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NFL: New England Patriots das beste Team der AFC? Darum ist der aktuelle Erfolg trügerisch - ein Kommentar
- Veröffentlicht: 14.11.2025
- 13:38 Uhr
- Chris Lugert
Die New England Patriots stehen nach ihrem Sieg im Thursday Night Game gegen die New York Jets an der Spitze der AFC. Doch den Beweis, ein echtes Topteam zu sein, müssen die Patriots erst noch antreten. Ein Kommentar.
Von Chris Lugert
Fans der New England Patriots dürften sich aktuell wie in einer angenehmen Zeitreise fühlen. Das eigene Team steht an der Spitze der AFC, acht Spiele nacheinander wurden gewonnen, der Quarterback gilt als legitimer MVP-Kandidat - da ist der Super-Bowl-Sieg doch nur eine Frage der Zeit, oder?
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In den sozialen Medien wird der Erfolgslauf der Patriots bereits mit einem gewissen Sarkasmus begleitet. Die Franchise habe so lange gelitten, da sei ihnen die aktuelle Phase doch zu gönnen. Immerhin gebe es ja Vorschüler, die nie erlebt haben, wie die Patriots den Super Bowl gewinnen. Und das sei doch extrem tragisch.
Was aus diesen Worten herauszuhören ist: die blanke Angst vor der nächsten Patriots-Dynastie, mit Drake Maye als neuem Tom Brady. Doch wenngleich New England nach dem 27:14-Sieg im Thursday Night Game gegen die New York Jets und mit einer 9-2-Bilanz aktuell den Nummer-1-Seed der AFC innehat, ist es verfrüht, die Tickets für den Super Bowl im Februar in Santa Clara zu buchen.
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Patriots profitieren vom Spielplan
Denn so stark die Patriots auf den ersten Blick wirken - es gibt reichlich Umstände, die das Bild verfälschen. Also Patriots-Fans: Aufgepasst, im Moment ist eure Mannschaft mehr Scheinriese.
Was den Patriots aktuell besonders in die Karten spielt, ist der Spielplan. Die bisherigen elf Gegner der Patriots kommen zusammen auf eine Bilanz von 37-66 in der bisherigen Saison.
Nur drei Gegner - die Pittsburgh Steelers, die Buffalo Bills und die Tampa Bay Buccaneers - stehen aktuell bei einem positiven Record, die Bilanz der Carolina Panthers ist ausgeglichen.
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Von den aktuell sechs schlechtesten Teams der NFL standen nur die New York Giants bislang nicht auf dem Spielplan der Patriots. Bislang deshalb, weil es dieses Spiel Anfang Dezember geben wird. Schon vor der Saison hatte New England den statistisch drittleichtesten Spielplan aller Teams.
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Nun gilt auch in der NFL: Selbst die vermeintlich einfachen Gegner muss man erst einmal schlagen. Und das gelingt den Patriots seit Woche zwei (nach der Auftaktpleite gegen die Las Vegas Raiders) konstant. Es ist die größte Stärke dieses Teams. Head Coach Mike Vrabel hat eine Mentalität implementiert, die immer einen Weg bereithält, der zum Sieg führt. Doch wie nachhaltig lässt sich dieser reproduzieren?
Denn selbst gegen die vermeintlich Kleinen fehlte oftmals die Dominanz, wie man sie von einem Topteam erwarten würde. Fünf der elf Siege wurden mit einem Score Unterschied oder weniger erzielt - die Kansas City Chiefs und die Washington Commanders der Vorsaison lassen grüßen.
Das Spielglück meint es gut mit New England - etwa der verschossene Extrapunkt von Parker Romo im Spiel gegen die Atlanta Falcons, weshalb das Spiel nicht in die Overtime ging. Allerdings profitieren die Patriots auch von einer eigenen Stärke, die besonders gegen die bisherigen Gegner zum Tragen kam.
Run Defense der Patriots ist stark
Denn New England hat eine der besten Run Defenses der NFL. Kein Team lässt weniger Rushing Yards pro Spiel (84,7) zu, und das mit Abstand. Nach Expected Points Added pro Laufspielzug liegt die Patriots-Defense auf Platz zehn.
Das hilft besonders deshalb, weil viele der bisherigen Gegner entweder prinzipiell viel laufen wollen (Falcons, Buccaneers, Bills) und diese Stärke gegen New England nicht ausspielen konnten. Oder weil sie im Passspiel zu schwach waren, um die Patriots durch die Luft zu bezwingen (Saints, Titans, Browns).
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Was aber ist, wenn die Patriots tatsächlich mal gegen eine vielseitige und personell in Bestbesetzung befindliche Offense antreten müssen? Eine, die es auch versteht, die Secondary von New England konstant unter Druck zu setzen und damit wiederum Räume für das eigene Laufspiel zu öffnen? Die Bucs waren aus Verletzungsgründen kein echter Gradmesser, die Bills sind schlicht nicht gut genug.
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Und wie reagiert dann im Gegenzug die Offense der Patriots um Maye, wenn sie selbst stets unter Druck steht, Drive für Drive liefern zu müssen? Und das im Zweifel auch noch gegen eine bessere Defense als jene, gegen die sie bisher gespielt hat? Zumal das eigene Laufspiel Down für Down zu den schwächsten der Liga gehört.
Die Antworten darauf wird es in der Regular Season kaum geben. Das Restprogramm ist machbar und bietet den Patriots die absolut realistische Möglichkeit, die AFC zu gewinnen und in der ersten Playoff-Runde freizuhaben. Doch wohl selten zuvor dürften die Fragezeichen bei einem (potenziellen) Nummer-1-Seed so groß gewesen sein.
Ravens als Gradmesser für die Patriots?
Einen Hinweis darauf, wie gut die Patriots tatsächlich sind, gibt es womöglich kurz vor Weihnachten. Dann gastiert New England bei den Baltimore Ravens um Lamar Jackson. Die haben sich nach ihrem bitteren Saisonstart gefangen und dürften bis dahin so richtig auf Betriebstemperatur sein. In diesem Spiel dürften die Patriots erstmals so richtig spüren, was sie in den Playoffs erwartet.
Sollte das Team aus Foxborough auch in Baltimore bestehen und gewinnen, würde der Hype noch einmal deutlich an Fahrt gewinnen. Und das zu Recht. Dann wäre mit den Patriots als echtem Contender zu rechnen. In der AFC gäbe es kaum jemanden mehr, vor dem sich New England fürchten müsste. Und zumindest die Hotels rund um Santa Clara dürften gebucht werden.
Bis dahin aber müssen Zweifel erlaubt sein. Zweifel, ob die Patriots wirklich so gut sind - oder ihre bisherigen Gegner einfach so schwach.