Fußball
Premier League: Oliver Glasner verdient jetzt endlich die Chance bei einem Topklub - ein Kommentar
- Veröffentlicht: 16.01.2026
- 17:54 Uhr
- Chris Lugert
Oliver Glasner wird spätestens im Sommer bei Crystal Palace aufhören. Nach Jahren des Überperformens mit bescheidenen Mitteln hat er jetzt die Chance bei einem Spitzenklub verdient. Ein Kommentar.
Von Chris Lugert
So ganz nebenbei, fast schon in einem Nebensatz, verkündete Oliver Glasner am Freitag seinen Abschied von Crystal Palace. Spätestens im Sommer ist für den Österreicher Schluss, angesichts der zuletzt schwachen Ergebnisse könnte der Verein aber womöglich auch früher eine Trennung vollziehen.
"Bereits vor Monaten" habe der 51-Jährige den Klub-Verantwortlichen seine Entscheidung mitgeteilt, konkret während der Länderspielpause im Oktober. Was Glasner sucht, sei eine "neue Herausforderung". Diese Phrase, die gerne benutzt wird, oftmals aber wenig Inhalt bietet. Bei Glasner ist das anders.
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Denn seine Arbeit bei Crystal Palace war eine stete Herausforderung. Als der Österreicher im Februar 2024 das Amt bei den "Eagles" übernahm, war der Verein eine graue Maus. Doch Glasner hat den Staub weggewischt, das Image aufpoliert. Er verlieh dem Klub eine Spielphilosophie und brachte den Erfolg.
Wie bereits bei seinen vorherigen Stationen schaffte es der frühere Frankfurt-Trainer, mit wenigen Mitteln mehr herauszuholen, als eigentlich möglich scheint. Glasner versteht es, Spieler besser zu machen. In Frankfurt gewann er die Europa League, mit Crystal Palace immerhin den FA Cup - im Finale gegen Manchester City.
Glasner und die Kehrseite seines Ruhms
Doch wie es bei Vereinen so üblich ist, die nicht an der Spitze der fußballerischen Nahrungskette stehen, konnte Glasner nie langfristig etwas aufbauen. Sein eigener Erfolg wurde ihm zum Verhängnis, weil die Leistungsträger seines Teams plötzlich für die großen Klubs attraktiv wurden und das Weite suchten.
In Frankfurt verlor er einst Filip Kostic, bei Crystal Palace zunächst im Sommer 2024 Michael Olise und im vergangenen Jahr auch noch Eberechi Eze. Dass jetzt auch noch Kapitän Marc Guehi geht, dürfte ihn nur noch peripher interessieren. Anders im Sommer, als er mit Rücktritt drohte, falls der Innenverteidiger verkauft wird.
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Für einen Trainer mag es immer auch eine Form der Bestätigung sein, wenn die eigenen Spieler plötzlich für andere Klubs interessant werden. Irgendwas hat man also richtig gemacht. Doch gleichzeitig ist es auch frustrierend, immer wieder im Prozess zurückgeworfen zu werden. Was zwangsläufig an der Motivation nagt.
Insofern hat es Glasner jetzt verdient, auch einmal die andere Seite kennenzulernen. Für einen Spitzenklub zu arbeiten, der seine besten Spieler nicht verkauft, sondern im Gegenteil die finanziellen Möglichkeiten besitzt, regelmäßig nachlegen zu können. Und dem Trainer damit die Arbeit erleichtert.
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Keine Garantie auf Erfolg auch für Glasner
Dabei ist jedoch Vorsicht geboten. Es wäre naiv, den Rückschluss zu ziehen, dass ein Trainer wie Glasner bei einem großen Klub automatisch die großen Erfolge einfährt. Die Arbeit bei Vereinen wie Manchester United, Real Madrid und Co. ist eine ganz andere als in Frankfurt oder bei Crystal Palace.
Der tägliche Erwartungsdruck, die stete Aufmerksamkeit, der Umgang mit absoluten Weltstars - all das hat schon anderen guten Trainern den Job gekostet. Weil Erfolg nicht planbar ist und charakterliche Eigenschaften eine Rolle dabei spielen, sich in einem Haifischbecken vor der Weltöffentlichkeit zurechtzufinden.
Glasner aber hat zumindest die Chance verdient, sich selbst und auch etwaigen Zweiflern zu beweisen, dass er bereit dafür ist. Spätestens im Sommer gehört er zu den heißesten Aktien auf dem Trainermarkt. Freie Stellen dürfte es genug geben, die Frage bleibt, welchen Ruf Glasner bei den Großen im Business aufgebaut hat.
Dass er Pep Guardiola in einem großen Finale geschlagen hat, sollte ihm dabei gewiss nicht schaden. Es mag ein Fragezeichen sein, dass Glasner bislang noch nicht bei einem Weltklub gearbeitet hat. Eine Garantie auf Erfolg gibt es aber auch mit anderen Coaches nicht.