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FC Bayern - Vincent Kompany und sein großer Vorteil: "Co-Trainer füllen Vakuum"

  • Aktualisiert: 08.01.2026
  • 08:59 Uhr
  • Andreas Reiners

Sie stehen nicht im Fokus, sind aber wichtige Puzzleteile für den Erfolg des FC Bayern München: Vincent Kompanys Co-Trainer. Michael Henke spricht im ran-Interview über die Rolle, die immer noch oft unterschätzt wird.

Das Interview führte Andreas Reiners

Michael Henke weiß, wie speziell die Bayern-Kabine ist. Hat man sie als FCB-Trainer hinter sich, läuft vieles einfacher.

Ist das Verhältnis eher schwierig, kann die Kabine auch zum Stolperstein werden.

Ein essenzieller Schlüssel für Vincent Kompany, um die Kabine für sich und seine Ziele zu gewinnen, waren und sind seine Co-Trainer. Beim FC Bayern München sind das Rene Maric, Aaron Danks und Floribert Ngalula sowie der kürzlich verpflichtete Daniel Fradley.

"Co-Trainer füllen häufig das Vakuum, das zwangsläufig zwischen Cheftrainer und Mannschaft entsteht. Ihr Verhältnis zu einzelnen Spielern ist oft enger", sagt Co-Trainer-Legende Henke im ran-Interview.

Für einen Cheftrainer sei es daher oft sogar sinnvoll, eine gewisse Distanz zu wahren, so Henke: "Wenn die Co-Trainer diese Nähe auffangen und für einen guten Informationsfluss sorgen, verhindern sie Kommunikationsprobleme." Henke, der von 1998 bis 2004 und von 2007 bis 2008 bei den Bayern Assistenztrainer von Ottmar Hitzfeld war, spricht im ran-Interview über die Rolle, die immer noch oft unterschätzt wird.

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Henke: "War nie ein karrieregetriebener Typ"

ran: Herr Henke, Sie waren eigentlich immer Co-Trainer. Hat Sie der Cheftrainer-Posten nie wirklich gereizt?

Michael Henke: Ich war und bin ein Typ, der sehr im Moment lebt. Während meiner Zeit als Co-Trainer – ob in Dortmund oder in München – war ich jeden Tag ausgefüllt. Ich bin gerne zum Training gefahren, habe mich auf die Arbeit gefreut und nie groß darüber nachgedacht, ob ich jetzt Cheftrainer werden will. Als die Chance dann kam, in Kaiserslautern, war ich vielleicht schon zu lange Co-Trainer. Ob das ein Vor- oder Nachteil war, kann man drehen und wenden, wie man will. Angst vor der Aufgabe hatte ich jedenfalls nie. Ich hatte ja großartige Lehrmeister – vor allem Ottmar Hitzfeld – und wusste, was auf mich zukommt. Der Hauptgrund war wahrscheinlich, dass ich nie ein karrieregetriebener Typ war. Es gibt Trainer, die haben von Anfang an einen klaren Plan, wo sie hinwollen. Das war möglicherweise mein Manko: Ich war zu lange Co-Trainer, und das hat es mir später schwerer gemacht, als Cheftrainer dieselbe Akzeptanz zu bekommen. Aber das sind Vermutungen.

ran: Inwiefern Akzeptanz?

Henke: Als Co-Trainer hatte ich nie Probleme mit Akzeptanz. Ich habe ja selbst nur in der 2. Liga gespielt, war aber bei Top-Klubs wie Bayern oder Dortmund tätig, und trotzdem habe ich immer Gehör gefunden. Die Spieler haben mich respektiert und meine Art angenommen. Vielleicht dachten manche später: "Das ist der ewige Co-Trainer." Das kann sein. Aber ich weiß es nicht genau.

ran: Wie war das damals als Co-Trainer – und wie hat sich die Rolle verändert?

Henke: Früher war das eine ganz andere Welt. Als ich Co-Trainer war, gab es: einen Cheftrainer, mich als Co, keinen Torwarttrainer, keinen Fitnesstrainer, einen Masseur und einen Busfahrer, der gleichzeitig Zeugwart war. Das war der komplette Staff. Und trotzdem haben wir Pokale gewonnen und im Europapokal gespielt. Heute hast du drei Co-Trainer, dazu Analysten, mehrere Physiotherapeuten, Reha-Trainer, Spezialisten für alles. Das hat sich gewaltig verändert und damit auch die Rolle des Co-Trainers. Früher war ich der engste Vertraute des Cheftrainers, wir haben im Duo gearbeitet, fast wie ein Ehepaar.

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ran: Wie bei Ihnen und Ottmar Hitzfeld?

Henke: Ja, wir haben uns blind verstanden. Heute ist das Team viel größer, die Aufgaben sind verteilt: einer für Standards, einer für Gegneranalyse, einer für individuelle Entwicklung. Der Cheftrainer muss das Ganze moderieren und das Zusammenspiel organisieren. Und genau das ist heute entscheidend: dass du dein Team so zusammenstellst, dass es funktioniert. Wenn das nicht passt, dann funktioniert oft auch das große Ganze nicht.

ran: Muss man gut befreundet sein oder ist das nicht wichtig?

Henke: Nein, das muss nicht zwingend eine Freundschaft sein. Oft entstehen diese Verbindungen im Fußballlehrer-Lehrgang oder durch frühere Stationen. Manchmal kennt man sich schon länger, manchmal erst kurz – entscheidend ist, dass man sich vertraut und respektiert.

Kompany und Co.: "Macht einen sehr harmonischen Eindruck"

ran: Beim FC Bayern läuft das Zusammenspiel augenscheinlich hervorragend, nach Vincent Kompany hatten zuletzt auch Rene Maric, Aaron Danks und Floribert Ngalula sowie Torwarttrainer Michael Rechner bis 2029 verlängert. Wie bewerten Sie die Arbeit von Kompany im Zusammenspiel mit seinen Co-Trainern?

Henke: Das macht einen sehr harmonischen Eindruck. Natürlich gehört dazu auch die entsprechende Fachkompetenz, aber mir gefällt vor allem die Art von Vincent Kompany. Wie er auftritt, wie er kommuniziert, wie er sich nach außen darstellt. Das spiegelt sich auch im Trainerteam wider. Die Co-Trainer müssen in ihrer Ansprache und im Umgang mit der Mannschaft dieselbe Linie verfolgen wie der Cheftrainer. Natürlich sind die Charaktere unterschiedlich. Das ist sogar gut, das befruchtet sich gegenseitig. Aber entscheidend ist, dass alle in dieselbe Richtung marschieren. Genau diesen Eindruck habe ich beim FC Bayern.

ran: Mit Daniel Fradley wurde zuletzt ein Chefanalytiker verpflichtet. Hat Sie dieser Schritt überrascht?

Henke: Das entspricht dem heutigen Zeitgeist. Ich warne allerdings ein wenig davor, Trainerstäbe zu sehr aufzublasen. Natürlich brauchst du Manpower, ein Cheftrainer kann das alles nicht mehr allein leisten. Gleichzeitig habe ich in der Vergangenheit auch gesehen, dass es problematisch werden kann, wenn ein Trainerstab zu groß wird und nicht zu hundert Prozent harmoniert. Dann kann selbst hohe Kompetenz kontraproduktiv werden.

ran: Sehen Sie beim FC Bayern diese Gefahr?

Henke: Für einen Spitzenverein wie den FC Bayern ist das absolut passend, wenn man dauerhaft auf höchstem Niveau spielt. Ich gehe davon aus, dass man sich bei der Fradley-Verpflichtung auch etwas gedacht hat. Wahrscheinlich hat man sich im Winter intensiv mit der Situation beschäftigt und festgestellt, dass an dieser Stelle noch Bedarf besteht. Ich habe den Eindruck, dass Kompany sehr genau weiß, was er tut, und sich über seine Entscheidungen viele Gedanken macht. Außerdem kennt er große Vereine und weiß, wie es ist, wenn viele Trainer um eine Mannschaft herum arbeiten.

ran: Ist die Verpflichtung Fradleys auch ein Statement – selbst wenn es "nur" die Co-Trainer-Ebene betrifft? Immerhin kommt er von Manchester City.

Henke: Ja, das kann man durchaus als Statement verstehen. Und ich finde das sehr positiv. Es zeigt, dass sich der FC Bayern nicht ausruht, sondern permanent versucht, sich weiterzuentwickeln und zu perfektionieren. Offenbar hat man intern erkannt, wo man noch besser werden kann, und dann ist es absolut legitim, genau dort anzusetzen.

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ran: Eine besondere Rolle spielt Kompanys persönlicher Assistent Rodyse Munienge. Kompanys Vater beschrieb ihn einmal so: "Bodyguard, Fahrer, Tausendsassa." Wie sehen Sie diese Rolle?

Henke: Solche Konstellationen gibt es immer wieder. Gerade auf dieser Spitzenposition, auf der sich ein Cheftrainer bewegt, halte ich eine absolute Vertrauensperson für sehr wichtig. Die Co-Trainer müssen fachlich auf einer Wellenlänge sein – aber man kann nicht erwarten, dass alle zugleich enge persönliche Bezugspersonen sind. Deshalb ist diese Rolle zwar speziell, aber nicht ungewöhnlich. Im Idealfall funktioniert das fast wie ein gut eingespieltes Ehepaar. Früher hat man Ähnliches über das Duo Hitzfeld und Henke gesagt – genau so muss das sein.

ran: Lauern bei so engen Vertrauensverhältnissen auch Risiken? Zum Beispiel, dass andere misstrauisch werden?

Henke: Das kann passieren. Ich habe den Eindruck, dass Kompany das sehr gut löst. Wichtig ist, dass nichts verdeckt läuft. Sobald sich Grüppchen bilden oder Informationen abgeschottet werden, wird es problematisch. Ich habe selbst einmal in einem Verein gearbeitet – den Namen möchte ich nicht nennen –, da gab es zwei Trainerbüros. In einem saßen Fitness-, Torwart- und Athletiktrainer, im anderen der Cheftrainer mit einem Co-Trainer. Solche Strukturen sind gefährlich. Am Ende hängt alles daran, wie der Cheftrainer die Kommunikation steuert.

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FC Bayern: So helfen die Co-Trainer, die Kabine zu gewinnen

ran: Die Bayern-Kabine gilt als besonders anspruchsvoll. Wie wichtig sind die Co-Trainer dabei, die Mannschaft hinter gemeinsame Ziele zu bringen?

Henke: Sehr wichtig. Co-Trainer füllen häufig das Vakuum, das zwangsläufig zwischen Cheftrainer und Mannschaft entsteht. Ihr Verhältnis zu einzelnen Spielern ist oft enger. Spieler wissen zwar, dass auch Co-Trainer Einfluss haben – etwa bei Aufstellungen –, aber sie wissen genauso: Der finale Entscheider ist der Cheftrainer. Deshalb ist es für den Cheftrainer oft sogar sinnvoll, eine gewisse Distanz zu wahren. Wenn die Co-Trainer diese Nähe auffangen und für einen guten Informationsfluss sorgen, verhindern sie Kommunikationsprobleme.

ran: Wird der Co-Trainer in der Öffentlichkeit unterschätzt?

Henke: Ja, absolut. Ein Cheftrainer ist extrem abhängig von einem gut funktionierenden Trainerstab. Aber die Co-Trainer sind die wichtigsten Partner in der Konstellation. Sie sind oft der erste Ansprechpartner für die Spieler – sozusagen der Übersetzer zwischen Mannschaft und Cheftrainer. Aber sie dürfen auch kein Kumpel sein.

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ran: Wie wichtig ist der Spagat zwischen Nähe und Distanz zu den Spielern?

Henke: Die Spieler müssen wissen: Mit dem kann man reden, auch offen, aber am Ende steht er loyal hinter dem Cheftrainer. Ich hatte früher oft Situationen, wo Spieler Mist gebaut hatten. Dann musst du abwägen: Muss ich das Ottmar Hitzfeld jetzt sofort erzählen oder gebe ich dem Spieler einmal eine Chance? Das gehört zur Erfahrung und zur Verantwortung. Aber Zweifel an deiner Loyalität dürfen nie aufkommen. Wenn ein Spieler denkt, du bist auf seiner Seite gegen den Trainer, ist das Gift für jede Mannschaft.

ran: Was ist das Geheimnis, damit ein Trainerteam langfristig funktioniert und sich nicht abnutzt?

Henke: Die Gefahr besteht immer. Man kann sich nicht permanent neu erfinden. Umso wichtiger ist es, offen für neue Impulse zu bleiben und innovativ zu arbeiten. Außerdem hilft ein regelmäßiger Umbruch im Spielerkader. Das bringt neue Energie, auch für die Trainer. Gerade nach Erfolgen ist es schwierig zu entscheiden, wann man welchen Spieler abgibt. Aber eine gesunde Rotation ist wichtig. Am Ende hängt auch das wieder stark von der Person des Cheftrainers ab und vom Zusammenspiel mit Sportdirektor oder Klubführung. Ich habe in diesem Bereich allerdings auch schon Entwicklungen gesehen, die ich kritisch bewerte.

ran: Welche wären das?

Henke: Ich habe beobachtet – ohne Namen zu nennen –, dass es Trainer gibt, große Talente, die schnell Erfolge haben und dann von einem normalen Verein zu einem Spitzenklub wechseln. Sie bekommen Topverträge, werden plötzlich als Startrainer wahrgenommen. Zumindest von außen sieht man dann Veränderungen in der Persönlichkeit. Manche Trainer werden zu sehr zu Stars. Das äußert sich etwa darin, dass sie sich plötzlich zu allem Möglichen äußern – auch zu politischen oder gesellschaftlichen Themen, die mit der Mannschaft oder dem Verein eigentlich nichts zu tun haben. Das registriert eine Mannschaft sehr genau. Und dann kann Distanz entstehen.

ran: Welche Folgen hätte diese Distanz?

Henke: Das kann gefährlich sein, weil die Kabine sich nicht mehr voll abgeholt fühlt oder das Gefühl bekommt, nicht mehr im Zentrum zu stehen. Gerade bei einem Klub wie dem FC Bayern ist das sensibel. Die Spieler dort sind Nationalspieler, Persönlichkeiten, gestandene Profis. Diese Rolle muss man ihnen lassen. Gleichzeitig darf aber nie ein Zweifel daran bestehen, wer die Autorität innehat: Der Cheftrainer – gemeinsam mit seinem Trainerteam – trifft die Entscheidungen. Besonders gefährlich wird es, wenn sich dieses Gleichgewicht verschiebt.

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Henke: "Dann verliert ein Trainer sehr schnell die Kabine"

ran: Ist das der Moment, wenn der Trainer die Kabine verlieren kann?

Henke: Genau. Wenn der Eindruck entsteht: Gewinnt die Mannschaft, ist es die geniale Taktik des Trainers, seine Menschenführung, seine Idee. Läuft es schlecht, ist plötzlich nur noch die Mannschaft schuld und der Trainer steht außen vor. Solche Dynamiken kann man immer wieder beobachten. Wenn sich dieses Denken verfestigt, wird es richtig heikel. Dann verliert ein Trainer sehr schnell die Kabine.

ran: Unter dem Strich: Wie viel Einfluss hat ein Co-Trainer heute im Vergleich zu früher?

Henke: Ich glaube, der Einfluss ist immer noch groß, aber auf andere Art. Viele Co-Trainer machen heute so gute Arbeit, dass sie irgendwann automatisch Cheftrainer werden. Früher war es so: Der Co-Trainer hat im Grunde das Gleiche gemacht wie der Chef, nur dass der Chef am Ende die Verantwortung getragen und die Aufstellung gemacht hat. Heute ist die Rolle des Cheftrainers viel exponierter, fast wie die eines CEOs in einem Unternehmen. Er muss alles managen – sportlich, kommunikativ, strategisch. Der Co-Trainer ist stärker spezialisiert. Das ist eine logische Weiterentwicklung des Sports, aber es macht das Ganze auch komplexer.

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ran: Ist die Aufgabe des Cheftrainers dadurch schwieriger geworden?

Henke: Ja, definitiv. Du darfst bei all den Strukturen deine Kernaufgabe nicht aus den Augen verlieren: die Mannschaft. Das Verhältnis zu den Spielern, das tägliche Gespür: Wer ist gut drauf, wer hat ein Problem, wer braucht ein Gespräch oder vielleicht mal eine Pause? Das sind Dinge, die wahnsinnig viel Zeit und Aufmerksamkeit brauchen. Wenn du dieses Gespür verlierst, verlierst du irgendwann die Mannschaft – völlig unabhängig davon, wie groß oder qualifiziert dein Trainerstab ist.

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