Exklusives Interview mit Ehrenpräsident
FC Bayern München vs. Union Saint-Gilloise: "Max Eberl blockte eine Zusammenarbeit ab" - Ehrenpräsident Jürgen Baatzsch exklusiv
- Aktualisiert: 21.01.2026
- 11:34 Uhr
- Philipp Kessler
Vor dem Champions-League-Duell beim FC Bayern München spricht der deutsche Ehrenpräsident von Royale Union Saint-Gilloise, Jürgen Baatzsch, bei ran über die Chancen seines Teams und vergleicht einen seiner Spieler mit Nationalspieler Deniz Undav.
Von Philipp Kessler
Jürgen Baatzsch führte Royale Union Saint-Gilloise aus der sportlichen Bedeutungslosigkeit nach oben. Mittlerweile ist der deutsche Unternehmer Ehrenpräsident des belgischen Vereins.
Zum Champions-League-Spiel gegen den FC Bayern am Mittwoch (21:00 Uhr im Liveticker) reist der 63-Jährige extra nach München - und hofft auf eine Sensation.
Sein neunjähriger Sohn allerdings drückt dem deutschen Rekordmeister die Daumen, wie er im exklusiven Interview mit ran erzählt.
Zudem spricht Baatzsch über Begegnungen mit Bayern-Trainer Vincent Kompany und dessen Familie. Und er verrät auch, warum Sportvorstand Max Eberl zu Gladbacher Zeiten ein Projekt mit Saint-Gilloise abblockte und wer bei den Belgiern das Zeug zum neuen Deniz Undav hat.
FC Bayern schlagbar? "Der Sport hat immer Überraschungen bereit"
ran: Herr Baatzsch, hat Royal Union Saint-Gilloise am Mittwoch beim FC Bayern überhaupt eine Chance?
Jürgen Baatzsch: Union hatte vor seiner frischen Meisterschaft dreimal sehr unglücklich die vorherigen Meistertitel verpasst und ist hochverdient in der Champions League. Es hat in der Königsklasse zwei sehr schöne Siege erzielt und die Niederlagen sind deutlich zu hoch ausgefallen. Auch ist Union als Neuling natürlich ein "Underdog". Man hätte wirklich nie gedacht, dass Union es so weit bringen könnte. Jedes Spiel dient der Erfahrung und jeder Sieg bringt den Club weiter nach vorne. Es ist eine Ehre, in München spielen zu dürfen. Das hätte vorher niemand geglaubt, dass man sich so toll entwickeln würde. Bayern München ist natürlich der große Favorit, und kaum ein Club auf der Welt kann die Münchner aufhalten. Aber es hätte vorher auch niemand gedacht, dass Union bei Eintracht Frankfurt in der Europa League gewinnen würde. Zum Glück hat der Sport immer Überraschungen bereit, und Union wird hoffentlich kein Sparringspartner werden!
ran: Ihr Sohn ist glühender Bayern-Fan. Muss er am Mittwoch für einen Spieltag den Verein wechseln?
Baatzsch: Mein neunjähriger Sohn Jayden ist Elitetorwart und sein großes Vorbild ist Manuel Neuer. Er bleibt Bayern-Fan sieben Tage die Woche. Und er wird sich aber auch für seinen Papa freuen, wenn eine Überraschung gelingt.
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Jürgen Baatzsch: Vincent Kompany als Trainer sehr wertvoll
ran: Ihre Frau ist Kongolesin. Auch Bayerns belgischer Trainer Vincent Kompany hat kongolesische Wurzeln. Kennen Sie den Coach persönlich?
Baatzsch: Ja, er lebte nur wenige 100 Meter von uns entfernt in Ukkel, Südbrüssel. Seine Söhne gingen in die gleiche Schule und so trafen wir uns fast täglich. Seine Frau hatte uns einmal privat mit seinen drei Kindern besucht und diese spielten dann mit meinen.
ran: Wie denken Sie über Kompany als Trainer?
Baatzsch: Bayern hat für Kompany ca. 12 Millionen Euro Ablöse bezahlt. Eine der höchsten Transfersummen für Trainer in der Fußballgeschichte. Daher reicht alleine diese Tatsache aus, um zu verstehen, wie wertvoll Kompany als Trainer ist. Er hat ein unglaublich professionelles und sympathisches Auftreten. Und er ist diskret. Am Ende ist aber allein der sportliche Erfolg Anzeiger der Qualität. Fazit: ein Weltklasse-Trainer.
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ran: Auf welche Spieler von Saint-Gilloise müssen die Bayern besonders aufpassen?
Baatzsch: Der Erfolg von Union ist ausschließlich eine mannschaftliche Leistung. Kein Spieler ragt wirklich heraus. Das macht das Team auch unabhängig, denn ein Superstar kann auch ausfallen.
ran: 2012/13 sind Sie bei Royal Union Saint-Gilloise eingestiegen, 2014 wurden Sie Hauptanteilseigner, mittlerweile sind Sie Ehrenpräsident. Wie kam es dazu?
Baatzsch: Es war alles nicht geplant, da ich davor nie im Fußballgeschäft tätig war. Ich wollte nur dem Verein mit einem Hauptsponsoring helfen. Dann hatte man mich überredet, als Administrator tätig zu werden. Danach boten mir ausscheidende Anteilseigner ihre Aktien für sehr wenig Geld an. Und dann fing ich an, alles umzukrempeln, den Verein zu entschulden und eigenes Kapital einzusetzen, um eine sportliche Wende einzuleiten. Die sportlichen Erfolge waren sehr motivierend, aber mein persönliches Engagement war sehr hoch, und das Wachstum war sehr kapitalintensiv und verlustreich ohne wirklich Aussicht, ein Return of Investment zu bekommen. Und von daher war ich ständig auf der Suche nach Investoren.
Jürgen Baatzsch: "Max Eberl blockte eine Zusammenarbeit ab"
ran: 2018 fanden Sie und Nottingham-Boss Tony Bloom zusammen …
Baatzsch: Der perfekte Partner, der für Union aber auch für mich ideal war. Die Zeit hat gezeigt, dass es eine perfekte Entscheidung war. In einer kurzen Übergangsphase nach dem Verkauf hat man mich für meine Leistung zum Ehrenpräsidenten ernannt, und gerne propagiere ich meinen neuen Herzverein. Aufgrund der Wettbewerbssituation mit Tonys Club Brighton & Hove Albion im Europacup hat Bloom seine Anteile an den jetzigen Präsident Alex Muzio verkauft. Alex hat Union in sein Herz geschlossen. Er mischt sich sogar häufig unter die Ur-Fans bei den Spielen, andere Präsidenten kann man ja häufig nur in VIP-Räumen finden.
ran: Wie haben Sie es damals geschafft, den Verein aus der Versenkung zu holen?
Baatzsch: Es bedurfte viel Kapitaleinsatz und Netzwerk. Die Gemeinde St. Gilles mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten der Region Brüssel, Charles Pique, hat sehr geholfen bei der Infrastruktur, um das alte Denkmalstadion "Dudenpark" ligakonform zu bekommen. Mit zwei alten Hasen - ein Jurist, ein erfahrener Sportdirektor - und mir als Finanzkraft und Manager hatten wir ein erfolgreiches Konzept. Die Verwaltung war minimalistisch und die Gelder wurden in gute Spieler investiert.
ran: Auch Bayerns Sportvorstand Max Eberl hatte zu Gladbacher Zeiten mal mit Saint-Gilloise zu tun.
Baatzsch: Mönchengladbach hatte Thorgan Hazard und viele andere Belgier unter Vertrag. Ich suchte deshalb und wegen der lokalen Nähe den Kontakt zu Mönchengladbach. Sie hatten großes Interesse, obwohl wir damals nur in der 2. Liga waren. Aber Max Eberl war es, der dieses Projekt abblockte, da er eine Zusammenarbeit mit Zulte Waregem bevorzugte, weil die erstklassig waren.
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Union St. Gilloise: Mateo Biondic - der neue Deniz Undav?
ran: Das Scouting Ihres Vereins funktioniert datenbasiert bzw. mathematisch. Wie wurde man auf Deniz Undav, der eineinhalb Spielzeiten für Saint-Gilloise auf Torejagd ging und nun für den VfB Stuttgart aufläuft, aufmerksam?
Baatzsch: Die Londoner Firma Starlizard ist im Besitz von Tony Bloom. Sie scoutet Vereine und deren Spieler weltweit. Das Geschäftsmodell ist, Wettquoten durch Algorithmen zu ermitteln. Dazu gehören natürlich auch Beobachtung per Video und vor Ort. Die Analysen werden von großen Sportwettanbietern gekauft. Gleichzeitig nutzt Starlizard die Daten intern, um für die angehörenden Vereine Spieler zu scouten. Dann kommt der Sportdirektor ins Spiel und versucht, die Spieler nach Priorität zu überzeugen, bei Union zu spielen. Auch höchsttalentierte Spieler werden nicht verpflichtet, wenn deren Mentalität nicht in den Teamgeist passt. Undav war, wie viele andere Spieler auch, ein Volltreffer. Und der Verein freut sich, dass er auch deutscher Nationalspieler geworden ist. Deniz ist ein toller Mensch und ein Supertalent.
ran: Und Victor Boniface?
Baatzsch: Victor hat mit seinem Tor gegen Leverkusen in der Europa League so beeindruckt, dass Bayer ihn verpflichtet hat. Ein finanzieller Super-Coup für Union.
ran: Welcher Kaderspieler wird der nächste Superstar? Wer könnte für den FC Bayern interessant werden?
Baatzsch: Keiner kennt die Zukunft, es werden noch viele Supertalente zu Union kommen. Spielerverkäufe sind finanziell essentiell für den Club, da die Fixkosten enorm sind, die in einem Verein entstehen. Ich sehe jetzt aber keinen Spieler, der bei Bayern spielen könnte, aber das kann sich ändern. Ein Topzugang ist Adem Zorgane. Und noch ein Deutscher: Mateo Biondic von Eintracht Trier. Er wird vielleicht ein neuer Undav.