Neuer Hoffnungsträger
FC Schalke 04: Zwischen Raul und Vedad Ibisevic – passt Edin Dzeko zu Königsblau?
- Veröffentlicht: 25.01.2026
- 08:55 Uhr
- Justin Kraft
Edin Dzeko hat beim FC Schalke 04 unterschrieben. Wird der 39-Jährige der nächste Raul – oder der nächste Vedad Ibisevic?
Beim FC Schalke 04 ist der Hype groß. Nicht nur träumen die Königsblauen vom Aufstieg, sie träumen auch vom nächsten "Raul"-Erlebnis.
Fast 16 Jahre ist es her, da wechselte die Legende von Real Madrid nach Gelsenkirchen. Im Winter 2026 erzeugt eine Transfermeldung erneut großen Hype bei den Fans: Edin Dzeko hat einen Vertrag bei den Knappen unterschrieben.
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Der Bosnier ist gewiss eine andere Gewichtsklasse als Raul. Letzterer absolvierte für Real Madrid einst 741 Pflichtspiele, in denen er 323 Tore erzielte und 136 weitere vorbereitete. Raul gewann die Champions League dreimal, wurde sechsmal spanischer Meister und holte viele weitere Titel. Fünfmal wurde er Fußballer des Jahres in Spanien, mehrfach Torschützenkönig in verschiedenen Wettbewerben.
Für den ganz großen internationalen Titel hat es bei Dzeko nie gereicht. Aber auch er spielte für Topklubs wie Manchester City, Inter Mailand und die AS Roma, wurde in Italien, England und Deutschland Fußballer des Jahres. 2009 holte der Mittelstürmer die Deutsche Meisterschaft mit dem VfL Wolfsburg.
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Der vielleicht größte Unterschied zum Raul-Transfer ist aber das Alter: Dzeko ist mittlerweile 39, der Spanier war einst 33. Was also kann der namhafte Neuzugang den Schalkern überhaupt noch geben?
Schalke 04: Starke Defensive, aber offensiv zu schwach
Die "gute" Nachricht ist, dass Schalke sich innerhalb der vergangenen 16 Jahre von einem Top-Klub in Deutschland zu einem Top-Klub der 2. Bundesliga entwickelt hat. Wobei gut hier Ansichtssache ist. In Bezug auf das Anforderungsprofil ist die Hürde für einen alternden Stürmer aber wohl etwas kleiner, als sie es im Jahr 2010 noch war.
Schalkes Prunkstück ist in dieser Saison die Defensive. Die Königsblauen lassen laut dem Datenanbieter "WhoScored" die wenigsten Schüsse pro Spiel zu (9,2) und haben mit zehn Gegentoren auch die mit Abstand wenigsten in der Liga kassiert. Die Spielweise ist entsprechend darauf ausgelegt, den Ball möglichst oft dem Gegner zu überlassen – und dann die Räume zu nutzen, die sich bei Ballgewinnen ergeben.
41,8 Prozent sind der geringste Ballbesitzwert der Liga. Offensiv hingegen sind die Schalker eines der schwächsten Teams. Nur fünf Klubs haben weniger oder genauso viele Tore wie die 22 von S04. Ist die Verpflichtung eines 39-Jährigen hier die Lösung?
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Wie Edin Dzeko Schalke 04 helfen kann
Dass er auf einem gewissen Niveau noch Tore erzielen kann, hat er in der Saison 2024/25 bei Fenerbahce bewiesen. Dort traf er in 53 Pflichtspielen 21-mal und bereitete acht weitere Treffer vor.
Auch im höheren Fußballeralter ist Dzeko immer noch ein hervorragender Abschlussspieler. Der Angreifer hat ein sehr gutes Gespür für die richtige Positionierung, bewegt sich clever im Rücken der Verteidiger und braucht nicht viele Kontakte für einen Abschluss. Sein Spiel ist gradlinig und zielstrebig.
Ein weiteres wichtiges Element könnte seine Stärke im Kopfballspiel sein. Bei Flanken ist er damit eine zuverlässige Option. Die Hoffnung hinter der Verpflichtung dürfte aus Schalke-Sicht sein, dass Dzeko mit seiner Präsenz der Zielspieler wird, den man aktuell nicht hat.
Mit nur 12,2 Abschlüssen pro Spiel haben die Schalker den zweitniedrigsten Wert der 2. Bundesliga. Einen zu haben, der aus sehr wenig sehr viel machen kann, ist sicher kein falscher Gedanke.
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Einen Knackpunkt könnte es geben
Aber auch an Dzeko ist der Alterungsprozess in den vergangenen Jahren nicht spurlos vorbeigegangen. Der Bosnier ist nicht mehr so schnell, wie er es schon mal war. Vor allem im Antritt fehlt ihm die Spritzigkeit, um Laufduelle für sich zu entscheiden.
Hier könnte ein Knackpunkt liegen, wenn es darum geht, ihn in Abschlusspositionen zu bringen. In Umschaltsituationen sind die Wege für Schalke oft etwas zu weit, um einen wie ihn vor das Tor zu bringen.
Allerdings war Dzeko in seiner Karriere schon immer etwas mehr als eine reine Nummer neun. In seiner Zeit bei Inter Mailand agierte er oft in einer weiträumigen Rolle, in der er sich im Spielaufbau mitunter tief fallen ließ, um die Bälle von dort zu verteilen und Überzahl im Mittelfeld zu schaffen.
Gelingt es ihm, diese Qualität auch einige Jahre später zu zeigen, kann er den Ballvortrag von Schalke erheblich verbessern und dafür sorgen, dass andere Offensivspieler mehr Räume bekommen. Denn jemand wie Dzeko wird in der 2. Bundesliga mit großer Wahrscheinlichkeit eine Sonderbewachung erhalten.
Der Respekt der Gegner vor ihm dürfte groß sein. Zieht er Gegenspieler aus der Abwehrkette, können schnellere Spieler in die Lücken starten.
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Edin Dzeko: Zwischen Raul und Vedad Ibisevic
Dzeko bringt Erfahrung, Qualität und einen guten Riecher vor dem Tor mit. Das Risiko des Transfers dürfte zudem überschaubar sein. Viel schwächer kann die Offensive für einen Aufstiegskandidaten nicht mehr werden.
Die Chance wiederum liegt darin, dass er das Puzzleteil ist, das den Schalkern gefehlt hat, um auch den Angriff in Gang zu bringen. Und trotzdem bleiben ein paar Fragezeichen. Einen eher langsamen Stürmer in ein von Tempo abhängiges System zu integrieren, wird keine leichte Aufgabe für Trainer Miron Muslic.
Ein bisschen erinnert man sich in Schalke noch an einen weiteren Transfer eines älteren Stürmers: Als Vedad Ibisevic 2020 verpflichtet wurde, waren die Hoffnungen ebenfalls groß. Nach nur 82 Tagen war das Abenteuer jedoch wieder beendet. Disziplinarische Vorfälle und Ärger mit dem Trainerteam sollen maßgeblich dazu beigetragen haben.
Der Fall Dzeko jedoch dürfte komplett anders gelagert sein. Der 39-Jährige hat in seiner Karriere mehrfach bewiesen, dass er ein Teamplayer ist und er bringt viel von dem mit, was es braucht, um eine ähnliche Feel-Good-Story wie Raul zu werden. Die Erwartungen an ihn sind jedenfalls schon vor seinem zu erwartenden Debüt im Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern (So., ab 13:30 Uhr im Liveticker) riesig.