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FC Bayern München: Zahlen beweisen es! Warum das "Problem" der ersten Halbzeit noch keines ist
- Veröffentlicht: 23.01.2026
- 21:14 Uhr
- Justin Kraft
Der FC Bayern München hat derzeit ein vermeintliches Problem: In der ersten Halbzeit läuft es nicht mehr rund. Aber ist das wirklich ein Problem?
Vier Pflichtspiele hat der FC Bayern München in diesem Kalenderjahr absolviert. Gegen den VfL Wolfsburg ging man nach dem zwischenzeitlich kassierten Ausgleich mit einem 2:1 in die Pause. In Köln stand es zur Halbzeit 1:1, in Leipzig führte das Heimteam sogar mit 1:0.
Auch in der Champions League ging die vermeintlich dürftige Vorstellung des FCB in den ersten Halbzeiten weiter: Nur 0:0 gegen Union Saint-Gilloise. Doch diese Serie lässt sich sogar noch ausweiten.
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In den ersten 16 Pflichtspielen der Saison führten die Bayern 15-mal zur Halbzeit. Nur gegen Borussia Mönchengladbach stand es nach den ersten 45 Minuten 0:0. Einen Pausenrückstand gab es nicht. in den darauffolgenden 13 Pflichtspielen lagen die Münchner nach dem ersten Durchgang nur noch viermal in Führung.
In München sieht man diese Bilanz gelassen. Joshua Kimmich sprach am Mittwochabend davon, "das Haar in der Suppe suchen" zu wollen. Schließlich hat seine Mannschaft in diesen 13 Pflichtspielen nur einmal verloren und zweimal Unentschieden gespielt. Zehn Siege stehen dem gegenüber.
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"Bei uns ist der Vorteil, dass wir sehr, sehr fit sind", entgegnete Kimmich: "Es ist also kein Problem, die Spiele erst ab der 60. Minute zu entscheiden." Kein Problem also? Es ist zumindest kompliziert.
FC Bayern: Keine herausragenden Frühstarter
So kompliziert, dass sich Vincent Kompany vor seiner Pressekonferenz am Freitag etwas genauer Gedanken gemacht hat, um eine passende Antwort zu liefern: "Wenn man es ein bisschen dreht, könnte man sagen, dass es ein Problem für die anderen Mannschaften ist, weil die in der zweiten Hälfte immer schwächer geworden sind. Oder?"
Man könne nicht erwarten, "dass man in den ersten 45 Minuten, wenn der Gegner so frisch ist und einen Matchplan hat, alles so einfach ist, wir zwei, drei Tore machen, und es ist schon vorbei. Das geht einfach nicht. Nicht in der Bundesliga, nicht in der Champions League."
Damit hat der Trainer einen wichtigen Punkt – und offenbar auch einen, der sich durch die Datenlage stützt. Denn je länger ein Spiel dauert, desto größer wird der Abstand zur Konkurrenz. In der aktuellen Tabelle stehen die Bayern bereits elf Punkte vor Borussia Dortmund.
Die besten Frühstarter der Liga kommen wiederum aus Leipzig: Würde jedes Spiel nach 15 Minuten abgepfiffen werden, hätte RB bereits fünf Punkte Vorsprung auf den FC Bayern, der auf dem dritten Rang steht – mit vier Siegen, zwölf Unentschieden und zwei Niederlagen. Generell ist die Zahl an Unentschieden bei den Klubs hier denkbar hoch.
Spannend allerdings: Erhöht man um weitere 15 Minuten auf die 30. Minute, sind die Bayern bereits deutlicher Tabellenführer: Mit 36 Punkten hätten sie neun Zähler Vorsprung auf Leverkusen – allerdings bei einem Spiel mehr. Die Halbzeittabelle wiederum geht an den BVB, der in den ersten 45 Minuten bei 43 Punkten und damit vier vor dem FC Bayern steht.
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Halbzeittabellenführer ist der BVB
Die Bilanz der Münchner zum Pausentee: Elf Siege, sechs Unentschieden, eine Niederlage. Macht einen Punkteschnitt von 2,17 pro Partie. Nimmt man alle Spielzeiten seit der Saison 2010/11, waren die Bayern nur dreimal besser: In der Triplesaison 2012/13 kamen sie in der Halbzeittabelle auf 2,26 Punkte pro Spiel, 2018/19 auf 2,18 und 2022/23 auf ihren Bestwert in diesem Zeitraum – 2,47. Der Durchschnitt in den vorangegangenen 15 Spielzeiten liegt bei 2,02 Punkten pro Partie.
Die Bayern sind aktuell also überdurchschnittlich gut, wenn man sie an ihrer eigenen Vergangenheit misst. Ist die aktuelle Wahrnehmung also ebenso falsch wie die leichte Kritik an den ersten Halbzeiten? Auch hier ist es eher kompliziert. Denn die aktuelle Phase ist für sich betrachtet trotzdem unterdurchschnittlich.
Und die Wahrnehmung entsteht nicht grundlos. Wie bereits eingangs erwähnt, gibt es einen klaren Wendepunkt in dieser Saison. Bis zum Sieg gegen Paris Saint-Germain ist der Rekordmeister fast schon mühelos durch alle Wettbewerbe spaziert. Das hat die Erwartungshaltung nach oben korrigiert.
Vor allem aber hat diese Phase die Erwartungshaltung etwas verfälscht. Durch die anhaltend guten Ergebnisse fiel zunächst gar nicht auf, dass es nach dem PSG-Spiel zunehmend etwas schwieriger für die Bayern wurde, dieses Niveau zu halten. Mit etwas Verzögerung und noch etwas schleppender verlaufenden Anfangsphasen wurde die Aufmerksamkeit dafür größer.
FC Bayern "leidet" unter herausragendem Saisonstart
Der Effekt ist simpel erklärt: In der Anfangsphase der Saison haben die Bayern etwas überperformt. Sie haben beispielsweise deutlich mehr Tore geschossen, als erwartbar gewesen wäre. Mehrere Spieler hatten einen Schnitt von einer Torbeteiligung alle 60-70 Minuten – auf Dauer gelingt das nur den Besten der Besten.
Was jetzt stattgefunden hat, ist zumindest in Teilen eine Normalisierung, die wegen der vorherigen Überperformance als Auffälligkeit wahrgenommen wird. Dabei gibt es zahlreiche weitere logische Gründe dafür, warum den Bayern das frühe Knacken der Gegner nicht mehr so leicht fällt wie zu Beginn der Saison.
Einer davon ist die Spielanlage. In der Bundesliga trifft die Mannschaft von Vincent Kompany überwiegend auf Gegner, die früher oder später im Spielverlauf tief und kompakt verteidigen werden. Niemand hat so viel Ballbesitz wie die Bayern (fast 70 Prozent). In der Anfangsphase des Spiels fallen jedoch zwei Dinge deutlich einfacher als in den darauffolgenden Phasen: Auch mal höher anzulaufen und gut organisiert den eigenen Strafraum abzusichern.
Für die Bayern ist es eher die Regel, dass solche Spiele zur Geduldsaufgabe werden. Ball kontrollieren, viel bewegen, Lücken aufreißen und diese konsequent bespielen. Je länger das Spiel dauert, desto größer die Wahrscheinlichkeit, die andere Mannschaft müde gespielt zu haben.
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FC Bayern hat bisher immer eine Antwort
Auch hier könnte man die geäußerte Kritik in ein Lob umwandeln: Bayern spielt so konsequent und geduldig wie schon lange nicht mehr. Sie glauben an ihren Weg und werden auch dann nicht nervös, wenn sie nach 60 oder 70 Minuten noch nicht führen. Mit dieser Herangehensweise gelang ihnen schon manche späte Entscheidung.
In einer Bundesliga-Tabelle, die die Spiele nur von der 61. Minute bis zum Abpfiff bewertet, stehen die Bayern mit 43 Punkten auf dem ersten Platz – mit 35:5 Toren. Auf dem zweiten Platz folgt der SC Freiburg mit 12:6 Toren und 31 Punkten. Der BVB ist siebter (14:12 Tore, 23 Punkte), Leipzig sogar nur zwölfter (7:12 Tore, 20 Punkte).
Es ist die Qualität einer großen Mannschaft, Punkte und Siege in den Spielen zu holen, die nicht perfekt nach Plan laufen. Genau das gelingt den Bayern aktuell. Und trotzdem weiß auch Kompany, dass er bis zu den entscheidenden Spielen im Februar, März und April wieder die Mannschaft aus der ersten Saisonphase braucht.
Denn die ersten Halbzeiten in diesem Jahr waren überwiegend nicht gut. Zu viele leichte Ballverluste, zu viele zugelassene Konter und zu wenig Druck im Spiel nach vorn. Gegner mit der Qualität der Top-Teams in der Champions League hätten das härter bestraft als die, die dem FCB bisher gegenüberstanden.
Mannschaften entwickeln Lösungen, um den Bayern das Leben schwerer zu machen. Es liegt nun an den Bayern, wiederum Antworten darauf zu finden. Schaut man sich die Werte aus den zweiten Halbzeiten an, sind sie darin zumindest nicht allzu schlecht.