestandteil der Bundesliga.

Doch diese Zeiten sind längst vergessen. Seit 2008 kennen die Meidericher die erste Bundesliga nur noch vom Hörensagen. Im Gegenteil: Bereits seit Jahren schwirren die Zebras in der unteren Tabellenhälfte der 3. Liga herum.

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Nun steht unvermeidbar bevor, was sich lange angebahnt hatte und die Duisburger bisher erfolgreich vermeiden konnten: Der Abstieg in die viertklassige Regionalliga West. Wie es dort jedoch weitergeht, weiß niemand so recht an der Wedau.

Trainerverschleiß deluxe und fehlende Linie

Der Klub hat, da geht es ihm in der 3. Liga allerdings nicht alleine so, kein Geld. Da hilft es nicht, wenn sich die Trainer mehr oder weniger die Klinke in die Hand geben. Seit November 2020 standen fünf verschiedene Hauptübungsleiter an der Seitenlinie der Duisburger. Dort sind Interimstrainer nicht einmal mit eingerechnet, ansonsten wären es sieben.

Erst am Dienstag trennte sich der MSV trotz des beinahe feststehenden Abstiegs von Boris Schommers. Dieser war erst im Herbst 2023 von Regionalligist 1. FC Düren gekommen. Und das, obwohl er einen laufenden Vertrag hatte. Seine Amtszeit dauerte 197 Tage, in denen er 0,92 Punkte pro Spiel holte. "Ernüchternd" wäre ein Understatement. "Wir müssen jetzt die Weichen für die neue Spielzeit stellen und den Neuaufbau offensiv starten", heißt es in der Vereinmitteilung zur Trennung vom Trainer.

Als die Duisburger die Entlassung des Chefcoaches bekanntgaben, gab es nicht etwa beleidigende Kommentare in den sozialen Medien, wie es (leider) üblich ist. Der Tenor, der herrscht, ist eher Galgenhumor oder noch schlimmer: Gleichgültigkeit. Mittlerweile haben Fans sogar einen Flippers-Song umgedichtet, in dem sie Auswärtsfahrten nach Bocholt, Düren und Wiedenbrück besingen.

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Freilich, der Punkteschnitt spricht nicht gerade für den ehemaligen Coach des 1. FC Kaiserslautern. Allerdings mit einem mehr oder minder planlos zusammengestellten Kader, mit dem seit dem Höhepunkt der Corona-Pandemie nur ein Trainer eine Saison überlebt hat, ist es eine Mammutaufgabe in Duisburg.

Auf durchaus vorhandenes Potential wie die Youngsters Caspar Jander oder Santiago Castaneda kommen zu viele Namen, die aus der Zeit gefallen wirken und nur noch bedingt für Qualität stehen. Alexander Esswein, Daniel Ginczek und Marvin Knoll sind Sinnbilder der - es lässt kein anderes Fazit zu - verfehlten Mannschaftszusammenstellung.

Dass mit Niklas Kölle (Linksverteidiger) und Sebastian Mai (Innenverteidiger) zwei gelernte Abwehrspieler die interne Torschützenliste anführen, lässt ebenso tief blicken. Gehässig könnte man sagen, dass, mit Ausnahme von zwei Eigengewächsen, zum Glück kein Spieler einen Vertrag für die Regionalliga besitzt.

Eine Idee, wie der MSV Duisburg Fußball spielen will, sucht man in Meiderich seit Jahren vergeblich. Auch, weil Trainer gefeuert werden, bevor sie so etwas wie eine Spielidee implementieren können.

Stadion-Sponsor zieht sich zurück, Preetz steht vor Mammutaufgabe

Die Aufgabe für Michael Preetz, seit Januar Geschäftsführer des krisengebeutelten Vereins, wird in der neuen Saison sicher nicht einfacher. In der Regionalliga wird kaum TV-Geld gezahlt, nur höchstens zehn Prozent der bisherigen TV-Einnahmen können die Zebras einplanen.

Doch nicht nur das, auch der Hauptsponsor des Stadions, "Schauinsland Reisen" zieht sich zurück. "Es wurden Versprechungen gemacht, die nicht eingehalten wurden - bis heute", heißt es von Seite des Unternehmens.

Nachdem das Reisebüro auf mehrere Millionen Euro verzichtete, mit denen der MSV eigentlich noch in der Schuld stand, stehen die Zebras nun also ohne Namen für die Arena da. Immerhin: Ein Auszug aus der eigentlich für Bundesliga konzipierten Arena gilt als ausgeschlossen.

Mit einem Sport-Etat, der kaum die drei Millionen Euro übersteigen dürfte, muss Preetz nun eine Mannschaft zusammenstellen, die den Wiederaufstieg angehen kann und auch muss. 13 Jahre in der 4. Liga zu verweilen, so wie Ruhr-Rivale Rot-Weiss Essen, wäre wohl der Sargnagel für den Klub.

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Zebra-Frauen teilen Schicksal: Nie mehr Frauenfußball beim MSV?

Als wäre das alles noch nicht genug, leidet auch die Frauen-Abteilung des MSV. Die konnte sich - analog zur Männerabteilung - 2023 noch vor dem Abstieg retten, mittlerweile ist der Abstieg der MSV-Frauen aus der Bundesliga - und damit ein Doppel-Abstieg für den MSV Duisburg - jedoch Gewissheit.

Was allerdings nicht Gewissheit ist, ist die Zukunft der Abteilung. Ob sie kommende Saison in der 2. Liga starten können, ist unsicher. "Die Zukunft des Frauenfußballs in Duisburg ist mehr als fraglich", sagte Trainer Thomas Gerstner nach der 1:4-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg, die die Zweitklassigkeit besiegelte.

"Es ist traurig zu wissen, dass man nicht weiß, wie es in Zukunft weitergeht", erklärt Gerstner weiter. Umso trauriger, da der FCR Duisburg, 2014 in den MSV eingegliedert, viele Erfolge und sogar Titel vorweisen kann. Mit Ena Mahmutovic haben die Zebras gar eine deutsche Nationalspielerin in ihren Reihen.

Oder vielmehr - sie hatten - denn ohne das Geld von externen Sponsoren, steht die Frauenfußballabteilung in Duisburg vor dem Aus. Und Sponsoren zu finden, damit haben auch die Männer aktuell große Probleme.

Wie die Strukturen des Meidericher Sportvereins Duisburg in 2024/25 aussehen werden, ist noch unklar. Das einzige, was klar zu sein scheint ist, dass es keine rosige Saison wird. Egal ob in der Männer- oder Frauenabteilung.

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